Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument.

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

New York – Stadt der Widersprüche

 „I like your scarf“ sagt ein Mann zu mir, der im Café am Nebentisch sitzt – und unterhält sich gleich darauf mit seinen Freunden weiter. Das ist typisch für diese Stadt – die Menschen sind aufgeschlossen und freundlich und sparen nicht mit Komplimenten. Auch meine Gastgeberin Carola passt gut hierher: sie ist gebürtige Hannoverin, die irgendwann beschlossen hat, in New York zu bleiben. Obwohl sie eigentlich nur jemanden bräuchte, der sich um ihren Kater kümmert, während sie übers Wochenende weg ist, bietet sie mir an, auch die zwei darauffolgenden Nächte bei ihr zu wohnen. Sie lebt in Harlem, das lange Zeit als gefährliches Pflaster galt. Doch heute ist es hier, wie fast überall in New York, sicher und ich fühle mich sofort wohl in der „Neighbourhood“.

Dass die New Yorker auch viel Wert auf ihre Regeln legen, wird mir erst jetzt, nach mehreren Besuchen der Stadt bewusst. Besonders auf meiner Fahrradtour entlang des Houston Rivers: IMG_8464„Go slow, respect others“, „Tidy up behind your dog“ „No smoking within the park“ – alle paar Meter ein anderes Schild.

Im Central Park lasse ich mich mit meinem Fahrrad langsam einen Fußweg hinunterrollen – und werde sofort von einem älteren Mann darauf hingewiesen, dass das nicht erlaubt sei, alles andere als freundlich! Radfahren kann man hier eigentlich nur auf der Hauptstraße, die einmal rund um den Park führt, und das – aufgepasst – nur gegen den Uhrzeigersinn! („Cyclists must always travel counter-clockwise around the Park“) Das passt so gar nicht zu dem Bild, das ich bisher von dieser Stadt hatte: Fußgänger, die bei Rot über die Kreuzung gehen und Autofahrer, die sich hupend einen Weg kreuz und quer durch das Verkehrschaos bahnen. IMG_8480

Wie um zu beweisen , dass es auch anders geht, begegnen mir gleich darauf ein paar Skater, die sich trotzig den Broadway erobern – und ungerührt das wütende Hupen der Autos über sich ergehen lassen.

Da ich diesmal mit Argusaugen durch die Stadt gehe, fallen mir noch ein paar andere Dinge auf: die vielen Citibike-Stationen in Downtown Manhattan und Radwege auf den großen Avenues. Ein Teil des Times Squares wurde zur Fußgängerzone umfunktioniert, und auch auf Mülltrennung wird jetzt Wert gelegt. Auf der anderen Seite gibt es immer noch viel zu viel Plastik – in Form von Verpackungen, Einkaufssackerl und Take away-Food und -Drinks. Überall sind Menschen mit Plastikbechern in der Hand zu sehen.

Tatsache ist jedoch, dass die Zahl der Grünflächen in der Stadt wächst. Der ambitionierte Umweltplan plaNYC des ehemaligen Bürgermeisters Michael Bloomberg sieht unter anderem vor, dass jeder New Yorker in zehn Minuten Fußweg einen Park erreichen soll, 865.000 Bäume wurden in den letzten Jahren gepflanzt. IMG_8454

Die High Line ist eines dieser ehrgeizigen Projekte: eine stillgelegte Hochbahntrasse, die zu einem Park umfunktioniert wurde und sich über eine Strecke von 2,5 km durch die Stadt schlängelt. Hier lässt es sich gut Verschnaufen vom Trubel der Stadt.

Vom Älter werden

Je älter ich werde, desto mehr finde ich zu mir – und das fühlt sich gut an. Denn das war nicht immer so: früher konnte ich mich selbst nicht leiden, trieb ziellos durchs Leben, war egoistisch und verantwortungslos und wechselte Jobs ebenso häufig wie die Männer an meiner Seite. Bis ich Mutter wurde und mein Leben sich schlagartig änderte. Nun war ich für einen kleinen Menschen verantwortlich und konnte nicht mehr davonlaufen – eine Tatsache, die ich anfangs gewöhnungsbedürftig fand. Es dauerte eine Weile, bis ich mich mit meiner neuen Rolle anfreundete und sich meine Prioritäten änderten. Weitere Jahre sollten vergehen, bis ich – nun Mutter zweier Kinder – endlich meine Berufung fand: das Schreiben. Oder anders gesagt: es dauerte, bis ich mir zutraute, mich dieser meiner Leidenschaft mit Haut und Haaren zu widmen.

