Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument, oder auch bei mir persönlich erhältlich (siehe Kontaktdaten).

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Schokolade für Fortgeschrittene (Trend/Format, März 2015)

In einem kleinen steirischen Ort führt Josef Zotter sein mittlwerweile weltweit bekanntes Unternehmen. Und setzt dabei auf nachhaltiges Wirtschaften.

Das kleine Dorf Bergl in der Oststeiermark, nahe Riegersburg: es ist ein ruhiger Vormittag, Besucher der Zotter-Schokolademanufaktur treffen derzeit nur nach und nach ein. „In der Hochsaison haben wir bis zu 2000 Gäste täglich“, erzählt die Mitarbeiterin am Empfang. Das Unternehmen ist zum Magnet für Besucher aus aller Welt geworden, seit die hauseigenen Schokokreationen bis nach China exportiert werden. Ob Apfel-Karotten-Schokolade mit Ingwer, Honig-Zimt-Trinkschokolade oder Schoko-Reisflakes in Kokos und Orange: mit seinen außergewöhnlichen Kreationen in Bio- und Fairtrade-Qualität hat Josef Zotter sich weltweit einen Namen gemacht. Am Standort in Bergl ist das ökologische Denken allerorts sichtbar: Die Tankstelle für Elektroautos am Parkplatz, neun Sonnenkollektoren, die sich wie Sonnenblumen mit der Sonne drehen, sind weithin zu sehen. Geschäftsführer Josef Zotter steht in seinem weißen Arbeitsmantel in der Türe und vibriert förmlich vor Elan. In seinem Büro wachsen Kakaopflanzen, am Fenster steht ein Fernrohr, mit dem der Unternehmer sein Reich überblicken kann – 74 Hektar Landwirtschaft.

Insourcing statt Outsourcing Wenn der 54 jährige spricht, ist es ihm anzumerken, dass die neue, nachhaltige Art des Wirtschaftens, für die das Unternehmen Zotter steht, sein persönliches Anliegen ist. Bereits in seiner Jugend war der Steirer in der Umweltszene, beteiligte sich an der Besetzung der Hainburger Au und demonstrierte gegen Atomkraft. „Frag nie den Markt, was er sich wünscht, sondern mach’, was du für richtig hältst“, ist eines seiner Lieblingszitate, das es bis an die Harvard Universität schaffte. Dort steht Zotter als einziges österreichisches Unternehmen als Fallbeispiel auf dem Lehrplan. Die drei Säulen, auf denen das Unternehmen steht, sind Bio, Fair und Bean-to-Bar, die Herstellung der Schokolade von der Bohne bis zum Schokoriegel. „Es geht mir um Insourcing statt Outsourcing, um die Schaffung von Arbeitsplätzen“, erklärt der Firmenchef. Die Schokoproduktion findet in der hauseigenen Manufaktur statt, Besucher können durch große Glaswände zusehen und dabei die verschiedenen Sorten kosten, von der Rohmasse bis zur fertigen Schokolade.

Dem Essen in die Augen schauen Auf dem Weg zum Essbaren Tiergarten schreitet Josef Zotter mit großen Schritten voran und erzählt, dass er mit diesem Konzept den Besuchern ihr Essen wieder näher bringen möchte. „Lebensmittel haben keinen Wert mehr, die Gesellschaft hat den Bezug zum Essen verloren.“ In seinem Bio-Tiergarten leben alte Nutztierrassen wie Hochlandrinder oder Wollschweine; ein Teil davon wird im hauseigenen Restaurant serviert, weitere Tiere wie Lamas oder Hausratten finden sich im Streichelzoo. Mehr lesen.

Nichts tun

Ich sitze auf einer saftig grünen Wiese, umgeben von blühenden Bäumen, und genieße die Stille, die nur von zwitschernden Vögeln unterbrochen wird. Der Augenblick ist so schön, dass ich versucht bin, mein Handy zu zücken und die Welt an meinem Glück teilhaben zu lassen. Doch ein Gedanke hält mich davon ab: Habe ich es tatsächlich verlernt, das Hier und Jetzt zu genießen, nur für mich alleine, wie es mir immer so wichtig war? Schaffe ich es überhaupt noch, einige Minuten lang einfach NICHTS zu tun, ohne mich dabei abzulenken?

