Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument.

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Hotel mit gewissem Etwas (Format, 20. Februar 2015)

magdas Hotel, das erste von Flüchtlingen betriebene Hotel Österreichs, ist in vielerlei Hinsicht anders. Ein Großteil der Einrichtung wurde in einem Upcycling-Prozess aus bestehendem Mobiliar gestaltet.

20 anerkannte Flüchtlinge, fünf Profis aus der Hotellerie und ein Job-Coach aus insgesamt 16 Ländern: das ist die Belegschaft des eben eröffneten Hotels im Wiener Prater. magdas Hotel ist ein Social Business der Caritas und wurde unter anderem mithilfe von Crowdfunding ermöglicht. Früher war hier, in der Laufbergergasse 12, ein Seniorenheim aus den 60er Jahren untergebracht, das vorübergehend als Notunterkunft für Flüchtlinge diente. So außergewöhnlich wie das Konzept ist auch die Einrichtung – dahinter steht das Wiener Architekturbüro AllesWirdGut. Die Bausubstanz wurde großteils erhalten und saniert sowie an aktuelle Sicherheitsstandards angepasst. Nicht nur in der Finanzierung, auch in der Gestaltung waren alle Beteiligten gefordert, kreative Lösungen zu finden – das Budget war mit 1,5 Millionen Euro knapp bemessen.

Möbel mit Vergangenheit Bei der Gestaltung der Innenräume setzte AllesWirdGut auf Upcycling: die Möbel in den Hotelzimmern und Wohnungen sowie in Lobby, Restaurant und Bar stammen zum Teil aus dem Secondhand-Markt carla der Caritas. Andere wurden von ehemaligen Bewohnern hinterlassen oder von der Bevölkerung für das Projekt gespendet. „Wir haben die vorhandenen, zum Teil sehr biederen, Einbaukästen abgebaut und in der Werkstätte zu Nachtkästchen und Sekretären umfunktioniert“, erklärt Johanna Aufner, Projektleiterin von AllesWirdGut. Zahlreiche Firmen unterstützten das Projekt sowohl finanziell als auch in Form helfender Hände in der Werkstatt. „Zu unseren Umbau-Events kamen sogar Freiwillige aus der Nachbarschaft, um zu helfen.“ Mehrere Unternehmen spendeten auch Einrichtungsstücke, so wurden aus alten Kofferablagen, die früher in Zügen der ÖBB zum Einsatz kamen, Garderoben für die Hotelzimmer. „Ein immer wieder kehrendes Detail in den Zimmern ist ein Sessel, der in der Mitte auseinander geschnitten wurde und nun als Nachtkästchen dient“, so Aufner. Die Sessel wurden zum Teil über Online-Börsen günstig erworben, aber auch gespendet. Ins Auge stechen auch die Tische in der Hotellobby, die an alte Schulbänke erinnern. Sie dienten ursprünglich als Arbeitstische für Architekturstudenten und wurden auf Kaffeetischgröße zugeschnitten. Mehr lesen

 

 

Die Sache mit der Eigenverantwortung

Da es in letzter Zeit in manchen Medien und vor allem in Social Media ein regelrechtes Bashing gegen Menschen gibt, die Impfungen gegenüber kritisch eingestellt sind, und ich mich zu dieser Gruppe zähle, möchte ich dazu gerne Stellung nehmen:

Ich gehe davon aus, dass Menschen, die Impfungen kritisch gegenüber stehen, sich in der Regel sehr intensiv mit dieser Thematik befasst und Vor- und Nachteile abgewogen haben. Sie haben sich höchstwahrscheinlich (zumindest kann ich das von mir selbst behaupten) über Pro & Contra und mögliche negative Begleiterscheinungen informiert. Im Fall meiner Kinder hatte ich eine sehr gute Kinderärztin, die uns dazu eingehend beriet und uns in unserer Entscheidung bestärkte, nur das Notwendigste zu impfen. Dazu gehörten beispielsweise keine Kinderkrankheiten wie Masern. Ich lehne jedoch Impfungen nicht prinzipiell ab, da ich weiß, dass sie vor allem in Entwicklungsländern Kindern das Leben retten können. Menschen wie ich, die Impfungen kritisch betrachten, sind oft solche, die sehr bewusst leben und für alternative Methoden im Bereich der Medizin offen sind.  Ich selbst vertraue dem Leben und meinem Körper und sehe Krankheiten als Zeichen des Körpers, inne zu halten und zur Ruhe zu kommen.

