Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument.

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Die Leichtigkeit des Seins

Ich stehe auf der Brücke, mit einem Gummiband um meinen Knöchel, und blicke in den Abgrund. Tief unter mir glänzt ein schmaler Fluß in der Sonne. Das war es dann wohl, schießt es mir durch den Kopf. Hier stehe ich nun, auf einer Brücke irgendwo in Südamerika und muss mir etwas beweisen. Oder vielleicht auch dem Mann hinter mir, den ich gerade mal seit einer Woche kenne. Wie bin ich nur auf die absurde Idee gekommen, Bungee Jumping zu machen? Ich, die ich unter Höhenangst leide und weiche Knie bekomme, wenn ich mich mehr als zehn Meter über dem sicheren Boden befinde? Kurz überlege ich, einen Rückzieher zu machen, doch das verbietet mir mein Stolz. Also nehme ich all meinen Mut zusammen und springe kopfüber in die Tiefe.

Diese Szene trug sich vor gut 20 Jahren auf einer Brücke nahe Quito, Ecuador zu und war bezeichnend für mein Leben: Immer wieder tat ich Dinge wider mein besseres Wissen, ließ mich auf Männer ein, die mir nicht gut taten und fügte mir selbst Schaden zu. Der Moment auf der Brücke war jedoch ein Wendepunkt in meinem Leben: zwar sprang ich tatsächlich, und überstand den Sprung relativ unbeschadet, doch werde ich nie den Moment des Absprungs vergessen – die panische Angst, die mich durchfuhr. Und den Gedanken, als ich kopfüber in der Luft baumelte und darauf wartete, wieder hochgezogen zu werden: Was mache ich hier eigentlich? Danach wusste ich, dass dies eine der letzten unvernünftigen, oder zumindest selbstzerstörerischen Handlungen in meinem Leben sein sollte. Nun ja, eine Weile dauerte es noch, bis es wirklich so weit war. Der junge Mann an meiner Seite war immerhin so beeindruckt, dass er mir wenig später nach Wien folgte.

Heute, 20 Jahre später, frage ich mich: wie kommt es, dass ich so verdammt vernünftig und ernsthaft geworden bin? Manchmal sehne ich mich nach den Zeiten zurück, in denen ich mich, ohne lange nachzudenken, in Situationen begab, über dich ich heute nur den Kopf schütteln kann. Natürlich könnte diese neue Ernsthaftigkeit mit meinem fortgeschrittenen Alter zusammenhängen. Oder damit, dass ich nun schon seit geraumer Zeit Verantwortung für zwei junge Menschen trage. Vielleicht auch damit, dass ich gelernt habe, besser auf mich zu achten und hin zu spüren, was mir gut tut und was nicht. Aber muss das bedeuten, dass ich keinen Spaß mehr habe? Vor einiger Zeit sagte mir jemand, den ich erst kurz zuvor kennen gelernt hatte: „Du wirkst so seriös.“ Ich zerbrach mir den Kopf darüber, ob das nun ein Kompliment war oder doch eher das Gegenteil. Seriös? Ist das nicht gleichbedeutend mit langweilig? Dieser achtlos dahingesagte Satz setzte mir ganz schön zu. Und stimmte mich nachdenklich. Ich fragte mich, wo die Leichtigkeit in meinem Leben geblieben ist, diese Momente, in denen man selbstvergessen und unbefangen durchs Leben steuert, sich sinnlos betrinkt oder sonstige unvernünftige Dinge tut.