Nun befinde ich mich in der Mitte meines Lebens – man könnte auch sagen, in den besten Jahren! Und bin glücklich wie nie zuvor. Ich sitze in einem Flieger nach New York, einer meiner Lieblingsstädte, um Berufliches mit Privatem zu verbinden: Ich werde über den Umweltplan der Stadt berichten und anschießend meine Schwester auf Long Island besuchen. Und in diesem Moment wird es mir wieder bewusst: je älter ich werde, umso besser wird mein Leben! Ich habe zwei wundervolle Kinder, einen Mann an meiner Seite, der seit nunmehr 11 Jahren zu mir steht, mit allen Höhen und Tiefen, und ich liebe meine Arbeit. Und das Wichtigste: ich habe gelernt, mich selbst zu lieben, mir zu vertrauen und auf meine innere Stimme zu hören. Was auch bedeutet, hin zu spüren, was mir gut tut und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Als selbständige Journalistin ist das nicht immer leicht – mal ist mehr zu tun, mal weniger. Oft habe ich so viel Arbeit, dass ich kaum zum Verschnaufen komme und in solchen Zeiten fällt es mir schwer, zur Ruhe zu finden. Doch auch das gelingt mir immer besser: sobald ich merke, dass ich mich zu sehr anspanne, lege ich eine Pause ein, gehe eine Runde laufen oder lege meine Lieblingsmusik auf, um zu tanzen. Wenn ich merke, dass ich einen ganzen Tag Pause brauche, gönne ich mir auch den – in der Gewissheit, am nächsten Tag mit neuen Energien weiter arbeiten zu können. Denn das ist ja das Schöne an der Selbständigkeit und am Arbeiten von zuhause aus: ich kann mir meine Arbeit selbst einteilen und habe alle Freiheiten. Und die Freiheit, über mein Leben und meine Zeit selbst bestimmen zu können, ist mir das Allerwichtigste: Zeit für meine Kinder zu haben, für meinen Mann und nicht zuletzt für mich selbst.

Je bewusster ich lebe, desto mehr kann ich mich an Kleinigkeiten freuen: über eine Möwe, die mich ein Stück entlang meiner Laufstrecke an der Donau begleitet. Über ein paar Sonnenstrahlen an einem sonst wolkigen Tag. Wenn mein Sohn, der nun erwachsen wird, uns ein paar Minuten seiner Zeit schenkt. Oder der Moment, wenn meine Tochter sich vor dem Einschlafen an mich kuschelt und ihre Finger mit meinen verschränkt. Das sind Augenblicke, die so kostbar sind, dass ich sie in einem reich verzierten Schatzkästchen aufbewahren möchte – und solche Momente bewusst wahrzunehmen, tragen zum großen Glück in meinem Leben bei.

Es gibt natürlich auch die nicht so schönen Momente: Streitereien, Unpässlichkeiten, Tage an denen ich mich hilflos fühle angesichts der Schreckensmeldungen aus aller Welt. Doch auch solche Phasen gefühlter Unzulänglichkeit werden weniger. Zurück bleibt eine positive Grundstimmung und die Gewissheit, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

 