Denn es ist ja so: likes auf facebook zu sammeln, hat einen gewissen Suchtfaktor. Einen Beitrag zu posten und dann zu sehen, wie vielen Menschen das gefällt, erzeugt regelmäßig ein Kribbeln in mir. Andererseits spüre ich jedoch, dass es mir immer wichtiger wird, Zeit für mich zu haben und Stille um mich herum zu spüren. Oder dass es mehr Spaß macht, in der U-Bahn Menschen zu beobachten und dabei meine Gedanken schweifen zu lassen, als mein Smartphone zu konsultieren.

Das Gefühl, immer erreichbar sein zu müssen, auch im Beruf, ist einer der seltsamsten Auswüchse unserer Zeit. „Stress entsteht im Kopf“, sagt die deutsche Psychologin Diana Drexler. Stress machen wir uns immer selbst, und die ständige Erreichbarkeit ist einer der größten Stressfaktoren geworden. Doch es liegt an uns, das zu ändern: wir können selbst entscheiden, ob wir jedes Mail sofort beantworten oder ob wir mit unserem Smartphone ständig online sein müssen. Laut Arbeitszeitgesetz kann zu ständiger Bereitschaft, etwa im Urlaub oder in der Freizeit, niemand gezwungen werden.

Ich jedenfalls übe mich darin, mein eigenes Tempo zu finden und Ruhe zu bewahren – was gerade als Selbständige und Mutter zweier Kinder nicht immer einfach ist. Zum Beispiel dann, wenn ich das Bedürfnis verspüre, hundert Dinge gleichzeitig zu erledigen. Oder wenn mein Perfektionsanspruch überhand nimmt – dann neige ich dazu, nicht nur mich selbst unter Druck zu setzen, sondern auch die Menschen um mich herum, die vielleicht gerade ein ganz anderes Tempo als ich an den Tag legen. Wenn dann noch meine pubertierende Tochter ihre Launen an mir auslässt, während ich versuche, mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, macht das die Sache nicht gerade einfacher. Gerade dann brauche ich Pausen, in denen ich – in jeder Hinsicht – abschalten kann.

Ich sitze also in der grünen Wiese und beobachte eine Familie, die an mir vorbei wandert und ihren Hund, der mit wehenden Ohren durchs hohe Gras springt. Und lasse das Handy in der Tasche. Die Geschichte des Mannes fällt mir ein, der auf einer Reise gefragt wurde, warum er keine Fotos mache. Seine Antwort lautete: „Ich sehe es mir lieber gleich hier an.“

Wirtschaft ohne Wachstum, wie soll das gehen? (Bestseller, 2/2015)

Niko Paech ist außerplanmäßiger Professor am Lehrstuhl für Produktion und Umwelt an der Universität Oldenburg und einer der bekanntesten Vertreter der Postwachstumsökonomie. In seinem Buch „Befreiung vom Überfluss“ erklärt der Ökonom, wie man mit reduziertem Konsum und weniger Geld glücklich wird. Paech wurde 2006 mit dem Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ausgezeichnet, 2014 verlieh ihm das Wissensmagazin der „Zeit“ den Preis „Mut zur Nachhaltigkeit“. Der überzeugte Nicht-Flieger und Vegetarier lebt ohne Handy und Smartphone.

Herr Paech, in unserer Gesellschaft herrscht die Meinung vor, dass es ohne Wirtschaftswachstum nicht ginge. Wie sehen Sie das und was sind Ihre Gegenargumente?

In der momentanen Situation sind sowohl angebots- als auch nachfrageseitige Wachstumszwänge ein wesentliches Merkmal der globalisierten industriellen Fremdversorgung. Zudem leben wir in einer Konsumkultur, deren Symbole wir mit Identität, Freiheit und Selbstverwirklichung gleichsetzen. Aber beiden Wachstumszwängen können wir schrittweise den Rücken zukehren. Wir können Lebens- und Versorgungsstile einüben, auf deren Basis wir erstens mit weniger und zweitens anders produzierten Leistungen überleben können.

Wie funktioniert Postwachstumsökonomie in der Praxis, wie kann ein Unternehmen ohne Wachstum überleben?