Und auch jetzt hat sie mich wieder erwischt – diese Sehnsucht nach mehr Leichtigkeit; die Mühlen des Alltags haben mich fest im Griff. Doch wenn ich darüber nachdenke, fallen mir einige leichtfüßige Momente ein, die noch nicht so lange her sind: eine Fahrradtour alleine durch Manhattan, die Hochzeit von lieben Freunden, bei der wir die Nacht durchtanzten, ein Lachanfall, ausgelöst durch die Faxen meiner Tochter. Vielleicht ist das ja auch eine Begleiterscheinung des Alterns: diese schwankenden Stimmungen und das immer wieder kehrende Gefühl, etwas zu verpassen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, regelmäßig aus dem Alltag auszubrechen und Dinge zu tun, die Spaß machen – und das Leben insgesamt ein bisschen leichter zu nehmen. Muss ja nicht gleich der Sprung von einer Brücke sein.

Frauenpower für eine bessere Welt (Maxima, Dezember 2014)

Angelina Jolie tut es. Cecily Corti ebenfalls. Immer mehr Frauen leisten einen wertvollen Beitrag, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Es war vor 12 Jahren, als Anna Cummins mit Ihrem Schiff im Meer stecken blieb. Die damalige Ökologie-Studentin war mit einem Team von Wissenschaftern auf einer Forschungsreise im Pazifik unterwegs; das Meer war, soweit das Auge reichte, mit Plastikmüll übersät. Seither ist es das Ziel der Amerikanerin, die Plastikverschmutzung der Weltmeere, eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit, zu erforschen und vor ihr zu warnen. Mit ihrem Mann, dem Wissenschafter Marcus Erikssen, hat sie das Institut „5 Gyres“ gegründet, benannt nach den fünf großen Müllfeldern, die in den Weltmeeren treiben. Sie führen Expeditionen und Veranstaltungen durch und verhandeln mit Konzernen über Verpackungslösungen ohne Plastik. Cummins’ unermüdlicher Aufklärungsarbeit ist es zu verdanken, dass sich schließlich auch die UNESCO des Themas angenommen hat. Heute ist es traurige Gewissheit, dass zehn Prozent unseres gesamten Plastikmülls im Meer landet.

Größte private Stiftung Melinda Gates stand lange Zeit im Schatten ihres Mannes, Microsoft-Gründer Bill Gates. Bis die Computerwissenschafterin und ehemalige Microsoft-Managerin mit ihm die Bill & Melinda Gates Foundation gründete – mit einem Vermögen von 40 Milliarden Dollar und jährlichen Zuwendungen von über 3 Milliarden Dollar die größte private Entwicklungshilfeorganisation der Welt. Das Credo der 50 jährigen lautet: „Jeder Mensch sollte die Chance haben, ein gesundes und produktives Leben zu führen.“ Die Mutter dreier Kinder reist regelmäßig in Entwicklungländer, um über Prioritäten ihrer Projekte zu entscheiden. „Die Fragen, die wir uns stellen, lauten: Wo sterben die meisten Kinder? Woran die Erwachsenen?“ Die Stiftung bildet Geburtshelfer in Entwicklungländern aus und hat mit ihren Impfprojekten dazu beigetragen, die Sterblichkeit von Kindern unter fünf Jahren zu senken. Aktuelles Projekt: gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde eine Initiative für die Gesundheit von Neugeborenen ins Leben gerufen.

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Grüne Welle in New York (Format, 14. November 2014)

New York ist auf dem besten Weg, zur nachhaltigsten Großstadt der USA zu werden. Der ehrgeizige Umweltplan könnte weltweit zum Vorbild werden. Fotos: Susanne Wolf

Preserve the plants, stay on the path“. Das Schild im High Line Park im Westen Manhattans steht für ein neues, grünes New York. Auf dem Spazierweg herrscht an diesem Samstag reges Treiben: zahlreiche Spaziergänger und Jogger nützen den schönen Tag, um dem Großstadttrubel zu entfliehen, Kinder balancieren auf den stillgelegten Gleisen. Die 2,5 km lange High Line ist eines der Vorzeigeprojekte der Bloomberg-Ära: jahrelang rottete die ehemalige Hochbahntrasse in Chelsea vor sich hin, bis eine Bürgerinitiative die Umwandlung in eine begrünte Promenade erwirkte. Heute kümmern sich ehrenamtliche Gärtner um die Grünflächen, Holzbänke laden zum Verweilen ein. Der Spaziergang 20 Meter über der Stadt ist bei New Yorkern wie Touristen gleichermaßen beliebt, hier lässt es sich gut vom Trubel der Großstadt verschnaufen.