Anders reisen

Die Welttourismusorganisation zählte 2012 erstmals mehr als eine Milliarde Auslandsreisen, davon ein Großteil Flugreisen. Das hat Folgen: Schätzungen zufolge ist der Tourismus bereits für ca. 12 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch ein Umdenken findet statt: immer mehr Menschen wünschen sich einen ökologisch vertretbaren Urlaub mit Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung sowie faire Arbeitsbedingungen in den Urlaubsländern. Da auch ich zu den Menschen gehöre, die leidenschaftlich gerne unterwegs sind, habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Und mir folgende Fragen gestellt: Muss ich für ein Wochenende nach London oder Paris jetten? Will ich in ein fremdes Land fahren, um dort in einem Club oder Hotel, abgeschottet von Kultur und Menschen des Landes, meinen Urlaub zu verbringen? Ist es notwendig, im Winter für zwei Wochen ans andere Ende der Welt zu fliegen, oder wäre es eine Option, darüber nach zu denken, mein ganzes Leben, oder zumindest einige Monate im Jahr, in einem wärmeren Land zu verbringen? Oder: Kann ich mein Leben und meine Arbeit so organisieren, dass ich mehr Zeit zum Reisen habe? mostar5 Denn für mich gehört zum Reisen nicht nur Enspannung und eine Auszeit vom Alltag, sondern auch das Eintauchen in fremde Kulturen und Bekannschaften mit Einheimischen. Daher bin ich ein großer Fan von Couchsurfing, dieser weltweiten Bewegung, deren Mitglieder Gästen aus anderen Ländern eine Schlafstatt anbietet. Dazu gehört auch – wenn möglich – eine möglichst langsame Anreise per Bahn oder Bus. Das hat mehrere Vorteile: die Seele kommt gleich mit an, den Weg zum Ziel nehme ich bewusst wahr und ich spare – im Vergleich zum fliegen – eine Menge CO2 ein. Viele nennen als Haupteinwand gegen langsames Reisen den Mangel an Zeit. Aber mal ehrlich: was spricht dagegen, abends in einen Nachtzug einzusteigen und am nächsten Morgen in einer anderen Stadt anzukommen? (wir reden hier von Distanzen innerhalb Europas) Dass Fliegen billiger ist als mit der Bahn zu fahren, stimmt nur bedingt. Und was den Bequemlichkeitsfaktor angeht: wir sind es gewöhnt, immer den bequemsten Weg zu gehen, kennen von unserer Wohlstandsgesellschaft nichts Anderes. IMG_7337Die Umstände, die die wachsende Umweltverschmutzung und der Klimawandel mit sich bringen, zwingen uns jedoch dazu, unsere Gewohnheiten zu überdenken.

Das Gegenteil von nachhaltigem Reisen ist übrigens ein Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff: diese Schiffe fahren meist mit Schweröl, einem Abfallprodukt der Ölindustrie. Ein herkömmlich betriebenes Kreuzfahrtschiff bläst auf einer einzigen Fahrt so viel Schadstoffe in die Luft wie fünf Millionen Autos auf derselben Strecke, wie der Naturschutzbund Deutschland errechnete. Dazu kommt, dass tausende Kreuzfahrttouristen die von den Schiffen angelaufenen Städte regelrecht überschwemmen. Das wird für Einheimische und andere Touristen zunehmend zum Ärgernis, wie Gegenkampagnen in Venedig oder Dubrovnik beweisen. Anders Reisen bedeutet für mich also: sich Zeit nehmen, umweltfreundlich reisen und Respekt für Land und Leute zeigen. Beispiele für nachhaltigen Tourismus und Gütesiegel findet ihr in meinem Buch „Nachhaltig Leben“.

Süßes aus Kinderhand (Konsument, September 2014)

Jahrzehntelang wurde in der Kakaoproduktion Raubbau an Mensch und Natur betrieben – jetzt droht ein Versorgungsengpass. Doch die steigenden Preise kommen nicht den Kakaobauern zugute.

Seit den 1980er Jahren sind die Kakaopreise real um die Hälfte gefallen, was dazu führte, dass Kakaobauern die Produktion einschränken mussten und veraltete Bestände von Bäumen nicht ersetzen konnten. Nun steigt die weltweite Nachfrage nach Schokolade. Um Engpässe zu verhindern, müsste der weltweite Ertrag um ca. 100.000 Tonnen pro Jahr angehoben werden, wie eine Erhebung des weltweit größten Kakaoverarbeiters Barry Callebaut aus der Schweiz ergab. Derzeit gibt es jedoch kaum Potential zur Steigerung, sondern die Lager werden leergeräumt, um die aktuelle Nachfrage zu bedienen. Durch die hohe Nachfrage kam es bereits letztes Jahr zu einer fast 20-prozentigen Preissteigerung – von der die Kakaobauern in keiner Weise profitieren. Sie erhalten aktuell 6% des Verkaufspreises einer Tafel Schokolade, 1980 waren es noch 16%. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Kakao- und Schokoladenunternehmen am Verkaufspreis von 56% auf 70% und der des Einzelhandels von 12% auf 17%.

