Keep it in the Ground

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Weltweit kämpfen Kampagnen und Organisationen für den Rückzug fossiler Energien. Die Divestment-Bewegung setzt sich für den Abzug von Investitionen in die Kohle-, Öl- und Gasindustrie ein.

August 2017: Tausende Aktivisten blockieren das Kohlekraftwerk Neurath im Rheinischen Braunkohlerevier und besetzen stundenlang die Kohlebahn. Die „Ende Gelände“-Aktion macht bereits zum dritten Mal auf die Klimaschädlichkeit von fossilen Energien wie Kohle oder Öl aufmerksam. Ende Gelände ist Teil der weltweiten Kampagne „Break Free from Fossil Fuels“ gegen fossile Energien. Die erste Aktion fand im August 2015 in allen drei großen Braunkohlerevieren Deutschlands statt, organsiert und koordiniert werden die Aktionen von Organisationen wie 350. Der US-Amerikaner Bill McKibben hat 350 gegründet, und erhielt dafür im Jahr 2014 den alternativen Nobelpreis. Mithilfe von Online-Kampagnen und öffentlichen Großaktionen stellt sich 350 gegen neue Kohle-, Öl- und Gasprojekte und setzt sich für den Abzug von Geldern aus Unternehmen ein, die in fossile Energien investieren. Der Name leitet sich von 350 ppm (Teilchen pro Million) ab – der sicheren Konzentration von Kohlendioxid in der Atmosphäre.

Erste Erfolge „Divestment ist eine der wichtigsten Bewegungen des 21. Jahrhunderts“, ist der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber überzeugt. Immer mehr öffentliche und private Investoren, wie etwa Pensionsfonds, Kapitalanlagegesellschaften und Versicherungen, verfolgen die Spur ihres Geldes und wollen keine klimaschädlichen Aktivitäten mit eigenem Vermögen unterstützen. 2015 rückte Alan Rusbridger, damaliger Chefredakteur der britischen Tageszeitung „The Guardian“ das Divestment mit seiner Kampagne „Keep it in the ground“ ins öffentliche Interesse. Rusbridgers Ziel war es, in der Finanzbranche dafür zu lobbyieren, Investitionen in fossile Energieträger zurückzunehmen und stattdessen in umweltfreundliche Technologien zu investieren. Organisationen wie Go Fossil Free widmen sich ebenfalls dem Divestment und können bereits Erfolge verzeichnen: Vor zwei Jahren kündigte der millionenschwere Rockefeller-Clan, der einst mit Ölförderung reich geworden war, seinen Rückzug aus fossilen Energien an. Norwegens staatlicher Ölfonds will aus Gas und Öl deinvestieren. Große Städte wie Kapstadt, New York oder San Francisco haben sich ebenfalls dem Divestment verschrieben. Erst kürzlich gab der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio bekannt, dass die Stadt alle Pensionfonds aus der Kohle-, Öl-und Gasindustrie abziehen wird. Darüber hinaus will New York New York Unternehmen wie Exxon und Shell auf Schadenersatz für Klimafolgen verklagen.

Mehr Transparenz Finanzielle Argumente für den Ausstieg aus fossilen Rohstoffen liefert die britische Denkfabrik Carbon Tracker. Um bis zu 60 Prozent könnten die Firmenwerte von Exxon, Shell und Co. einbrechen, wenn aufgrund ehrgeiziger Klimaziele die Förderung fossiler Rohstoffe gestoppt würde. In der Finanzwelt ist das Risiko unter dem Begriff Kohlenstoffblase bekannt: Er bezeichnet die Überbewertung von Kohle-, Öl- und Gasreserven, die nicht berücksichtigt, dass der Großteil der fossilen Reserven nach dem Pariser Klimavertrag womöglich unverwertbar ist. Der Energieexperte Georg Günsberg erstellte mit seinem Team eine Analyse des österreichischen Fondsmarkts hinsichtlich riskanter fossiler Investitionen und der damit verbundenen langfristigen CO2-Emissionswirkung. „Zum Zeitpunkt der Erhebung verfügten rund drei Viertel aller untersuchten Fonds über Veranlagungen im Fossilbereich“, so Günsberg. „Kaum ein Anleger weiß, welche Unternehmen genau im Portfolio des jeweiligen Fonds vorkommen und wie diese den Klimawandel vorantreiben“, kritisiert der Energieexperte. „Es braucht Transparenz in den Kapitalmärkten, damit mehr private wie öffentliche Investoren Verantwortung für zukünftige Generationen wahrnehmen können.“ Eine Alternative sind Projekte wie die gerade entstehende Bank für Gemeinwohl oder Fonds, die Divestment gezielt adressieren. Aber auch die Politik ist gefragt: „Es braucht ambitionierte Schritte der Politik, die Weichen in Richtung Low Carbon Economy zu stellen“, ist Günsberg überzeugt.

 

 

 

 

 

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