Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument, oder auch bei mir persönlich erhältlich (siehe Kontaktdaten).

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Pelzhandel – Ein blutiges Geschäft (Konsument 12/15)

100 Millionen Tiere werden jährlich für Pelze getötet, 85 Prozent davon auf Pelzfarmen. Trotz Verboten und guter Vorsätze bleibt der Pelzhandel ein blutiges Geschäft.

Ob Nerzstola oder Pelzmantel: Tiere, deren Fell zu Kleidungsstücken verarbeitet werden, werden weltweit unter tierquälerischen Bedingungen gehalten und getötet. Die meisten Pelztiere sind gar nicht oder völlig unzureichend geschützt. Der Europarat hat 1999 zwar eine Empfehlung für Pelztiere in Farmen verabschiedet, aus der Sicht des Tierschutzes ist sie allerdings völlig ungenügend.

Die Käfighaltung auf engstem Raum bleibt weiterhin zulässig, etwa bei Nerzen. Weltweit werden jährlich rund 27 Millionen Nerze für Pelze getötet. Sie werden in Pelzfarmen in 30 x 90 cm großen Käfigen gehalten, oft drei bis fünf Tiere pro Käfig, und warten dort von ihrer Geburt im Mai bis zum November auf ihren Tod. Drahtgitterböden, die den Tieren die Pfoten zerschneiden, werden in solchen Farmen toleriert, ebenso fehlende Kletter- oder Bademöglichkeiten für Pelztiere. Auch Füchse, Chinchillas und Hasen werden in Käfigen gehalten. Bei den von Natur aus wildlebenden Tieren wird auf diese Weise die Bewegungsfreiheit und das natürliche Jagdverhalten unterbunden. Ein weiteres grausames Detail der Pelztierhaltung: Da bei der Tötung der Tiere das Fell erhalten bleiben muss, erfolgt sie durch Vergasung, Brechen des Genicks oder Stromschlag. In vielen EU-Staaten existieren abgesehen von der Verordnung von 1999 keine weiteren Vorschriften für Pelzfarmen. Laut dem Verein Vier Pfoten stammen 85 Prozent der weltweit gehandelten Pelze aus Pelzfarmen.

Aber auch der Wildtierfang ist alles andere als tierfreundlich. In Alaska, Kanada und Russland werden Millionen von Füchsen, Wölfen oder Waschbären in Fangeisen aus Metall, sogenannten Tellereisen bzw. Abzugeisen, gefangen. Die verletzten Tiere werden oft erst nach Tagen von den Fallenstellern „eingesammelt“ und erschlagen, da das Fell erhalten bleiben muss. Auch andere Tiere wie Rehe, Hirsche oder Katzen tappen in Fallen, die nicht für sie bestimmt sind – sie gelten für die Pelzindustrie als „Abfall“. Pelze aus Fallenfang gelangen über den internationalen Handel auch nach Österreich.

Keine Pelzfarmen in Österreich In Österreich sind Pelzfarmen gemäß Bundestierschutzgesetz seit 2005 verboten, jedoch nicht der Handel mit Pelzen aus Pelzfarmen oder Fallenfang. Die heimischen Kürschner halten sich bei der Herstellung von Pelzen an gewisse Mindeststandards: „Wir verwenden Tierfelle von Tieren, die ohnehin getötet werden“, versichert Philipp Sladky, Innungsmeister der niederösterreichischen Kürschner. Das heißt, es handelt sich einerseits um Tiere, deren Fleisch verwertet wird, etwa Lamm- oder Kalbfelle aus europäischen Ländern oder Swakara-Schafe aus Namibia; aber es handelt sich auch um Tiere, die zur gewerblichen Jagd bestimmt sind – darunter Füchse und Marder aus heimischer Jagd. Sladky selbst importiert auch Nerze, beispielsweise aus dänischen Pelzfarmen. „Es gibt bei der Haltung große Unterschiede, in Dänemark wird Wert auf tiergerechte Haltung gelegt.“ Die Nerze würden zwar in Käfigen gehalten, aber die Qualität des Felles sage viel über die Haltung aus. „Die in einer Pelzfarm herrschenden Haltungsstandards können den Ansprüchen der Tiere nicht gerecht werden und daher niemals tierschutzkonform sein“, kontert Veronika Weissenböck von den Vier Pfoten. In Ländern, die höhere Standards für die Haltung von Pelztieren eingeführt haben, habe dies letztlich zur Aufgabe der Pelzfarmen geführt, da das Geschäft durch die Vorgabe höherer Standards unrentabel wurde. Kürschnermeister Sladky verweist wiederum auf weitere positive Seiten: Die österreichischen Kürschner haben sich eine Kennzeichnungspflicht für Herkunft und Material der Pelze auferlegt, zudem haben die Wiener Meisterkürschner in einer Charta festgeschrieben, auf importierte Katzen- und Hundefelle zu verzichten.