Während Mondelez (vormals Kraft Foods), Produzent von Topmarken wie Milka, sich über fast 1 Milliarde Euro Gewinn freut, hat der seit Jahren tobende Preiskampf dazu geführt, dass Millionen von Kakaobauern und ihre Familien unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen. „Viele Jahrzehnte war es für Industriestaaten und multinationale Konzerne ganz einfach, Menschen aus dem Süden auszubeuten“, kritisiert Gerhard Riess von der PRO-GE und Mitglied des europäischen Gewerkschaftsnetzwerkes cocoanet.eu. „Heute sind die Kakaofelder von der intensiven Bewirtschaftung ausgepowert. Sinkende Erträge, Perspektivlosigkeit und Landflucht führen dazu, dass der steigende Bedarf der Industrie an Kakaobohnen bald nicht mehr gedeckt werden kann.“ Auf die zu erwartenden Lieferengpässe reagiert die Industrie nun, indem sie millionenschwere Förderprogramme zur Steigerung der Produktivität der Kakaoplantagen ins Leben ruft. „Kurzfristige Produktionssteigerungen durch einen verstärkten Einsatz von Düngemitteln und andere Chemikalien gefährden die Gesundheit der Produzenten und sind eine Mogelpackung, weil sie im Gegensatz zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ökologischen Kakaoanbau nicht nachhaltig sind – im Gegenteil“, kritisiert Bernhard Zeilinger, Leiter der Südwind-Kampagne „Make Chocolate Fair!“ Mehr lesen.

Schule für Alle (Wienerin mit Kind, September 2014)

In Entwicklungsländern werden Kinder mit Behinderung oft ausgegrenzt. Wie es auch anders geht, durften wir bei einem Besuch in Burkina Faso erleben. Fotos von Aleksandra Pawloff.

Emanuel sitzt auf einer Decke am Boden und blickt spitzbübisch in die Runde. „Seht her, was ich kann!“, scheint sein Blick zu sagen. Dass der Fünfjährige, der zart und zerbrechlich wirkt, überhaupt sitzen kann, grenzt an ein Wunder: Er war bei seiner Geburt gelähmt, die – unverheiratete – Mutter hatte ihn gleich nach der Niederkunft im Busch zurückgelassen. Seitdem plagen den Jungen aufgrund der Unterversorgung bei der Geburt Spasmen, die seine Hände verkrampfen. Doch Emanuel hatte Glück im Unglück: er wurde nach 24 Stunden von Frauen aus dem nahen Dorf entdeckt und zu Noelie Oubda gebracht, die selbst keine Kinder bekommen kann und sich des Babys annahm. Heute wird die Familie von einer mobilen Sozialarbeiterin mit physiotherapeutischer Ausbildung aus dem nahen Rehabilitationszentrum betreut: Hélène kommt zweimal die Woche, um die Fortschritte des Kleinen zu überprüfen und physiotherapeutische Übungen mit der Pflegemutter durchzugehen. Emanuel

Denn Emanuel hat ein Ziel: eines Tages zur Schule gehen zu können! Während Hélène und Noelie sich um den Kleinen kümmern, schauen die restlichen Familienmitglieder aus sicherer Entfernung zu. Sie alle leben in einem der typischen Gehöfte, die aus kleinen, strohbedeckten Lehmhütten bestehen und durch Mauern nach außen hin geschützt sind. Wir befinden uns in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, und es herrscht Trockenzeit. Das bedeutet sengende Hitze und vor allem Staub, der durch jede Ritze dringt, Augen tränen und Nasen austrocknen lässt. Lange Autofahrten über staubige Landstraßen führen durch die terracotta-farbene Savanne, vorbei an Affenbrotbäumen und abgelegenen Dörfern.