Was aber bei all den Diskussionen über das Impfen oft übersehen wird: ob Impfung oder nicht, soll jeder für sich selbst entscheiden. Und die Entscheidung jedes Einzelnen sollte respektiert werden. So einfach könnte es sein – warum wird dann so viel darüber polemisiert? Wie bei der kürzlich aufgetretenen Masernepidemie in den USA sind die Sündenböcke schnell gefunden, nämlich „die Impfgegner“. Ich habe immer wieder erlebt, wie in Social Media Impfkritiker beschimpft und lächerlich gemacht wurden. Leider vergessen diejenigen, die so gerne auf Andere losgehen, dabei die naheliegende Logik: an Masern (oder auch anderen Krankheiten) können nur Menschen erkranken, die selbst nicht geimpft sind. Bei Erwachsenen liegt das also in deren eigener Verantwortlichkeit, bei Kindern haben diese Entscheidung die Eltern getroffen (wie oben festgestellt, in den allermeisten Fällen sehr bewusst).

Geht es bei diesem Bashing also in erster Linie darum, Andersdenkende klein zu machen?  Vielleicht liegt es aber auch daran, dass es, vor allem in Social Media, en vogue geworden ist, über Andere her zu ziehen und die Hemmschwelle hier immer niedriger wird. Daraus schließe ich: es ist einfacher, auf Andere mit dem Finger zu zeigen, als bei sich selbst zu bleiben. Denn eigenverantwortliches Denken erfordert Mut zur Selbstreflexion.

Allen, die sich eingehend mit dem Thema Impfen auseinandersetzen möchten, sei das Buch „Impfen Pro&Contra“ von Martin Hirte empfohlen.

Was Fairtrade bewirkt

Margarita Carbajal Santos, mexikanische Kaffeebäuerin in der Fairtrade-Kooperative Yeni Navan, erzählt, was Fairtrade in ihrem Ort bewirkt hat.

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Wie kamen Sie zum Fairen Handel? Wir hatten früher als Kaffeebauern überhaupt keine Rechte – auch kein Recht auf Ausbildung. Wir hatten auch keinen Arzt im Ort, was die gesundheitliche Situation sehr schwierig machte. Dafür gab es zwei Großgrundbesitzer in unserer Region, die alles kontrollierten. Viele Menschen verloren ihr Land an die Zwischenhändler, weil sie sich bei ihnen verschuldet hatten. Anfang der 80er Jahre erfuhren wir von Versammlungen in der Pfarre, zu denen wir gingen, obwohl es ein vierstündiger Fußmarsch war. In den Versammlungen ging es darum, wie wir in eine direktere Beziehung zu den Käufern unserer Produkte kommen und unser Einkommen erhöhen könnten.

Wie reagierten die Großgrundbesitzer? Leider gab es gegen unsere Initiative viel Widerstand und einige Mitstreiter mussten sogar mit dem Leben bezahlen.

Was waren Ihre Anliegen? Wir kämpften darum, einerseits unsere Familien erhalten zu können und andererseits uns aus der Ausbeutung zu befreien. Damals lernten wir die erste mexikanische Genossenschaft für fairen und Bio-Kaffee kennen; sie hat uns sehr dabei unterstützt, uns auf unsere eigenen Beine zu stellen und selbst Kaffee zu exportieren. Wir lernten, wie wichtig der biologische Anbau ist – sowohl für unsere Gesundheit als auch für die Umwelt. Darüber hinaus hat er uns größere Marktchancen eröffnet. Mitte der 1980er Jahre haben wir uns dann selbst als Kooperative konstituiert und besonders in die Qualität des Kaffees investiert.