Gerade in mittelständischen Branchen, die handwerklich oder dienstleistungsintensiv wirtschaften und weniger von großen Investitionen abhängen, sind weniger wachstumsorientierte Strategien möglich. Denn Kapital, das ich nicht benötige, brauche ich auch nicht zu verzinsen oder mittels hoher Renditen, die ich den Kapitalgebern zuvor versprochen habe, zu verwerten.

Kann die Sharing Economy einen Beitrag zur Wachstumsreduktion leisten?

Solange sie als Instrument des grünen Wachstums rein kommerziell betrieben wird, eher nicht. Denn Sharing-Modelle führen nur unter selten anzutreffenden Bedingungen zu einer Reduktion des Konsums. Sogar das Gegenteil kann eintreten: Car-Sharing etwa könnte dazu führen, dass Menschen Auto fahren, die es nicht täten, wenn sie sich einen eigenen PKW kaufen müssten. Möglich wäre allerdings ein Strukturwandel, der dazu führt, dass etablierte Unternehmen neue Geschäftsfelder aufbauen, um materielle Produktion graduell durch Sharing-Services zu ersetzen. So könnten etwa Automobilkonzerne zusätzlich zum eigentumsbasierten PKW-Verkauf auch Sharing-Services anbieten. Den höchsten Nachhaltigkeitseffekt haben gemeinschaftliche Nutzungen im nicht kommerziellen, also Subsistenzbereich. Wo kein Geld fließt, sondern Selbstversorgungsleistungen getauscht werden, werden monetäre Einkommens- und somit Wachstumseffekte weitgehend ausgeschaltet. Mehr lesen.

Wo bleibt die Menschlichkeit?

Leser, die meine Arbeit kennen, wissen, dass ich mich gerne auf lösungsorientierten Journalismus und Positivbeispiele konzentriere. Doch angesichts der Flüchtlingstragödien, die sich vergangene Woche im Mittelmeer abspielten, hat mich mein beinahe unerschütterlicher Optimismus verlassen. Was bleibt, sind Fragen: Wie konnte es so weit kommen? Und wo bleibt bei all dem politischen Getöse, das nun folgt, die Menschlichkeit?

Seit Beginn des Jahres sind im Mittelmeer 1750 Menschen ertrunken, die auf der Flucht vor Armut, Krieg und Verfolgung waren, alleine in der vergangenen Woche rund 1300. Insgesamt kamen in den letzten 25 Jahren 20 000 Menschen auf diese Weise ums Leben. Das sind nur offizielle Zahlen, die Dunkelziffer liegt weit höher. Diese Menschen haben keine andere Wahl als ein Boot zu besteigen, denn eine legale Einreisemöglichkeit nach Europa, und damit in eine bessere Zukunft, gibt es nicht. Schlepper nützen diesen Umstand aus, um mit Flüchtlingen viel Geld zu machen. Geplante Maßnahmen von EU-Politikern, wie dem Schlepperwesen dem Kampf anzusagen oder Schlepperboote gezielt zu zerstören, sind daher mehr als zynisch – denn die EU-Politik der Abschottung machte die sich häufenden Katastrophen der vergangenen Jahre überhaupt erst möglich. “Wer Schleppern das Handwerk legen möchte, muss Menschen auf der Flucht die Möglichkeit geben, legal Europa zu erreichen und legal einen Antrag zu stellen”, sagt Caritas-Präsident Michael Landau.

Mit ein Grund für die vielen Toten der letzten Tage ist die Einstellung des von Italien alleine finanzierte Rettungsprogramm „Mare Nostrum“. Stattdessen soll das EU-finanzierte Frontex-Programm „Triton“ nur die Grenze abschotten, aber keine Menschenleben retten. Zur Zeit läuft im EU-Parlament eine Protestaktion zahlreicher Abeordneter, um ein neues Rettungsprogramm durchzusetzen. Ziel muss auch eine faire Verteilung der Flüchtlinge auf europäische Staaten sein. Das Dublin-System sorgt dafür, dass Flüchtlinge in Europa wie Ware hin- und hergeschoben werden, immer wieder in Haft oder obdachlos auf der Straße landen. „Es ist Zeit für ein Eingeständnis der komplett gescheiterten EU-Flüchtlingspolitik“, sagt Elias Bierdel, Vorstand der Organisation borderline-europe – Menschenrechte ohne Grenzen.