Schulkinder

Behinderung erklären Das Community Based Rehabilitation Center (CBR) in Garango ist eines von acht Gemeindenahen Rehabilitationsprogrammen in Burkina Faso, die von Licht für die Welt ermöglicht werden. Unter dem Schatten der Bäume forumuliert René Nare, Direktor des Zentrums, seine Anliegen: die Menschen in den umliegenden Dörfern über Behinderung aufzuklären und Betroffene zu unterstützen. „Wir schicken Gesundheitshelfer in die Dörfer, um die Menschen davon zu überzeugen, behinderte Kinder in die Schule zu schicken“, erklärt Nare. „Im Rehabilitationszentrum bieten wir zudem Beratung und Behandlungen an.“ In einem der Räume übt Barri Binto, ein behindertes Mädchen, an den Händen eines Betreuers zu gehen. Die Fünfjährige konnte bis vor kurzem nur liegen und macht täglich Fortschritte. In regelmäßigen Therapiestunden werden Kinder wie Barri auf ein selbständiges Leben und einen Schulbesuch vorbereitet. Auch Augenoperationen werden im Center durchgeführt; jeden Montag behandelt Schwester Thérèse bis zu 150 Patienten, die am Grauen Star erkrankt sind. Die gelernte Krankenschwester machte eine Zusatzausbildung in Augenheilkunde, um ihrer Berufung nachzugehen: Menschen zu helfen. 85 % aller blinden Menschen weltweit leben in Armutsgebieten, knapp die Hälfte wäre durch eine Operation am Grauen Star heilbar.

Schätzungen zufolge sind rund 14 Prozent aller Menschen in Burkina Faso von einer Behinderung betroffen – rund die Hälfte der Behinderungen wäre vermeidbar oder könnte behandelt werden. Vor allem bei Kindern ist Behinderung ein Stigma und wird oft mit einem Fluch oder einer Selbstverschuldung der Mutter erklärt. Dementsprechend schwach ist die Stellung dieser Menschen und ihre Integration in die Gesellschaft. Licht für die Welt setzt sich seit 25 Jahren für die Chancen und Rechte behinderter Menschen in Entwicklungsländern ein.

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Mehr Macht dem europäischen Volk (Format, 8. August 2014)

Die Politikverdrossenheit wächst, Initiativen wollen aus passiven Bürgern aktive Gestalter der Demokratie machen. Wie kann das funktionieren?

Selten war der Volkszorn der Österreicher so groß wie nach dem Bekanntwerden des Hypo-Skandals. Neben der Bürgerinitiative des „Wutbürgers“ Düringer forderten drei weitere Petitionen eine Aufklärung der Geschehnisse rund um die Hypo Alpe Adria – insgesamt wiesen diese rund 250.000 Unterschriften auf. Mithilfe von parlamentarischen Bürgerinitiativen können österreichische Staatsbürger konkrete Anliegen, die von mindestens 500 wahlberechtigten Staatsbürgern unterstützt wurden, einbringen. Auch EU-weit ist dies möglich: Im Dezember 2013 wurde „Right2Water“ als offiziell erste erfolgreiche EU-Bürgerinitiative bekannt gegeben. Es gab 1,88 Millionen Unterstützungserklärungen aus 16 Ländern für die Initiative, deren Forderung es ist, Wasser als Menschenrecht anzuerkennen.

Aktive Rolle Seit dem 1. April 2012 haben EU-Bürger die Möglichkeit, ein Thema auf die europäische politische Agenda zu setzen. Dazu müssen eine Million Unterschriften aus mindestens sieben unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten gesammelt werden. Die Europäische Kommission will erreichen, dass die Bürger eine aktivere Rolle in den politischen Prozessen übernehmen. Auch hierzulande kämpfen zahlreiche Initiativen für mehr Bürgerbeteiligung: So wurde die Aktion 21 als Vereinigung von Wiener Bürgerinitiativen mit dem Ziel gegründet, die Bevölkerung in kommunalen Planungen und Vorhaben mit einzubeziehen. Das Forum Informationsfreiheit setzt sich mit seiner Kampagne Transparenzgesetz.at für eine Veröffentlichungspflicht für Behörden und für das Recht auf Einsicht in die Akten der Verwaltung ein. “Die publik gewordenen Korruptionsskandale der letzten Jahre waren großteils nur deshalb möglich, weil die Handlungen der Verwaltung der Kontrolle der Öffentlichkeit entzogen waren”, meint Josef Barth, Gründer des FOI.