Den ganzen Artikel gibt es hier zu lesen (kostenpflichtig).

Es war ein gutes Jahr

..und ein herausforderndes. 2015 begann für mich mit der Entscheidung, kein Fleisch mehr zu essen, was meinem Körper aufgrund der Ernährungsumstellung einiges abverlangte. Der Start meines Mannes in die Selbständigkeit als Shiatsu-Praktiker bedeutete, mich nicht mehr auf ein sicheres Einkommen in der Familie verlassen zu können. Zeitgleich begann ich mit der Arbeit an meinem zweiten Ratgeber (“Nachhaltig Leben mit Kindern”). Dann kamen die Flüchtlinge und der Wunsch zu helfen; ich entschloss mich, einen jungen Syrer in Form einer Patenschaft bei connecting people unter meine Fittiche zu nehmen. Der erste Höhepunkt meines Jahres war die Erfüllung eines langgehegten Wunsches: nach einer Pressereise zu Fairtrade-Kaffeebauern in Honduras machte ich auf eigene Faust einen Abstecher an die Karibikküste.

Im Herbst folgte dann ein weiteres Highlight des Jahres: die Einladung zu den TEDx Talks nach Linz, wo ich über lösungsorientierten Journalismus referieren durfte – mein erster Auftritt auf einer Rednerbühne. Obwohl ich mein Leben lang geglaubt hatte, dass ich viel zu schüchtern für einen öffentlichen Auftritt sei, zog es mich doch aus unerfindlichen Gründen genau dorthin. Das feedback meiner Sprechtrainerin, die meinte, es handele sich um ein Talent, das ich weiter ausbauen solle, bestärkte mich dann auch, diesen Weg weiter zu verfolgen. Kurz bevor ich mir einen weiteren großen Wunsch erfüllen konnte – die Teilnahme an der Klimakonferenz in Paris, für die ich bereits akkreditiert war – streikte mein Körper und zwang mich zur Ruhe. Kurz überlegte ich, mich trotz Halsentzündung in den Zug nach Paris zu setzen, doch die Vernunft war stärker als die Enttäuschung.

Da ich kein Mensch bin, der lange hadert, konnte ich meiner Krankheit schon bald etwas Positives abgewinnen: ich genoss die Ruhe, schrieb in mein Tagebuch und las viel. Vor allem machte die erzwungene Bettruhe mir bewusst, dass ich es in dem unbändigen Drang, all meine Träume und Wünsche umzusetzen, übertrieben hatte. Mein halbes Leben war ich auf der Suche nach meiner Berufung, nach einem Sinn in meinem Leben – und jetzt, da ich das Gefühl habe, endlich durchzustarten, könnte ich Bäume ausreißen. Jahrelang habe ich in einem Kokon verbracht, aus dem ich mich jetzt befreie, und das fühlt sich zu gut an, um noch mehr Zeit zu verschwenden. Bei all dem Tatendrang fällt es mir mitunter jedoch schwer, auf die Signale meines Körpers zu achten. Zwar habe ich gelernt – nicht zuletzt mithilfe meines Mannes – in mich hinein zu spüren und auf mich zu achten, betreibe regelmäßig Sport und ernähre mich halbwegs vernünftig. Doch gibt es immer wieder Zeiten, in denen die Tretmühlen des Alltags alle guten Vorsätze vergessen lassen. Und dann sind da natürlich noch meine Kinder, die meine Aufmerksamkeit brauchen und für die da zu sein mein größtes Anliegen ist.

Daher lautet ein Vorsatz für das Neue Jahr, wieder mehr zur Ruhe zu kommen und mir regelmäßige Auszeiten zu nehmen – was als Selbständige und Mutter nicht immer leicht ist. Ich möchte öfters meiner Sehnsucht nach Natur nachgeben, und wenn es nur in Form eines kurzen Spazierganges im Prater ist. Gerade im letzten Jahr habe ich gespürt, wie wichtig auch ein längerer Urlaub wäre, um wieder zu Kräften zu kommen und Energien zu tanken. Und, wie könnte es anders sein, schmiede ich schon wieder Pläne: ich möchte endlich meinen größten Herzenswunsch erfüllen und ein ganz persönliches Buch schreiben. Denn die Gewissheit, all das erreichen zu können, was mir wirklich am Herzen liegt, verleiht mir immer wieder aufs Neue ungeahnte Kräfte.