Was ist der Unterschied zu herkömmlichen Kaffee-Plantagen? Mit einer herkömmlichen Kaffee-Plantage hat die Arbeit der Fairtrade-Kaffeebauern nichts zu tun, es handelt sich eher um Kaffeegärten bzw. um eine ökologische Form der Waldbewirtschaftung.

Was hat sich durch Fairtrade verbessert? Es gibt bei uns heute keine Analphabeten mehr, dafür eine Schule und einen Arzt im Ort. Die Sozialprämie, die wir von Fairtrade bekommen, wird zum Teil für die Weiter- und Bewusstseinsbildung der Mitglieder verwendet; 50 Prozent davon gehen bei uns in die Erneuerung der Kaffeepflanzen.

Das gesamte Interview gibt es in meinem Buch “Nachhaltig Leben” zu lesen.

“Bildungsbürger fürchten Veränderung” (MUT, 1/2015)

Niki Glattauer, Lehrer und Autor von Büchern wie „Der engagierte Lehrer und seine Feinde“ über Ängste des Bildungsbürgertums, Stillstand in der Politik und die ideale Schule.

Was hat Sie dazu bewogen, vom Journalismus auf den Lehrerberuf umzusteigen?

Ich war 15 Jahre lang Journalist, zum Schluss stellvertretender Chefredakteur von „News“. Ich wollte diesen Boulevardjournalismus nicht mehr mitmachen und habe mich zum Haupt- und Sonderschullehrer ausbilden lassen.

Sie unterrichten in einer Neuen Mittelschule – eine Schulform, die Sie kritisieren.

Das pädagogische Konzept der NMS ist an sich gut, funktioniert jedoch nur dann, wenn alle mitmachen – also nur in durchmischten Klassen. Die NMS neben dem Gymnasium anzubieten, ist sinnlos. Ich plädiere für eine gemeinsame Schule (das Wort Gesamtschule kann ich nicht mehr hören), da es keinen Sinn macht, Kinder nach der Volksschule zu trennen.

An Ihrer Schule haben 90-100 Prozent der Schüler Migrationshintergrund. Wie funktioniert das?

Zuerst einmal: Ich mag das Wort Migrant nicht, weil es Schüler automatisch auseinander dividiert. Bei uns funktioniert die Integration von Schülern mit nicht-deutscher Muttersprache gut, weil wir eine Direktorin haben, der dieses Thema ein großes Anliegen ist. Es gibt zwei- und dreisprachige Unterrichtseinheiten und die jeweilige Muttersprache wird gefördert. Auch die Religionslehrer – Islam, katholisch, serbisch-orthodox – bieten gemeinsame Religionseinheiten an. Schüler mit anderer Muttersprache brauchen Muttersprachenlehrer, mehr Anwesenheit in der Schule, man muss auf Mentalitätsunterschiede eingehen. Ganz wichtig ist auch, Moslems zu entradikalisieren und stattdessen zur Integration und Auflösung von Gegensätzen beizutragen.

Was läuft in unserem Schulsystem schief?

Lehrer müssen gesellschaftspolitische oder Arbeitsmarktprobleme ausbügeln: Wir haben immer schon 20-30 % schlecht beschulte Kinder gehabt, aber früher gab es für weniger erfolgreiche Schulabgänger auch Jobs. Diese Jobs brechen heute weg und es gibt plötzlich nur noch Arbeit für die Besten der Besten. Das ist ein Arbeitsmarktproblem, das Schulen nicht lösen können! Unsere Schulen funktionieren dort, wo die Eltern funktionieren und wo es überengagierte Lehrer gibt, die sich selbst aufopfern. Schüler, deren Eltern beim Lernen helfen können, sind bevorzugt. Aber was ist mit Schülern, deren Eltern weniger gebildet sind und die den ganzen Tag arbeiten müssen? Nicht alle Eltern können ihre Erziehungsrolle so wie früher wahrnehmen – ich werfe das den Eltern auch nicht vor, da das eine gesellschaftliche Entwicklung ist. Und auf die sollten sich Schulen einstellen: Schule muss in der Schule stattfinden, nicht zuhause.