Wie der Dialog zwischen etablierten und neuen Stimmen in der politischen Arena verbessert werden kann, darum geht es auch beim diesjährigen Forum Alpbach.Als Stiftung geht es uns darum, Bürger aufzuwecken, zusammenzubringen und zur Aktion im demokratischen System zu befähigen“, erklärt Verena Ringler von der deutschen Stiftung Mercator und Mitglied im Beirat des politischen Symposiums des Forum Alpbach. „Bürger haben Rechte und Pflichten und im Idealfall eine gleichwertige Stimme wie ihre gewählten Volksvertreter.“

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Dem Hamsterrad davonlaufen (Freude, August 2014)

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“ Julia Engelmann sagt in einem YouTube-Video, das die Studentin und Schauspielerin beim Poetry Slam in Bielefeld zeigt, frei heraus, was sich andere oft nur denken. Das Video wurde beinahe 6 Millionen Mal aufgerufen. Die 21-Jährige traf damit einen Nerv unserer Zeit, sie bringt das Lebensgefühl vieler Menschen auf den Punkt. Denn wer kennt es nicht? Das Gefühl, ein fremdbestimmtes Leben zu führen und permanent unter Druck zu stehen. Verschnaufpausen und Rückzugsmöglichkeiten haben kaum Platz, wenn das Leben lediglich aus durchorganisiertem Alltag besteht. Der Stress ist zum Teil hausgemacht: Zu hohe Ansprüche an sich selbst, das Gefühl, funktionieren und es allen recht machen zu müssen, erzeugen Druck. Wenn dann noch das Bedürfnis dazukommt, gewisse Dinge besitzen zu müssen, um zufrieden zu sein – oder im Vergleich mit anderen bestehen zu können –, verstrickt man sich in einen Teufelskreis aus immer mehr Arbeit und immer weniger Genuss. Irgendwann fühlen Betroffene sich wie ein Rädchen im Getriebe, die wirklich wichtigen Wünsche und Träume werden hintangestellt.

Ich würde gern so vieles tun. Meine Liste ist so lang, aber ich werd eh nie alles schaffen. Also fang ich gar nicht an. Wer im Alltagstrott feststeckt, glaubt irgendwann nicht mehr daran, etwas in seinem Leben oder im eigenen Umfeld ändern zu können. Job, Familie und andere Pflichten lassen oft wenig Raum für eigene Wünsche. Aus Angst vor Jobverlust oder dem mangelnden Verständnis von Familie und Freunden halten Viele an einem Leben fest, das ihnen nicht entspricht. Doch es zahlt sich aus, verborgene Sehnsüchte ans Tageslicht zu holen und sich wenn möglich eine Auszeit zu nehmen: ein Urlaub ohne Handy und Notebook oder längere Pausen wie Bildungskarenz oder Sabbatical können erste Anstöße für einen Perspektivenwechsel sein. Aber auch kleine Veränderungen helfen dabei, aus dem immer gleichen Alltag auszubrechen: hin und wieder das Auto stehen lassen, um zur Arbeit zu radeln oder zu Fuß zu gehen – und dabei die Umgebung ganz neu entdecken. Am Abend den Fernseher oder Computer ausgeschaltet lassen, um lieber einer Beschäftigung nachzugehen, die die Seele streichelt: tanzen gehen, sich mit lieben Freunden treffen, Tagebuch schreiben – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. „Jeder muss für sich selbst herausfinden, was gut tut, wie man Energie tanken kann“, erklärt die Psychologin und Psychotherapeutin Anneliese Fuchs, Herausgeberin des Buches „Der Ausbruch aus dem Hamsterrad“. „Das kann ein Spaziergang in der Natur sein, eine Meditation oder ein Saunabesuch.“ Fuchs stellt fest, dass viele Menschen aus Angst, den Job oder Freunde zu verlieren, ein Leben führen, das ihnen nicht entspricht. „In meinen Vorträgen rate ich, mit dem Jammern aufzuhören und statt dessen aufzustehen und etwas zu tun. Jede Art von Erfahrung, auch negative, bringt uns weiter – wir müssen wieder lernen, Fehler zu machen und auch mal Nein zu sagen!“ ist die Psychologin überzeugt.

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