Optimismus vor dem Klimagipfel

In wenigen Tagen beginnt die 21. UN-Klimakonferenz (COP21) in Paris, bei der ein neuer Klimavertrag ausverhandelt werden soll. Einige Entwicklungen machen Hoffnung auf einen Durchbruch bei den seit Jahren stagnierenden Verhandlungen:

1. China und USA, die weltweit größten Verursacher von Treibhausgasen, haben erstmals konkrete Klimaschutzziele bekannt gegeben.

2. Beide Länder kündigten eine Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien an.

3. US-Präsident Barack Obama legte den Clean Power Plan vor: Er soll den Kohlendioxidausstoß von Kraftwerken in den USA um rund ein Drittel senken.

4. Die EU hat eine CO2-Einsparung von mindestens 40 Prozent bis 2030 beschlossen.

5. 147 von 194 teilnehmenden Staaten haben bereits Klimapläne (INDC) eingereicht.

6. Der Vertragsentwurf für Paris sieht eine fünfjährige Verpflichtungsperiode vor, das bedeutet, dass bei CO2-Emissionen alle fünf Jahre nachgebessert werden kann.

7. Der aktuelle World Energy Outlook der International Energy Agency (IEA) besagt, dass Erneuerbare Energien 2014 fast die Hälfte der gesamten neu errichteten Kapazität zur Stromerzeugung ausmachten.

8. Am 29. November, einen Tag vor Beginn der Klimakonferenz, gehen beim Climate March weltweit Menschen für den Klimaschutz auf die Straße.

9. Die Divestment-Bewegung, deren Ziel der Abzug von Vermögen und Kapitalanlagen aus der fossilen Energiegewinnung ist, hat im Vorfeld der Pariser Klimakonferenz ihre Akitivitäten verstärkt.

10. Selbst der Papst setzt sich für den Klimaschutz ein.

Kaffeekapseln – What else? (Konsument)

Seit Jahren wirbt Hollywoodstar George Clooney für Kaffeekapseln mit der Minimalinformation “Nespresso – what else?“. Erfolg kann man der Kampagne nicht absprechen: In Deutschland stieg der Absatz 2013 im Vergleich zum Vorjahr um satte 27,5 Prozent an – in Österreich werden die Zahlen ähnlich sein. Was in den stylishen Werbungen leider nicht zur Sprache kommt, ist der immense Müllberg, den Kaffeekapsel-Nutzer verursachen.

2013: 8 Milliarden Kaffeekapseln Schätzungsweise acht Milliarden Kaffeekapseln waren es im Jahr 2013, allein in Österreich mindestens 200 Millionen. Durchschnittlich 1,5 Gramm wiegt eine leere Kapsel, und das für eine Füllmenge von oft nur 5 Gramm; dazu kommt noch der Verpackungsmüll. Auf dieses eklatante Missverhältnis macht auch Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe aufmerksam. Besonders absurd sei es, wenn neben der Kaffeekapsel auch noch eine Milchkapsel zur Zubereitung benötigt werde. Verpackungen sollten laut Fischer grundsätzlich so gestaltet sein, dass die Verpackungsmenge in einem optimalen Verhältnis zum Füllgut steht.

Alu in Hülle und Fülle Nespresso-Kapseln werden aus Aluminium gefertigt, einem Material, das bei Umweltschützern seit Langem in der Kritik steht. Darüber hinaus steht es im Verdacht, Krankheiten wie Alzheimer, Krebs oder Allergien auszulösen. “Aluminium ist in der Produktion extrem energieintensiv und hat als Nebenprodukt hochgefährlichen Rotschlamm“, kritisiert Greenpeace-Konsumentensprecherin Nunu Kaller. Der Abbau des Rohstoffs Bauxit findet teilweise unter fragwürdigen sozialen Bedingungen und Umweltstandards statt. Nespresso brüstet sich damit, dass “2013 mit Hilfe von 14.000 Nespresso-eigener Kapselsammelstellen 75 Prozent der weltweiten Recyclingkapazität erreicht werden konnten“. Das sieht auf den ersten Blick gut aus, heißt aber in Wahrheit: Drei Viertel der verkauften Kapseln könnten eingesammelt und wiederverwertet werden, es gäbe die Infrastruktur dafür. Wie viele Konsumenten diese Möglichkeit aber tatsächlich nutzen, wird nicht veröffentlicht. “Wir bitten um Ihr Verständnis, dass wir hierzu leider keine Angaben machen können“, heißt es dazu aus der Nespresso-Pressestelle. „Es braucht Zeit, das Verhalten der Konsumenten zu ändern und eine kritische Masse für ein Recyclingprogramm aufzubauen.“ Der Vorwurf des Greenwashing steht im Raum. Man kann davon ausgehen, dass die tatsächliche Sammelquote nur wenige Prozent ausmacht. Mehr lesen.

