Die Rückkehr der Wölfe

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2016 gab es erstmals nach mehr als 100 Jahren Nachwuchs bei in Österreich lebenden Wölfen, die Zahl ist seither auf 17-20 Tiere angestiegen. Experten plädieren für einen konstruktiven Umgang mit der neuen Situation.

„Wölfe sind EU-rechtlich streng geschützt“, sagt Christian Pichler, Wolfsexperte des WWF Österreich. Schafbauern sind verunsichert, weil vereinzelt Schafe von Wölfen gerissen werden, im Jahr 2017 waren es 21 Tiere. Zum Vergleich: es gibt insgesamt 260 000 Schafe in Österreich, 7000 davon starben im selben Zeitraum durch andere Ursachen. Wölfe erlegen im Normalfall Wildtiere, nur ein Prozent ihrer Beute machen Nutztiere aus. „Wer die Betroffenen wirklich unterstützen will, fördert und finanziert Herdenschutz“, fordert Pichler. Derzeit existiert in Österreich kein ausreichend dotierter Fördertopf für Zäune, Hirten oder Herdenschutzhunde, zudem fehlt eine bundesweit einheitliche Regelung für  Präventionsmaßnahmen. Im Vergleich zur Schweiz, wo der Bund Herdenschutz seit Jahren mit etwa 2,5 Millionen Euro jährlich fördert, sind in Österreich die Förderungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. „Jahrzehntelange Erfahrungen aus der Schweiz und Deutschland zeigen, dass ein stabiler Wolfsbestand und eine sichere Weidehaltung in Einklang gebracht werden können“, weiß Pichler. Franz Puchegger, Obmann des Ökologischen Jagdverbandes, verweist auf das nötige ökologische Gleichgewicht: „Österreich hat die höchste Schalenwilddichte in Europa. Der Wolf kann mithelfen, die Verbiss-Schäden im Wald zu minimieren, indem er gemeinsam mit den Jägern dazu beiträgt, die Bestandszahlen des Wildes zu senken und so für mehr Balance in der Natur sorgt.“

Immer wieder wird in der Wolfsdebatte auch behauptet, dass der Wolf für die Menschen in Österreich zunehmend gefährlich werde, und es deshalb erleichterte Abschüsse brauche. Fakt ist: Wölfe sind Raubtiere, weichen aber Menschen grundsätzlich aus. Dass es dort, wo Wölfe regelmäßig leben, früher oder später zu Beobachtungen kommt, ist ungefährlich, solange man sie nicht absichtlich provoziert oder durch Fütterung an Menschen gewöhnt. In Deutschland hat sich in 20 Jahren Wolfspräsenz kein einziger Zwischenfall mit Menschen ereignet.

Gemeinsam mit Praktikern aus Herdenschutz und Jagd erarbeitete der WWF ein fünf Punkte umfassendes Aktionsprogramm:

Wölfin im Wildpark Ernstbrunn ©Susanne Wolf

1. Herdenschutz finanzieren und ausbauen:
Die Bedenken von Nutztierhaltern müssen ernst genommen werden. Herdenschutz muss fachgerecht ausgeführt und an die jeweilige regionale Situation angepasst werden, um zu funktionieren. Es braucht eine bessere finanzielle und technogische Unterstützung von Tierhaltern, klare Regelungen und Ansprechpartner.

2. Entschädigungstopf einrichten: rasch, unbürokratisch und ausreichend helfen: Bei Tierverlusten, die trotz sachgerechtem Herdenschutz auftreten und eindeutig auf den Wolf zurückzuführen sind, müssen die Betroffenen rasch, unkompliziert und ausreichend entschädigt werden.

3. Monitoring und Forschung verstärken:
Die Basis für alle notwendigen Vorsorgemaßnahmen bildet das Wissen über den Wolf.  Daher muss die kontinuierliche Datenerhebung und wissenschaftliche Dokumentation der Wolfsvorkommen intensiviert werden. Um ein flächendeckendes Bild zu erhalten, muss die Erhebung und Aufbereitung der Daten österreichweit einheitlich erfolgen, ausreichend finanziert, sowie technologisch auf dem neuesten Stand sein.

4. Seriös informieren, Panikmache einstellen:
Zu einer offenen und ehrlichen Kommunikation und Aufklärung gehört sachliche Information über aktuelle Nachweise von Wölfen in Österreich und über ihr Verhalten ebenso wie die tatkräftige Unterstützung der Betroffenen bei der Schadensvorbeugung.

5. Bundesländerübergreifend besser zusammenarbeiten:
Wölfe halten sich bei ihren Wanderungen naturgemäß nicht an Landesgrenzen. Daher muss die Abstimmungsarbeit zwischen den Bundesländern und auch mit den Nachbarstaaten, die bereits jahrzehntelange Erfahrung mit dem Thema Wolf haben, deutlich verstärkt werden. Dafür muss sich auch der Bund bzw. die zuständige Umweltministerin Elisabeth Köstinger einsetzen. Die in ihrem Ressort angesiedelte Koordinierungsstelle für Bär, Luchs und Wolf (KOST) sollte strukturell gestärkt und mit mehr Kompetenzen und Ressourcen ausgestattet werden.

Der WWF bietet Patenschaften zum Schutz der Wölfe an.

 

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