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Mehr Grünflächen 2007 legte der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg mit PlaNYC einen ehrgeizigen Umweltplan vor: er sieht vor, die Treibhausgase in New York bis zum Jahr 2030 um 30 Prozent zu senken, eine Million Bäume zu pflanzen, den Energieverbrauch zu senken und Müllberge zu verringern. Jeder New Yorker soll nicht weiter als zehn Minuten Fußweg von einem Park entfernt leben. Bloombergs Plan, alle Taxis auf Hybrid-Autos umzustellen, scheiterte jedoch am Widerstand einzelner Taxi-Unternehmen.

Die ersten Erfolge von plaNYC sind bereits sicht- und spürbar: 800 000 Bäume wurden gepflanzt und der CO2-Ausstoß um 19 Prozent gesenkt. Im Zuge des Projekts Vision 2020 wurden Grünflächen am Wasser wie die Hudson River Park Promenade oder der Brooklyn Bridge Park angelegt. Dahinter steht Amanda Burden, Planungsleiterin unter Bürgermeister Bloomberg. Ihre Idee war es auch, den Eigentümern der Flächen unterhalb der High Line zu erlauben, ihre Landrechte an Besitzer von angrenzenden Liegenschaften zu verkaufen. Das ermöglichte einen regelrechten Bauboom, der das lange brachliegende Viertel im Westen Manhattans florieren ließ.

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Auch der Manhattan Waterfront Greenway, ein 50 km langer begrünter Rad- und Gehweg, der beinahe die gesamte Insel umrundet, geht auf Burdens Konto. 600 km Fahrradwege wurden angelegt, mit dem CitiBike gibt es seit letztem Jahr das größte Leihradsystem der USA. Für Menschen, die in Downtown Manhattan unterwegs sind und eine kurze Strecke zurücklegen möchten, ist das CitiBike perfekt, für lange Strecken bieten sich Radverleihe wie Bike&Roll an, der mehrere Verleihstationen in Manhattan hat. Während Radfahren in den dichtbefahrenen Straßen sich nach wie vor als Abenteuer gestaltet, ist es im Central Park alles andere als das: Radfahren ist hier nur auf der Hauptstraße, die einmal rund um den Park führt, erlaubt und das ausschließlich gegen den Uhrzeigersinn. („Cyclists must always travel counter-clockwise around the Park“). Diese Regulierungswut zeigt sich auch auf anderen Gebieten – „Tidy up behind your dog“, „No smoking within the park“ – wird aber ebenso gerne ad absurdum geführt, etwa wenn Skater sich den Broadway erobern, begleitet vom wütenden Hupen der Autofahrer.

Zum Original, Seite 2, Seite 3

“Von der Kunst, Bäume zu pflanzen. Wie Nachhaltigkeit in der Praxis gelingt.”

Nachhaltigkeit ist eine Lebenshaltung, ein gesellschaftspolitisches Prinzip, das dazu angetan wäre, diese Welt auf allen Ebenen um so vieles besser zu machen“, schreibt Hermine Hackl in ihrem Vorwort zu “Von der Kunst, Bäume zu pflanzen”. „Das Prinzip der Nachhaltigkeit ist definitiv zu schade dafür, als einlullendes Modewort an den Pranger der Eitelkeiten gestellt zu werden.“