Liebeserklärung

“Mama, du solltest mal ein paar Tage Urlaub machen, OHNE Laptop!” meinte meine Tochter neulich, als ich mich darüber beklagte, dass gerade alles ein bisschen viel sei. Und mein großer, vernünftiger Sohn empfahl mir, einen Zeitplan für die Arbeit an meinem  Buch zu machen.

Kinder zu haben war definitiv die beste Entscheidung meines Lebens – auch wenn das Mutterdasein mich immer wieder vor Herausforderungen stellt und mich bisweilen an meine Grenzen bringt. Nichts und niemand konnte mich darauf vorbereiten, was mich als Mutter erwarten würde. Rund um die Uhr für einen kleinen Menschen da zu sein, war für einen freiheitsliebenden Menschen wie mich die größte Herausforderung überhaupt und es dauerte eine Weile, bis ich mich mit meiner neuen Rolle angefreundet hatte. Heute, siebzehn Jahre später, kann ich sagen, dass ich ohne meine Kinder nicht da wäre, wo ich jetzt bin – privat und beruflich. Durch sie bin ich über mich hinausgewachsen und gereift, mit ihnen hatte ich die besten, aber auch die schwierigsten Momente meines Lebens. Wenn ich mich über meine elfjährige pubertierende Tochter ärgere, hilft es, mir vor Augen zu halten, dass sie mein Verhalten spiegelt: ihre Launen, die Ungeduld und Sturheit – all das sind Eigenschaften, die ich auch von mir kenne. Wenn ich meinen Großen ansehe, schlaksig und unnahbar, sehe ich den Teenager, der ich einst war.

Dass diese Aufgabe nicht nur Honiglecken ist, kann wohl jede Mutter bestätigen. Daher kann ich auch ansatzweise nachvollziehen, was in Frauen vorgeht, die ihre Mutterschaft bereuen. Die israelische Soziologin Orna Donath sprach für eine Studie mit 23 Frauen, die auf die Frage “Wenn Sie in der Zeit zurückreisen könnten, mit all dem Wissen und der Erfahrung von heute, würden Sie dann noch einmal Mutter werden?” mit Nein antworteten. Wenn ich heute auf dem selben Bewusstseins- und Entwicklungsstand wie bei der Geburt meines ersten Kindes wäre, würde ich meine Mutterschaft vielleicht auch bereuen. Ich kenne die Gefühle der Überforderung, der Verzweiflung und die Momente, wo man alles hinschmeißen möchte, um nur ein paar Stunden Ruhe zu haben. Die Zeiten, in denen die Verantwortung mich beinahe erdrückte. Doch zum Glück habe ich die Herausforderung angenommen, mich auf meine Kinder eingelassen und durch sie vieles gelernt, das mir als Nicht-Mutter versagt geblieben wäre. Ich habe gelernt, Prioritäten zu setzen und mich in Geduld zu üben; mein eigenes Leben zu leben und trotzdem für sie da zu sein.

Und ich lerne immer noch: meine Kinder als eigenständige Menschen zu respektieren, sie so sein zu lassen wie sie sind, mit all ihren Eigenheiten. Sie auf ihrem Weg ins Erwachsenenleben zu begleiten und gleichzeitig loszulassen – wohl eine der schwierigsten Übungen. Doch das Schönste am Muttersein ist wahrscheinlich das: meine Kinder halten mir nicht nur eigene Schwächen vor Augen, sondern wecken auch ungeahnte Talente in mir. Durch die Extravertiertheit meiner Tochter, die unbedingt Schauspielerin werden möchte, wurde mir bewusst, dass auch ich diese Seite in mir trage. Sie trug maßgeblich dazu bei, dass ich den Mut fasste, mich zum ersten Mal auf eine Bühne zu stellen, um einen Vortrag zu halten. Denn mein Leben lang hatte ich geglaubt, ich sei zu schüchtern, um vor Menschen zu sprechen, bin in dem Glauben aufgewachsen, Zurückhaltung und Bescheidenheit seien erstrebenswerte Tugenden. Bis mir meine Tochter mit ihrer überschäumenden Lebenslust zeigte, dass es auch anders geht.

Dass es der größte Wunsch von Kindern ist, mit beiden Elternteilen zusammenzuleben, musste ich schmerzlich erfahren, als ich mich vom Vater meines Sohnes trennte – es dauerte lange, bis mein Sohn die neue Situation akzeptierte. Das spüre ich auch heute bei meiner Tochter, wenn sie ihren Papa und mich zu sich heranzieht und den „Hot Dog“ einfordert. Dann quetscht sie sich zwischen uns beide und mimt das „Würstchen“. Und berührt mich dabei jedes Mal ganz tief in meinem Herzen.

