Gleichberechtigung ist ein Menschenrecht

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„Feminismus ist ein unpopuläres Wort geworden“, sagt Emma Watson. „Der Kampf für gleiche Rechte wird zunehmend mit Männerhass gleichgesetzt. Das muss aufhören.“

Zum Auftakt der HeforShe-Kampagne hielt die britische Schauspielerin und UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte eine viel beachtete Rede und erinnerte an die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes Feminismus: Die Überzeugung, dass Frauen und Männer gleiche Rechte haben sollen. Moderne Feministinnen „Gleichberechtigung ist kein reines Frauenthema, sondern ein Menschenrecht“, steht auf der Website der HeforShe-Kampagne, die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern ins Bewusstsein rufen will – und Männer dazu auffordert, sich für Gleichberechtigung stark zu machen. Denn auch Männer seien betroffen, wie etwa Väter, die darum kämpften, als gleichberechtigter Elternteil gesehen zu werden. Immer mehr Prominente setzen sich für das Thema ein: Bei einem Auftritt der Sängerin Beyoncé im Zuge der MTV Video Music Awards wurde der riesige Schriftzug „FEMINIST“ auf die Bühne projiziert. Die Sängerin lässt Zitate feministischer Autorinnen in ihre Songs einfließen und schrieb in einer Stellungnahme für den „Shriver Report“ zum Thema Gleichberechigung: „Die durchschnittlich arbeitende Frau verdient gerade 77 Prozent dessen, was ein Mann durchschnittlich verdient“. Der Titel des Essays: „Gender Equality is a Myth!“. Die Schauspielerinnen Eva Longoria und Jennifer Garner sowie US-Präsidenschaftskandidatin Hillary Clinton beziehen in dem Report ebenfalls Stellung.

„Feministinnen sind hässlich, frustriert, haben keinen Sex – das hab‘ ich alles schon zu hören bekommen“

Feminismus in sozialen Medien Frauen setzen sich seit über 200 Jahren für gleiche Rechte ein, sind von Gleichberechtigung jedoch weit entfernt. Anfang 2013 ging ein Aufschrei durch die sozialen Medien – unter dem gleichnamigen Hashtag twitterten Frauen über sexistische Bemerkungen und Übergriffe, denen sie im Alltag ausgesetzt sind. In wenigen Tagen kam das Hashtag auf über 57.000 Twitter-Nachrichten, das Thema wurde von zahlreichen Medien aufgegriffen. Initiatorin Anne Wizorek, deutsche Medienberaterin und Bloggerin, macht in ihrem aktuellen Buch „Weil ein #Aufschrei nicht reicht“ anhand von sieben Thesen klar, dass Männer und Frauen hierzulande nicht gleichberechtigt sind. Dazu gehören Lohnunterschiede, halbnackte Frauen in der Werbung oder die Tatsache, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nach wie vor als Sache der Frauen gilt. Facebook-CEO Sheryl Sandberg zitiert in ihrem Buch „Lean In“ zahlreiche Statistiken und Studien, die besagen: Mütter, die wegen eines Kindes ein Jahr zu Hause bleiben, verlieren durchschnittlich 20 Prozent Gehalt. Berufstätige Frauen verbringen zu Hause doppelt so viel Zeit wie ihre Partner mit Hausarbeit und dreimal so viel mit Kinderbetreuung. „Feministinnen sind hässlich, frustriert, haben keinen Sex – das hab‘ ich alles schon zu hören bekommen“, sagt Anne Wizorek. „Aber diese Vorurteile dienen nur dazu, die Argumente der Frauen auszuhebeln.“

Weltweite Missstände Haben wir keine anderen Probleme?, ist der Grundtenor der Kritiker, darunter viele Frauen, wenn es um Gleichberechtigung geht. Verglichen mit den Lebensbedingungen von Frauen in anderen Ländern ginge es uns doch gut, so die verbreitete Meinung. In gewisser Weise haben sie recht: In vielen Ländern werden Frauen unterdrückt, misshandelt, ermordet. In Indien oder China kommen zahlreiche Mädchen gar nicht erst zur Welt, weil sie für ihre Eltern weniger wert sind als Buben. In Saudiaraben müssen Frauen ihre Ehemänner vor jeder Entscheidung um Erlaubnis fragen. Und in afrikanischen Ländern gibt es auch heute noch die Praxis der weiblichen Genitalverstümmelung. Zwangsprostitution, Frauenhandel, Ehrenmorde – die Liste der Missstände, die Frauen betreffen, ist lang: Die häufigsten Menschenrechtsverletzungen unserer Zeit betreffen Frauen und Mädchen. Dafür Bewusstsein zu schaffen und Veränderungen einzufordern, ist ebenfalls ein Anliegen des Feminismus. Auch wenn vieles davon hierzulande nur Randgruppen betrifft, ist Österreich keine Insel der Seligen: Jede fünfte Frau hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, jede fünfte in einer Beziehung lebende Frau wird von ihrem Ehemann oder Lebensgefährten misshandelt. Bei Maßnahmen zur Gleichberechtigung der Frau geht es also in erster Linie um Sensibilierung für ein Thema, das uns alle betrifft – nicht nur Frauen.

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2 Kommentare

  1. Pingback: Die Frauen und ich | Richard J. Palfalvi

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