Verkehrte Welt

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Wir leben in einer verkehrten Welt: Wo faire und ökologisch produzierte Produkte teurer sind als solche, die auf Kosten der Umwelt und ArbeiterInnen gehen. In dieser Welt können Konzerne ungestraft ausbeuterische Produkte herstellen und ihre Konsumenten unter dem Vorwand der Nachhaltigkeit täuschen.

Während die großen Konzerne immer mächtiger werden, kämpfen kleinere, nachhaltig agierende Unternehmen ums Überleben. Dahinter steht ein neoliberales Wirtschaftssystem, das nur eines im Sinn hat: Profit um jeden Preis. Und Politiker, die sich von Lobbyisten machthungriger Konzerne kaufen lassen. Sie alle nehmen in Kauf, dass Wälder abgeholzt und ArbeiterInnen ausgebeutet werden, dass Erdöl und Kohle weiterhin unser Klima anheizen. Wir KonsumentInnen werden dabei für dumm verkauft und gegeneinander ausgespielt: Wer sich die teureren, weil fair produzierten, Produkte nicht leisten kann, wird zum Sündenbock erklärt.

Natürlich können wir Verantwortung übernehmen und einen nachhaltigen Lebensstil pflegen, wie ich in meinem Buch Nachhaltig Leben erkläre. Wir können auf das Auto verzichten und möglichst wenig Fleisch essen; können kritisch das Überangebot an Billigmode hinterfragen und nachhaltige Unternehmen oder ethische Banken unterstützen. Doch damit tragen wir einen verschwindend kleinen Teil zum Umwelt- und Klimaschutz weltweit bei. Und nicht jede/r kann sich nachhaltige Produkte mit Gütesiegeln wie Bio oder Fairtrade leisten – hier liegt auch ein Kritikpunkt, den u.a. Werner Boote in seinem Film The Green Lie aufgreift: Wie kann es sein, dass große Konzerne bei der Herstellung ihrer Produkte die Umwelt und Arbeitskräfte ausbeuten können, ohne dafür belangt zu werden? Wie konnten wir so weit kommen, dass die Verantwortung für „gute“, sprich nachhaltige, Produkte auf die Konsumenten abgeschoben wird? Ein Beispiel: Seit einiger Zeit muss in EU-Staaten auf Produkten deklariert werden, ob sie Palmöl enthalten. Aber warum dürfen Produkte mit Palmöl überhaupt noch in die EU importiert werden? Weshalb gibt es keine Strafzölle auf Waren, die unter ausbeuterischen Bedingungen hergestellt wurden? Dass für den Anbau von Ölpalmen riesige Flächen an Regenwald gerodet werden, ist schon lange eine bekannte Tatsache. „Konsumenten werden dazu gezwungen, Experten für Arbeitsrecht, Transportwesen und Umweltschutz zu werden, um einen Durchblick im Gütesiegeldschungel zu bewahren“, sagt Werner Boote über seinen Film. Und, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, müssen Konsumenten für Produkte, die nachhaltig und fair hergestellt wurden, auch noch mehr bezahlen als für konventionell produzierte.

Dabei sollte es genau umgekehrt sein: „Die Produktion von Bioprodukten im derzeitigen Agrar- und Ernährungssystem ist deshalb teurer, weil dieses System die wahren Kosten der konventionellen Landwirtschaft nicht abbildet“, sagt Irmi Salzer, Bio-Bäurin und Abgeordnete der Grünen. „Würden diese Kosten besser abgebildet, indem es etwa Düngemittelabgaben, CO2-Steuern auf Massentierhaltung oder Pestizidabgaben gäbe, dann wären die Bio-Produkte um ein Vielfaches billiger als die konventionellen.“ Es müsse gesetzliche Rahmenbedingungen geben, die einen Anreiz bieten, nachhaltiges Unternehmertum zu fördern. Davon sind wir jedoch meilenweit entfernt.

Wenn wir wirklich etwas verändern wollen auf dieser Welt und in diesem Wirtschaftssystem, wird es daher nicht ausreichen, nachhaltige Produkte zu kaufen und vielleicht noch mit dem Finger auf diejenigen zu zeigen, die das nicht tun. Vielmehr müssen wir uns zusammentun, protestieren. Wir müssen Druck machen auf Politiker und Unternehmen und aufstehen gegen ein System, das aus reiner Geldgier unseren Planeten zerstört. Wie das aussehen könnte, erklärt der Intellektuelle Noam Chomsky im Film The Green Lie: „Jedes Thema, mit dem wir im Laufe der Menschheitsgeschichte konfrontiert waren, ob Sklaverei, Frauenrechte oder Demokratie, musste erst erkämpft werden.“

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