Natürlich, wie könnte es anders sein, halte ich meine Kinder für die großartigsten Menschen der Welt! Sie sind klug, witzig, kreativ und auf ihre Weise etwas ganz Besonderes. Und ich bin unendlich dankbar für die Bereicherung, die sie in mein Leben bringen.

 

Was Menschen zur Flucht bewegt (Option #06)

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten, Verfolgung und Hunger fliehen, war noch nie so hoch wie heute. Langfristige Lösungen sind ebenso gefragt wie das Erkennen der Ursachen.

60 Millionen Menschen waren Ende 2014 weltweit auf der Flucht, ein Jahr zuvor 51,2 Millionen. In Österreich erwartet das Innenministerium für das Jahr 2015 bis zu 80.000 Asylanträge. Der massive Anstieg wurde vor allem durch den Krieg in Syrien verursacht. 7,6 Millionen Syrer sind Flüchtlinge im eigenen Land und knapp 3,9 Millionen in den Nachbarländern gestrandet – der Rest kommt nach Europa. Aber auch in anderen Ländern herrschen kriegerische Konflikte – neben Syrern kommen vor allem Flüchtlinge aus Afghanistan und Irak nach Europa. Bei all diesen Konflikten haben andere Länder ihre Finger im Spiel.

Folgen industriestaatlicher Interessen Das Regime des syrischen Diktators Baschar al-Assad wird von Russland mit Waffen versorgt. Die Irak-Krise und die Erstarkung des IS (Islamischer Staat) ist eine direkte Folge des Irak-Feldzuges von US-Präsident George Bush. „Das Machtvakuum, das durch die Auflösung der Armee entstand, wurde von Ablegern der Al Kaida gefüllt – daraus formte sich der heutige Islamische Staat oder IS.“, erklärt Nahost-Expertin Karin Kneissl. Immer wieder ist Erdöl ein Auslöser für Kriege, wie die Hochschuldozenten Petros Sekeris (Universität von Portsmouth) und Vincenzo Bove (Universität von Warwick) herausfanden. Sie untersuchten für eine Studie 69 Länder, in denen zwischen 1945 und 1999 Bürgerkriege wüteten. In rund zwei Drittel der Konflikte griffen ausländische Mächte ein, unter anderem Großbritannien in Nigeria (1967 bis 1970) oder die USA im Irak 1992. Das Ergebnis der Studie: Länder, die über hohe Erdölreserven und eine gewisse Marktmacht verfügen, können auf militärische Unterstützung aus dem Ausland hoffen. Nigeria kommt bis heute nicht zur Ruhe: dort beuten die Ölfirmen Shell und ExonMobil seit Jahrzehnten die Ölvorkommen des Nigerdeltas aus und zerstören Natur und Lebensgrundlagen der Bevölkerung. Die Unternehmen profitieren mit Hilfe der nigerianischen Regierung von den reichen Ölvorkommen, die Bevölkerung dagegen wird nicht an den Gewinnen beteiligt. Die Folge sind zahlreiche, oft bewaffnete Konflikte. „Es ist erschreckend zu beobachten, dass jene straflos bleiben, die Konflikte auslösen“, kritisiert UN-Flüchtlingskommissar António Guterres. Auch Diktatoren können auf Hilfe aus dem Ausland zählen: Der libysche Diktator Muammar Gadafi verschob knapp 300 Millionen Euro auf Schweizer Konten, ähnlich ging der ehemalige ägyptische Machthaber Hosni Mubarak vor. „Dieses Geld fehlt den Nachfolgeregierungen für den Aufbau des Landes“, erklärt Attac-Sprecher David Walch.

Machenschaften der Unternehmen Zu den sogenannten Push-Faktoren, die Menschen dazu bringen, ihr Land zu verlassen, gehören Armut, Unterdrückung und Verfolgung; Anziehungsfaktoren sind die Aussicht auf Wohlstand, Versorgung und auf ein menschenwürdiges Leben. „Menschliche Grundbedürfnisse sind auf der ganzen Welt gleich: Essen, ein Dach über dem Kopf und Bildung für die Kinder“, meint Caritas-Sprecherin Margit Draxl. „Die allermeisten Menschen wünschen sich ein gutes Leben in ihrer Heimat, nur ein kleiner Teil will weg.“ Doch Globalisierung und ausbeuterische Unternehmen entziehen Menschen in Entwicklungsländern ihre Lebensgrundlagen. „Die Globalisierung der Konzerne ist nichts anders als eine Fortsetzung der Ausbeutung in finstersten Kolonialzeiten“, schreibt Klaus Werner-Lobo in seinem Buch „Uns gehört die Welt“. Als Beispiel nennt er den Bayer-Konzern, einen der wichtigsten Abnehmer von Coltan.