Nachhaltigkeit – was bedeutet das eigentlich? Kaum ein Begriff wird mehr verwendet, doch können die wenigsten Menschen sagen, was damit gemeint ist. Hier setzt Hermine Hackl, Direktorin des UNESCO Biosphärenparks Wienerwald, an. Sie portraitiert Menschen, die ihr Leben der Nachhaltigkeit verschrieben haben, Eigenverantwortung übernehmen und selbst anpacken: Biogärtner, Sozialarbeiter, Unternehmer, Wissenschafter oder Forstarbeiter. Sepp Eisenriegler, Geschäftsführer des Wiener Reparaturzentrums R.U.S.Z. und Sozialökonom kommt im Buch ebenso zu Wort wie Johannes Gutmann, Begründer und Eigentümer von „Sonnentor“. „Naturschutzprofessor“ Georg Grabherr, Manuela Lanzinger, Mitarbeiterin bei „die umweltberatung“ oder Martin Haiderer, Obmann und Gründer der „Wiener Tafel“ gehören ebenfalls zu den Portraitierten. „Sei selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen möchtest“, zitiert Haiderer den großen Mahatma Gandhi. Und bringt damit die Philosophie hinter dem Begriff Nachhaltigkeit auf den Punkt.

“Von der Kunst, Bäume zu pflanzen” ist im Tyrolia Verlag erschienen.

Sinnvoll oder nicht? (Konsument, November 2014)

Mit einer Patenschaft Menschen in Entwicklungsländer unterstützen? Über die Sinnhaftigkeit gehen die Meinungen auseinander. Fotos: Susanne Wolf

Emanuel sitzt auf einer Decke am Boden und blickt spitzbübisch in die Runde. „Seht her, was ich kann!“, scheint sein Blick zu sagen. Dass der Fünfjährige, der zart und zerbrechlich wirkt, überhaupt sitzen kann, grenzt an ein Wunder: Er war bei seiner Geburt gelähmt, die – unverheiratete – Mutter hatte ihn gleich nach der Niederkunft im Busch zurückgelassen. Seitdem plagen den Jungen aufgrund der Unterversorgung bei der Geburt Spasmen, die seine Hände verkrampfen.

EmanuelDoch Emanuel hatte Glück im Unglück: er wurde nach 24 Stunden von Frauen aus dem nahen Dorf entdeckt und zu Noelie Oubda gebracht, die selbst keine Kinder bekommen kann und sich des Babys annahm. Heute wird die Familie von einer mobilen Sozialarbeiterin mit physiotherapeutischer Ausbildung aus dem nahen Rehabilitationszentrum betreut: Hélène kommt zweimal die Woche, um die Fortschritte des Kleinen zu überprüfen und physiotherapeutische Übungen mit der Pflegemutter durchzugehen. Möglich macht das die Arbeit von Licht für die Welt: der gemeinnützige Verein setzt sich seit 25 Jahren für die Chancen und Rechte behinderter Menschen in Entwicklungsländern ein, auch in Form von Kinderpatenschaften. „Die Patenschaften kommen allen von Licht für die Welt betreuten Kindern des Schwerpunktlandes zugute, nicht nur ausgewählten Kindern“, erklärt Pressesprecherin Gabriela Sonnleitner. „Damit wollen wir die Bevorzugung von einzelnen Kindern vermeiden.“ Licht für die Welt unterstützt derzeit 152 Hilfsprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa, in den Programmländern arbeitet der Verein eng mit lokalen Partnern, Fachorganisationen, Experten und offiziellen Stellen zusammen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Ausbildung lokaler Fachkräfte – nur so kann eine dauerhafte medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden. Mit einer Kinderpatenschaft können behinderte Kinder unterstützt werden: 25 Euro pro Monat ermöglichen gezielte Förderung durch Rehabilitation und medizinische Versorgung. Aufklärung im Dorf bewirkt zudem, dass Kinder mit Behinderungen nicht länger ausgeschlossen, sondern integriert werden. Frauen