Die unbequeme Wahrheit lautet: die westliche Welt ist als Hauptverursacher von Globalisierung, Umweltverschmutzung und Klimawandel mitverantwortlich am Leid vieler Menschen in Entwicklungsländern. Unser Lebensstil entzieht diesen Menschen die Lebensgrundlage, die Folgen sind Zerstörung von Märkten durch aus Europa importierte Produkte, Überfischung der Meere und Konflikte, vor denen immer mehr Menschen flüchten, um nach Europa zu gelangen. Die Autorin Livia Klingl rechnet in ihrem Buch „Wir können doch nicht alle nehmen!“ vor: 56,7 Millionen Menschen sind derzeit laut UNO weltweit auf der Flucht. 87 Prozent davon bleiben in ihrer näheren Umgebung oder Nachbarsländern (der Libanon, ein Land mit vier Millionen Einwohnern, hat bisher über eine Million syrische Flüchtlinge aufgenommen). Von den restlichen 13 Prozent kamen 2014 rund 600.000 als Asylwerber in die EU – bei 507 Millionen Einwohnern sind das etwas mehr als 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Von diesen wiederum erhalten rund 30 Prozent tatsächlich Asyl. Woher kommt also die Angst vieler Europäer, „überrannt“ zu werden? Die Angst vor Menschen, die alles aufgegeben haben mit der Hoffnung auf ein besseres Leben?

Anlass zur Hoffnung geben private Initiativen wie die von Harald Höppner: der deutsche Unternehmer kaufte einen Fischkutter und funktionierte ihn zum Rettungsboot um, sein Rettungsprojekt nennt sich Sea Watch. Eine ganz ähnliche Initiative ging vom italienisch-amerikanischen Ehepaar Chris und Regina Catrambone aus; gemeinsam gründeten sie die Organisation Migrant Offshore Aid Station (MOAS). Caritas, Rotes Kreuz, Amnesty International und Diakonie haben eine Petition für eine menschliche Politik im Umgang mit schutzsuchenden Menschen gestartet: http://www.gegen-unrecht.at/

New York mit wenig Geld (Onrail 2/2015)

New York City ist ein teures Pflaster. Doch mit einigen Tricks und Tipps kommen auch Besucher mit kleinem Budget auf ihre Kosten.

Meooow! Die Stimme klingt verzweifelt. Nur langsam tauche ich aus den Tiefen meiner Träume auf und sehe verschlafen auf die Uhr: 6.30 Uhr. An die Decke starrend, versuche ich heraufzufinden, wo ich mich befinde. Meow! Neben meinem Bett sitzt ein Kater, miaut auf Englisch und starrt mich vorwurfsvoll an. Langsam fallen mir die Details der letzten Nacht ein: dass ich um 8 Uhr abends mit einem Buch in der Hand eingeschlafen bin und dafür mitten in der Nacht hellwach war – der Jetlag lässt grüßen. Und nun weiß ich auch wieder, wo ich bin: in einem Apartment in New York City, deren Bewohnerin sich auf Heimatbesuch in Deutschland befindet und mir ihren Kater anvertraut hat. Gefunden habe ich die Unterkunft über eine Housesitting-Plattform im Internet, die kostenlose Wohngelegenheiten an Besucher vermittelt, die im Gegenzug die Wohnung – und eventuelle Haustiere – betreuen. 

Das Apartment meiner Gastgeberin liegt in Harlem im Norden Manhattans und passt zu New Yorker Wohnverhältnissen: klein, dunkel und teuer. Doch für ein paar Tage genau das Richtige, um die Stadt zu erkunden – die Subway befindet sich gleich um die Ecke und mit dem Expresstrain ist man in zehn Minuten in Midtown Manhattan. Harlem selbst hat längst die Aura des verrufenen Viertels, das man früher besser mied, verloren. Zwar ist der Anteil der schwarzen Bevölkerung auf weniger als 50 Prozent gesunken, doch bleibt das ganz eigene, von afroamerikanischer Kultur geprägte, Flair. Vor allem bei einer der legendären Gospel-Messen: die überwiegende Mehrheit der Besucher ist schwarz, nur die Touristen, die über eine Treppe zu den hintersten Plätzen geführt werden, sind mehrheitlich Weiße. Auch wenn der Messe etwas von einem Großevent anhaftet – zwei große Leinwände übertragen das Geschehen auf der Bühne – reißen die phantastischen Gospel-Sänger auf dem Podium alle von den Stühlen. Mehr lesen.