Den ganzen Artikel gibt es in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Option zu lesen.

Talent statt Geld (Konsument 10/2015)

Immer mehr Menschen suchen Alternativen zum herkömmlichen Konsumdenken, Nachbarschaftshilfe und Tauschkreise boomen.

Suche Babysitter, biete Verleih von Haushaltsgeräten“. So oder ähnlich könnte das Angebot auf einer Plattform für Nachbarschaftshilfe aussehen. Die Idee dahinter: Menschen zu vernetzen und Ressourcen zu teilen. Das kann einfach über eine Website geschehen, wo Nachbarn sich austauschen oder über organisierte Tauschkreise, wo Waren und Dienstleistungen auf der Basis einer symbolischen Währung getauscht werden.

Österreichweite Projekte Die Idee dahinter ist nicht ganz neu: Bereits Anfang der 80er-Jahre richtete der Arbeitslose Brite Michael Linton den ersten LETS (Local Exchange Trading System)-Tauschkreis ein, die Idee verbreitete sich schnell über Europa und die USA. Den Wert der Arbeit bestimmt in diesen Systemen vor allem der Zeitaufwand, nicht andere wirtschaftliche Faktoren. Damit hinterfragen die Tauschkreise traditionelle Wirtschaftsformen, definieren Arbeit neu und bewerten den Menschen in erster Linie nach seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten. Im LETS-Tauschkreis Wien gilt der Grundsatz, dass unabhängig von der Art der Leistung ein fixer Stundensatz verrechnet wird.

Österreichweit gibt es mehrere regional organisierte Tauschkreise. „Der Talente Tauschkreis Kärnten, in dem ich seit 18 Jahren Mitglied bin, kam mir in einer finanziellen Notlage zu Hilfe“, erzählt Lisa Engel. „Im Austausch gegen meine Kenntnisse als Fotografin und Texterin bekam ich Nahrungsmittel und Kinderbetreuung angeboten.“ Die Kärntnerin ist der Meinung, dass Tauschkreise oder Plattformen wie willhaben, wo gebrauchte Waren angeboten werden, die Zukunft sind. „Gerade junge Leute nutzen diese Plattformen ganz selbstverständlich.“ In 18 Jahren machte Engel nur eine negative Erfahrung beim Tauschkreis. „Der Grund war, dass ich die Konditionen für einen Tausch nicht vorab geklärt hatte und dadurch ein Missverständnis entstand.“ Seit diesem Erlebnis legt die Kärntnerin Wert darauf, vor jedem Tausch die Rahmenbedingungen festzustecken.Eine Stunde Arbeit, egal ob Babysitten, Kochen oder Massage, kostet 100 Talente (oder einen individuell zu vereinbarenden Betrag), die vom Talentekonto des Konsumenten abgebucht und auf das Konto des Gebers gutgeschrieben werden“ heißt es auf der Homepage des Talente Tauschkreises Kärnten. Talente ist hier die Bezeichnung für die symbolische Währung. Der Hauptvorteil besteht darin, dass eine Leistung in Anspruch genommen werden kann, ohne sofort und personengebunden eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Der Ausgleich kann später bei anderen Tauschpartnern erfolgen. Talente Tauschkreise gibt es unter anderem auch in Vorarlberg, Niederösterreich und Wien, der Tauschkreis-Verbund ist ein Zusammenschluss von mehreren Tauschkreisen im deutschsprachigen Raum. Mehr lesen.

Im Einklang mit der Natur (N21)

Rund um Marcala, Honduras befindet sich ein traditionsreiches Kaffeegebiet. Wie Fairtrade dort gelebt wird, zeigt die Kooperative COMSA.

Wir müssen die Verbindung zur Natur wiederfinden!“ Fredy Perez erklärt den Besuchern der Finca Fortaleza, wofür COMSA steht. Der Kaffeebauer erzählt von einem Video über Umweltzerstörung, Teil einer Aufklärungskampagne der Fairtrade-zertifizierten Kaffeegenossenschaft in Marcala, Honduras, das sein Leben veränderte. Damals wurde dem Kaffefarmer klar: „Wenn Pestizide alles in ihrer Nähe abtöten, töten sie letztendlich auch mich.“ Grund genug für Perez, auf Bio-Anbau umzustellen und Mitglied von COMSA zu werden. Heute leitet der 35-jährige die Finca Fortaleza, ¨Übungsfarm¨ der Kaffeegenossenschaft. Hier werden Farmer im Bio-Anbau geschult und lernen Alternativen zum Kaffeeanbau wie etwa Bienenzucht kennen. Selbst aus dem benachbarten Ausland reisen Interessierte an, um sich hier zu informieren. Biologischer Kaffee wird auf der Finca Fortaleza unter Pfirsichbäumen und Zedern angebaut, dazu Bio-Salate, Gemüse und Obst aller Art. Das Herzstück der Farm ist jedoch die Herstellung des eigenen Düngers: Aus Ernteabfällen und organischem Material entsteht das flüssige oder feste „Gold“, mit Mineralien aus gemahlenen Steinen oder Muscheln angereichert. „Alles, was wir für die Bio-Landwirtschaft brauchen, ist bereits vorhanden“, ergänzt Perez.