Nachhaltige Hilfe für ganze Dörfer Von einer Kinderpatenschaft profitiert nicht nur das Kind, sondern die gesamte Familie und ganze Regionen“, meint dagegen Anton Kühnelt-Leddihn von World Vision. Die Hilforganisation leistet weltweit Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Nothilfe und Anwaltschaftsarbeit. „Ein Kind steht als Botschafter für viele andere“, so Kühnelt-Leddihn. Eine über mehrere Jahre laufende Patenschaft helfe, langfristig zu planen: Vor jedem neuen Projekt wird gemeinsam mit den Dorfbewohnern erörtert, welche Probleme es gibt und was sie selbst beitragen können. „Vielen Paten ist der direkte Kontakt zu „ihren“ Kindern wichtig, ob das nun Briefkontakt ist oder auch ein persönlicher Besuch“, ergänzt Kühnelt-Leddihn. Das oberste Prinzip von World Vision laute: Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir verstehen uns als Partner der Menschen und sehen sie nicht als reine Almosenempfänger.“ Mehr lesen.

 

Leidenschaft pur

Nun bin ich also hier in meinem geliebten New York und stelle einmal mehr fest: meine Prioritäten haben sich geändert! Wo ich früher stundenlang durch die bevölkerten Straßen in Mid- und Downtown flanierte, den Kopf in den Nacken gelegt, um all die in den Himmel ragenden Herrlichkeiten zu bewundern, bevorzuge ich heute ruhigere Gefilde. IMG_8581

Am meisten Spaß macht es mir, durch friedliche Straßen in Harlem zu spazieren oder den Blick von der Brooklyn Heights Promenade auf Manhattan zu genießen. Hier schließt auch der neu gestaltete Brooklyn Bridge Park an, mit kostenlosen Sportmöglichkeiten von Basketball bis Beachvolleyball.

Ich lausche sensationellen Straßenmusikern im Central Park oder in den U-Bahn-Stationen und beobachte die Menschen um mich herum. IMG_8491Die kulturelle Vielfalt in dieser Stadt, ist es, was ich am meisten liebe; es ist völlig egal, welche Hautfarbe du hast oder welche Sprache du sprichst. Die Lebendigkeit und Offenheit der Menschen und die Art, wie sie alltägliche Kleinigkeiten in eine Geschichte verpacken, tun ihr übriges. „I am your busdriver today and I greatly appreciate tips“ war der erste Eindruck bei meiner Ankunft in New York. „A smile is a good medicine for the heart – and you just did that for me“ sagt ein Fahrgast zu einem Musiker in der U-Bahn und drückt ihm ein paar Scheine in die Hand. Der Musiker geht lachend durch den Waggon und wünscht “a good day and a save trip“. Fast alle geben ihm Geld, niemand beschwert sich über die Ruhestörung. Überhaupt ist die Subway einer meiner Lieblingsorte – nirgendwo sonst trifft man Menschen aus so vielen kulturellen und sozialen Schichten auf einem Fleck.

Natürlich ist auch oder gerade eine riesige Stadt wie New York alles andere als perfekt. Während der Umweltplan plaNYC ehrgeizige Ziele in Sachen Nachhaltigkeit vorsieht (so sollen bis 2030 die CO2-Emissionen um 30% verringert werden), ist die Zahl der Obdachlosen in Manhattan in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Eine Schwarze erzählt in der U-Bahn weinend, dass sie ihre Wohnung verloren hat und dringend Geld braucht. IMG_8559Das U-Bahn-System ist veraltet, Rolltreppen und Lifte fehlen. Und die Wohnung meiner Gastgeberin ist so dunkel, dass sie den ganzen Tag über künstliches Licht benötigt (die Miete ist mit 1400 Dollar bei ca. 50 m² für Manhattaner Verhältnisse vergleichsweise günstig).