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Schifahren? Schnee von gestern!

Laut einer aktuellen Studie des Klima- und Energiefonds ist der Wintertourismus in Österreich vom Klimawandel besonders betroffen: Bis 2050 wird es jährlich eine Million Nächtigungen weniger geben. „Wintertourismus wird in vielen Lagen Österreichs kürzer oder gar nicht mehr in der bekannten Form stattfinden können“, meint Klimaexperte Karl Steiniger auf orf.at.

Doch noch wollen Viele das nicht wahrhaben und erzeugen auf künstliche Weise Schnee: in Österreich gibt es bereits 20.000 Schneekanonen. Dafür werden jährlich rund 95 Millionen Kubikmeter Wasser für 24.000 Hektar Fläche benötigt – was dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 1,5 Mio. Einwohnern entspricht. Für die Schneesicherheit wurden seit 2008 rund 800 Millionen Euro investiert (Stand: Dezember 2012).

Ich selbst war früher leidenschaftliche Schifahrerin, doch beschloss ich irgendwann, diesen Wahnsinn nicht länger zu unterstützen – denn auch Wintersport auf natürlichem Schnee schadet dem Ökosystem der Alpen. Es gibt so viele andere Arten, Sport zu treiben und da ich am liebsten laufe, mache ich das mittlerweile, warm eingepackt, auch im Winter – soferne es nicht gerade friert oder schneit… ;-).

Noch ein paar Details zum Kunstschnee: er ist viermal schwerer als echter Schnee und braucht doppelt so lange zum Abschmelzen. Der erhöhte und verspätete Schmelzwasserabfluss kann Erosion und Abrutschgefahr auslösen. Die Produktion von Kunstschnee verschlingt in den Alpen pro Saison mehr als 600 Millionen kWh elektrische Energie, sie beginnt oft schon Anfang Oktober und dauert bis Anfang Mai. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz: der hohe Energieverbrauch beschleunigt den Klimawandel und der wiederum den Rückgang des natürlichen Schneefalls.

Alternativen sind daher gefragt: Die Bergsteigerdörfer des Österreichischen Alpenvereins etwa haben sich einem nachhaltigen Alpintourismus verschrieben. Orte wie Villgratental in Osttirol oder Hüttschlag in Salzburg setzen im Winter auf Skitourengeher, andere bieten Schneeschuhwanderungen, Eisklettern oder Langlaufen an. Vent im Ötztal hat auf ein eigenes Gletscherskigebiet und den Zusammenschluss mit dem Pitztaler Gletscherskigebiet verzichtet. 

Mehr zum Thema Nachhaltiger Tourismus findet ihr in meinem Ratgeber “Nachhaltig Leben”.

 

Alter schützt vor Unwissen nicht (Option, 3/2014)

Die Verunsicherung rund um das Thema Pensionen ist groß, die Kampagne der Pensionsversicherung lässt viele Fragen offen.

Der Brief von der SVA ist da, der Titel „Das neue Pensionskonto“ klingt vielversprechend. Doch die fettgedruckte Zahl im Inneren des Briefes ist wenig ermutigend – das soll meine Pension sein? Erst bei genauem Nachlesen wird klar: hier handelt es sich um eine vorläufige Zahl, die das bisherige Pensionsguthaben anzeigt.

Obwohl die Kampagne der Pensionsversicherungen darauf abzielt, das Vertrauen in die gesetzliche Pension zu stärken, bewirkt sie doch bei Vielen das Gegenteil. Eine Menge Fragen bleiben offen: Wie hoch wird die Pension tatsächlich ausfallen? Wie lange werde ich noch arbeiten müssen, um später mein Auskommen zu finden? Und was ist eigentlich die Pensionslücke?