Wachsende Gemeinschaft Wir befinden uns im Hochland von Honduras; es ist Regenzeit und die Kaffeeernte, die hier von November bis April stattfindet, bereits vorbei. Marcala ist das traditionsreichste Kaffeegebiet des kleinen mittelamerikanischen Landes, schon vor über 100 Jahren bauten deutsche Auswanderer hier Kaffee an und gaben ihr Wissen an die Nachkommen der Lenkas, Ureinwohner von Honduras, weiter. COMSA wurde 2001 mitten in einer der schlimmsten Kaffeekrisen der letzten Jahrzehnte gegründet. Die Kaffeepreise erlangten einen historischen Tiefstand, die Weltmarktpreise deckten nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten ab. In dieser Zeit gingen die vorhandenen Kaffeekooperativen in Marcala in den Konkurs oder lösten sich einfach auf. Auch COMSA kämpfte am Anfang mit großen Problemen, die größte Schwierigkeit war die Vorfinanzierung der Ernte für die Mitglieder. Auch fehlende internationale Märkte waren eine Herausforderung. Erst als die Genossenschaft die Fairtrade-Zertifizierung erlangte, wendete sich das Blatt. Seither wächst die Organisation, die heute 830 Mitglieder zählt und sich mit Leib und Seele der Biolandwirtschaft verschrieben hat: 600 Mitglieder sind Bio-zertifiziert.

Natürliche Pflanzenschutzmittel Kaffeebauern wie Mario Perez, Mitbegründer von COMSA, profitieren von der Mitgliedschaft, sind aber auch aufgefordert, sich einzubringen. „Von Fairtrade-Bauern wird erwartet, ihr Denken zu ändern“, sagt Perez, der gemeinsam mit seinem Sohn Mario Jr. die Finca Cascavelles leitet. Der 20 jährige zeigt uns, wo die Kaffeepflanzen mitten im Wald wachsen. Er erzählt, dass die Folgen des Klimawandels auch hier spürbar seien: früher dauerte die Regenzeit von Mai bis November, in den letzten Jahren regnete es jedoch insgesamt viel weniger. Mit steigenden Temperaturen reift der Kaffee schneller, was zu einem Abfall in der Qualität führt. Dazu kommt die allgegenwärtige Gefahr von „La Roya“, einem Pilz, der unter anderem von stark wechselhafter Witterung verursacht wird: Eine Kaffeerost-Epidemie vor einigen Jahren brachte viele Farmer an den Rand ihrer Existenz. Ein Ernteverlust von 30-40 Prozent im Jahr 2013 war die Folge. Heute hat man Möglichkeiten gefunden, La Roya vorzubeugen, mit natürlichen Mitteln: Die Kaffeesträucher werden mit Mineralien bespritzt, um die Pflanzen zu stärken und so den Pilz abzuwehren. COMSA unterbricht damit den sonst üblichen Kreislauf aus chemikalischer Behandlung und finanzieller Abhängigkeiten. Mehr lesen.

Dialog statt Hetze

Kürzlich machte ein Video die Runde in sozialen Netzwerken: Joko und Klaas, deutsche TV-Entertainer und Social Media-Stars, sagten rassistischen Hetzern ihre Meinung. „Erbärmliche Trottel, die sich auf Kosten der Ärmsten der Armen profilieren wollen“ oder „Ihr seid die Dummheit“ war da zu hören. Mein erster Gedanke war: recht so, zeigt es ihnen! Der zweite war: wird sich dadurch, dass immer mehr Prominente und zahllose Nutzer von Social Media auf Hetzer losgehen, an deren Verhalten etwas ändern? Ich kam zu dem Schluss: eher nicht. Es könnte sogar das Gegenteil eintreten: Ein Großteil der auf diese Weise Gedemütigten wird sich unverstanden fühlen und gemaßregelt. Viele werden ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundtun, sie aber im Stillen beibehalten. Gut möglich, dass ihre Wut durch die Bloßstellung nur noch steigt. Denn Aggression erzeugt immer noch mehr Aggression, Gewalt (auch verbale) schafft mehr Gewalt.