Doch als Besucherin lasse ich mich nur zu gerne in den Sog der Stadt hineinziehen, ein Highlight ist eine Gospelmesse in Harlem: Auch wenn die Touristen von den Securities auf die hintersten Plätze verwiesen werden (auch so eine New Yorker Spezialität: Uniformierte, die Ordnung in das Chaos der Stadt bringen), erfüllt die Energie und Hingabe der Gospelsänger den Raum. Dieses Erlebnis steht für mich stellvertretend für New York: eine Stadt, die vor Leidenschaft vibriert.

New York – Stadt der Widersprüche

 „I like your scarf“ sagt ein Mann zu mir, der im Café am Nebentisch sitzt – und unterhält sich gleich darauf mit seinen Freunden weiter. Das ist typisch für diese Stadt – die Menschen sind aufgeschlossen und freundlich und sparen nicht mit Komplimenten. Auch meine Gastgeberin Carola passt gut hierher: sie ist gebürtige Hannoverin, die irgendwann beschlossen hat, in New York zu bleiben. Obwohl sie eigentlich nur jemanden bräuchte, der sich um ihren Kater kümmert, während sie übers Wochenende weg ist, bietet sie mir an, auch die zwei darauffolgenden Nächte bei ihr zu wohnen. Sie lebt in Harlem, das lange Zeit als gefährliches Pflaster galt. Doch heute ist es hier, wie fast überall in New York, sicher und ich fühle mich sofort wohl in der „Neighbourhood“.

Dass die New Yorker auch viel Wert auf ihre Regeln legen, wird mir erst jetzt, nach mehreren Besuchen der Stadt bewusst. Besonders auf meiner Fahrradtour entlang des Hudson Rivers: IMG_8464„Go slow, respect others“, „Tidy up behind your dog“ „No smoking within the park“ – alle paar Meter ein anderes Schild.

Im Central Park lasse ich mich mit meinem Fahrrad langsam einen Fußweg hinunterrollen – und werde sofort von einem älteren Mann darauf hingewiesen, dass das nicht erlaubt sei, alles andere als freundlich! Radfahren kann man hier eigentlich nur auf der Hauptstraße, die einmal rund um den Park führt, und das – aufgepasst – nur gegen den Uhrzeigersinn! („Cyclists must always travel counter-clockwise around the Park“) Das passt so gar nicht zu dem Bild, das ich bisher von dieser Stadt hatte: Fußgänger, die bei Rot über die Kreuzung gehen und Autofahrer, die sich hupend einen Weg kreuz und quer durch das Verkehrschaos bahnen. IMG_8480

Wie um zu beweisen , dass es auch anders geht, begegnen mir gleich darauf ein paar Skater, die sich trotzig den Broadway erobern – und ungerührt das wütende Hupen der Autos über sich ergehen lassen.

Da ich diesmal mit Argusaugen durch die Stadt gehe, fallen mir noch ein paar andere Dinge auf: die vielen Citibike-Stationen in Downtown Manhattan und Radwege auf den großen Avenues. Ein Teil des Times Squares wurde zur Fußgängerzone umfunktioniert, und auch auf Mülltrennung wird jetzt Wert gelegt. Auf der anderen Seite gibt es immer noch viel zu viel Plastik – in Form von Verpackungen, Einkaufssackerl und Take away-Food und -Drinks. Überall sind Menschen mit Kunststoffbechern in der Hand zu sehen.

Tatsache ist jedoch, dass die Zahl der Grünflächen in der Stadt wächst. Der ambitionierte Umweltplan plaNYC des ehemaligen Bürgermeisters Michael Bloomberg sieht unter anderem vor, dass jeder New Yorker in zehn Minuten Fußweg einen Park erreichen soll, 865.000 Bäume wurden in den letzten Jahren gepflanzt. IMG_8454

Die High Line ist eines dieser ehrgeizigen Projekte: eine stillgelegte Hochbahntrasse, die zu einem Park umfunktioniert wurde und sich über eine Strecke von 2,5 km durch die Stadt schlängelt. Hier lässt es sich gut Verschnaufen vom Trubel der Stadt.