Essen ohne Nebenwirkungen

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Immer mehr Menschen suchen Alternativen zur industriellen Landwirtschaft und all ihren Nebenerscheinungen. Fündig werden sie bei Bio-Bauern oder Foodcoops.

Insektengift in Eiern, Pferdefleisch-Skandal, Rinderwahn (BSE). Die Lebensmittelskandale der letzten Jahre standen immer im Zusammenhang mit der industriellen Landwirtschaft und der Intensivtierhaltung. Mit ein Grund (neben vielen anderen wie Klimawandel oder Landgrabbing), sich nach Alternativen umzusehen. Ob das nun der Bioladen ist, der selbst bepflanzte Gemüseacker oder das Engagement in einer Foodcoop – der verantwortungsbewusste Einkauf von Lebensmitteln steht im Vordergrund. Auch die Förderung von kleinbäuerlicher, biologischer Landwirtschaft, die Vermeidung von Abfall oder von langen Transportwegen sind Motive, nach Alternativen zu suchen.

Bio boomt In Österreich gibt es rund 22.000 Bio-Landwirtschaftsbetriebe, die fast 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen bewirtschaften. Da die Bio-Branche stark gewachsen ist und häufig die großen Betriebe kleinere verdrängen, kommt es immer wieder zu Missständen; Vorschriften, die für Biohaltung gelten, werden durch Ausnahmeregelungen umgangen. Um dem etwas entgegen zu setzen, weichen Konsumenten zunehmend auf kleinere Anbieter wie Bioläden oder nahe gelegene Bauern aus. Andere lassen sich die Bio-Ware ins Haus liefern: Biokistl bieten neben Obst und Gemüse weitere Biolebensmittel wie Getreide, Käse oder Fleischwaren. Die Kisten gibt es in verschiedenen Größen und flexibler Zusammenstellung, die Lieferung kann jederzeit abbestellt werden.

Gärtnern in der Stadt Auch Urban Gardening, gewinnt an Bedeutung: Hier wird auf öffentlichen Flächen ein gemeinschaftlicher Anbau von Nutzpflanzen und Gemüse organisiert, die Flächen gehören meist öffentlichen Trägern wie Städten, Kirchen oder Stiftungen. In den Gärten gibt es Einzelparzellen sowie Gemeinschaftsflächen, ökologische Diversität ist ein wesentliches Kriterium. Die Vorteile: Die Naturverbundenheit wird gestärkt, das Stadtklima und auch das soziale Klima verbessert. Kosten für Wasser, Versicherung oder Abfall werden meist zur Gänze von der Stadt oder anteilig von den Gärtnern übernommen. Die Stadt Wien zum Beispiel fördert unter dem Motto „gemeinsam garteln verbindet“ aktiv Nachbarschafts- und Gemeinschaftsgärten. Die Gärten sollen die Nachbarschaftsbeziehungen stärken und sind ein aktiver Beitrag zur Grünraumgestaltung in der Stadt.

Gemeinschaftlich einkaufen Stärkung der regionalen Landwirtschaft, ökologische Produktion, kurze Lieferwege und Transparenz: Das sind die Hauptmotive, die Menschen dazu bewegen, sich in einer Foodcoop zu engagieren. Die Mitglieder organisieren den Einkauf gemeinschaftlich und beziehen ökologische Produkte meist direkt von Erzeugern aus der Region. Ankauf, Lagerung und Verteilung wird von den Mitgliedern selber durchgeführt und erfolgt ehrenamtlich. Dieser zeitliche Aufwand wird jedoch von der Kostenersparnis ausgeglichen: da die Kosten des Einzelhandels wegfallen, kommen die Lebensmittel günstiger.

Gemeinsam landwirtschaften Hinter all diesen Ideen steht die gemeinschaftsgetragene Landwirtschaft (Gelawi) oder Community Supported Agriculture (CSA). Heute breiten sich CSA-Projekte weltweit als demokratische und solidarische Form der Organisation von Ernährung aus. Mit dem Projekt „gemeinsam landwirtschaften“, kurz „Gela-Ochsenherz“, startete Anfang 2011 das erste CSA-Projekt auch in Österreich: Der Ochsenherz Gärtnerhof ist ein gemeinschaftlich organisierter Demeter Landwirtschaftsbetrieb in Gänserndorf. Der Betrieb ist darauf ausgerichtet, einen Kreis von ca. 200 (aktuell 230) Menschen mit Gemüse zu versorgen. Im Gegenzug decken diese Personen die Ausgaben des Gemüseanbaus. Auf ca. fünf ha Land werden etwa 60 Gemüsearten angebaut, auch eigenes Saatgut wird gewonnen und weitergegeben.

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