Ich gebe zu, auch mir fällt es nicht leicht, Menschen gegenüber, die auf facebook menschenverachtende Kommentare gegen Flüchtlinge posten, Zurückhaltung zu bewahren. Doch was mich immer mehr beschäftigt, ist die Frage: woher kommen diese Aggressionen? Und woher kommt die Angst vor Menschen, die alles verloren haben, die vor Krieg und Verfolgung flüchten? „Das Bedürfnis, anderen die Schuld dafür zu geben, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie mal war, ist bei vielen Menschen beängstigend groß“, schrieb Armin Wolf in einem facebook-Beitrag, der tausende Male geliked wurde. Cecily Corti, Gründerin der VinziRast-Häuser für Obdachlose sagt im Interview mit Michael Hufnagl: „Da wir in einer stark materiellen Welt leben, ist da die Bedrohung, dass mir etwas weggenommen wird von dem Wohlstand, den wir mit Mühe geschaffen haben.“

Ähnliches gilt wohl für geschätzte 30 Prozent FPÖ-Wähler in diesem Land, die für eine Partei stimmen, deren Politik aus Panikmache, Verdrehung von Tatsachen und Verleumdung besteht. Ich glaube, wir sollten aufhören, alle diese Menschen in einen Topf zu werfen, sie alle als Rassisten oder gar Nazis zu verurteilen. Vor allem müssen wir aufhören, uns als die Guten und die anderen als die Bösen zu betrachten. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern so viele Nuancen dazwischen! Doch gerade auf facebook und anderen sozialen Netzwerke sind zunehmend zwei Lager vertreten: diejenigen, die für etwas sind und die anderen, die dagegen sind. Und wenn jemand anderer Meinung ist, wird auf ihn hingedroschen.

Neulich stellte ich fest, dass einige meiner facebook-Freunde Fans von HC Strache sind, keinen von ihnen kenne ich persönlich. Reflexartig wollte ich ihnen meine Freundschaft aufkündigen, doch dann hielt ich inne: ist ein Mensch zu verurteilen, nur weil er politisch anders denkt als ich? Und wäre es nicht sinnvoller, diesen Menschen mit meinen postings zu zeigen, dass es auch andere Denkansätze und Lösungen gibt als die, mit denen der FPÖ-Chef arbeitet? Dass wir mit Menschlichkeit und Empathie weiter kommen als mit Angstmache? Ich entschied mich für Zweiteres.

Ich plädiere für mehr Verständnis und Versöhnlichkeit im Umgang mit anderen, gerade in sozialen Medien. Sinnvoller, als auf Hetze mit weiterer Hetze zu reagieren wäre, die Ängste vieler Menschen in diesem Land ernst zu nehmen und mit ihnen darüber zu diskutieren. Was es braucht, ist mehr politische Bildung an Schulen, aber auch Geistesschulung und Herzensbildung, wie der Dalai Lama vorschlägt. „Ich blicke mit Freude dem Tag entgegen, an dem Kinder in der Schule die Grundsätze der Gewaltlosigkeit und der friedlichen Konfliktlösung lernen.“

Alles auf Schiene (Kolumne “Die Wölfin”, N21)

Ratam, ratam, ratam: das Rattern der Zugräder auf den Schienen wäre wunderbar dazu geeignet, mich in den Schlaf zu lullen – wäre da nicht die harte Liege unter mir. Ich befinde mich in einem Liegewagen des Nachtzuges von Wien nach Hamburg und starre seit gefühlten zwei Stunden auf das Bett über mir. Damenabteil? hatte der nette ÖBB-Mitarbeiter mich beim Reservieren der Tickets gefragt. Da ich diesmal mit meiner Tochter unterwegs bin, stimmte ich zu. Die junge Frau, die außer uns im Abteil ist, schläft längst, während ich mich auf meiner Liege herumwälze. Die Wolldecke, die eigentlich zum Zudecken gedacht ist, habe ich mir zwecks größerem Liegecomfort unter mein Leintuch geschoben. Jetzt liege ich zwar weicher, dafür friere ich. Im Abteil nebenan haben ein paar Jugendliche eine Menge Spaß.

Ich denke an die vielen Bahnfahrten, die ich bereits hinter mir habe, viele davon im Nachtzug. Früher war es mir egal, ob ich nur einen Sitzplatz hatte, auf dem ich es mir gemütlich machte, oder ein Bett zum Schlafen. Damenabteil? Das gab es bis vor wenigen Jahren nicht, und es war auch einerlei, mit wem ich das Abteil teilte – nicht selten waren Schnarcher darunter oder stinkende Füße. Die junge Frau über mir schnarcht auch gerade leise vor sich hin, meine Tochter gibt keinen Mucks von sich. Mehr lesen.