Mein erster Anruf erreicht die Service-Hotline der für mich zuständigen SVA, die eigens zum Thema Pensionskonto eingerichtet wurde. Die Dame am anderen Ende der Leitung erklärt mir geduldig, was es mit den fehlenden Versicherungszeiten in meiner Auflistung auf sich hat. Auch zum Thema Kinderbetreuungszeiten bekomme ich wertvolle Informationen: Für Kindererziehung werden bis zu vier Jahre für die Pension angerechnet. Mein nächster Ansprechpartner ist Wolfgang Panhölzl, Pensionsexperte bei der Arbeiterkammer Wien: „Der Wert im Pensionskonto zeigt an, wie hoch die Pension wäre, wenn Sie ab sofort nichts mehr einzahlen würden. Wichtiger ist die Rechnung, wie viel monatlich bleibt, wenn das Pensionsalter von 65 Jahren erreicht ist.“

Das Pensionsalter von 65 Jahren? Ich lerne: Für Frauen, die bis zum 1.12.1963 geboren sind, gilt als Regelpensionsalter 60, dann steigt das Antrittsalter schrittweise auf 65 Jahre an. Für Männer bleibt das – gesetzliche – Pensionsalter von 65 Jahren gleich.

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Ich bin nicht Charlie

Satire darf alles“ – wie oft habe ich diesen Satz, der Kurt Tucholsky zugeschrieben wird, in den letzten Tagen gehört. Vor allem von Journalisten, die sich mit den Zeichnern und Redakteuren des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo solidarisierten. Doch was darf Journalismus? Er soll aufklären, informieren und Meinung machen. Aber darf er beleidigen, menschliche Werte mit Füßen treten?

Je suis Charlie“ – diese drei Worte verbreiteten sich nach dem Attentat auf die Pariser Redaktion von Charlie Hebdo in Windeseile in den Medien. Doch worum geht’s da eigentlich, was wollen die, die sich Charlie nennen,  uns sagen? Dass sie die respektlosen und teils beleidigenden Karikaturen der Zeitschrift Charlie Hebdo gutheißen? Bereits 2011 hatte es einen Brandbombenanschlag auf die Redaktion gegeben und die Antwort darauf war eine erneute Provokation: eine Karikatur, die einen Moslem und einen Zeichner von Charlie Hebdon beim feuchten Zungenkuss zeigt. Was wird als nächstes passieren? Wird sich die Spirale der Respektlosigkeit, des Hasses und der Gewalt immer weiter drehen? Es geht hier in erster Linie um Menschen und ihre Werte und Überzeugungen, erst zweitrangig um radikale Muslime (die unter den 1,5 Milliarden Muslimen weltweit eine Minderheit darstellen). Wahre Größe hätte die Charlie Hebdo-Redaktion nach dem ersten Anschlag gezeigt, wenn sie ein ernst gemeintes Zeichen der Versöhnung gesetzt hätte. karikatur

Natürlich bin ich der Meinung, dass man jeder Art von Radikalismus die Stirn bieten sollte sowie für Toleranz und Weltoffenheit eintreten muss – gerade wir Journalisten. Aber ich glaube auch, dass das mit anderen Mitteln möglich ist als mit geschmackloser Satire. Die Zeit ist reif für einen Journalismus (und für mich gehört dazu auch Satire), der versöhnt und Hoffnung macht; der Alternativen anbietet und Lösungen skizziert, anstatt Angst zu schüren und Zwietracht zu säen. Der sich nicht mehr auf den reinen Intellekt beruft, sondern auch das Herz miteinbezieht. In diesem Sinne: Nein, ich will nicht Charlie sein, sondern mich auf konstruktive Weise für eine Welt einsetzen, in der ein respektvolles Miteinander möglich ist.

Karikatur: Sarah McIntyre