TTIP – umstrittenes Handelsabkommen (Konsument, 31.3. 2015)

Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA lässt die Wogen hochgehen. Konsumenten werden laut Experten zu wenig berücksichtigt.

TTIP steht für „Transatlantic Trade and Investment Partnership“ (Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft) und ist ein Handelsabkommen, das die Europäische Kommission im Auftrag der Mitgliedsländer seit 2013 mit den USA verhandelt. Laut den politisch Verantwortlichen sollen damit Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen werden, und zwar vor allem durch die Angleichung der jeweiligen Gesetze und Regeln beider Wirtschaftsregionen sowie die Stärkung von Investorenrechten.

Mangelnde Transparenz Die treibenden Kräfte hinter dem Start der Verhandlungen waren US-Präsident Obama und die deutsche Bundeskanzlerin Merkel, die Verhandlungen werden zwischen der EU-Kommission und dem US-Handelsvertreter auf Beamtenebene geführt. Bereits in der Vorbereitung gab es aber auch hunderte Treffen mit Vertretern der großen internationalen Konzerne. Das von den EU-Mitgliedsstaaten beschlossene Verhandlungsmandat steht wie der gesamte Verhandlungsprozess unter Geheimhaltungspflicht – dadurch bekommen Ausschussmitglieder im Europäischen Parlament nicht genügend Informationen über den Inhalt. Die Transparenz wurde zwar unter der neuen EU-Kommissarin Cecilia Malmström verbessert. Noch immer seien jedoch wesentliche Verhandlungsdokumente unter Verschluss, wie viele Kritiker bemängeln. Vertreter von großen Konzernen haben jedoch privilegierten Zugang zu den Verhandlungen. Damit können sie ihr Geld und ihren Einfluss rechtzeitig vor Ende der Verhandlungen einsetzen. „Es ist völlig inakzeptabel, dass Industrielobbyisten ein privilegierter Zugang gewährt wird und die Zivilgesellschaft wie auch Parlamentarier unzureichend informiert werden“, kritisiert Greenpeace-Experte Florian Schweizer. Regierungsvertreter wissen zwar mehr als die Öffentlichkeit, haben sich jedoch über den EU-Rat selbst dazu verpflichtet, keine Informationen weiter zu geben. Sobald das Abkommen ausverhandelt ist, darf das Europäische Parlament dem vorliegenden Vertrag nur zustimmen oder ihn ablehnen. Ob nationale Parlamente in den Abstimmungsprozess eingebunden werden, ist noch unklar.

Auswirkungen auf Konsumenten Theoretisch können Konsumenten im Zuge von TTIP von niedrigeren Preisen und einer größeren Auswahl an Handelsgütern profitieren“, sagt Johannes Kleis von der Europäischen Konsumentenvereinigung BEUC. „Andererseits besteht die Gefahr, dass Standards abgesenkt werden.“ Das hätte zur Folge, dass Essen auf unseren Tellern landet, das nicht nach europäischen Sicherheitsstandards produziert wurde. Berühmtestes Beispiel dafür ist das „Chlorhuhn“: In den USA ist es erlaubt, Hühner nach der Schlachtung in einem Bad aus einer Mischung aus verschiedenen Substanzen, darunter Chlorlauge, zu desinfizieren um damit vor allem Salmonellen abzutöten. In der EU ist dieses Fleisch verboten. Die USA stehen auf dem Standpunkt, dass dieses Verbot keine wissenschaftliche Grundlage hat, da keine Gesundheitsgefährdung von Menschen beim Verzehr nachgewiesen werden kann. Mehr lesen.

Die Energien der Zukunft

Fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle haben nicht umsonst einen schlechten Ruf: sie sind für einen Großteil der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich und tragen maßgeblich zum Klimawandel bei. Doch es gibt Alternativen.

Ob Öl, Kohle oder Gas, alle fossilen Brennstoffe enthalten Kohlenstoff, der sich beim Verbrennen mit Sauerstoff verbindet und sich als Kohlendioxid (CO2) in der Atmosphäre anreichert. Kohle ist die schmutzigste Energiequelle von allen: Im Jahr 2011 gelangten weltweit insgesamt 34 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre, davon gingen rund 45 Prozent auf das Konto der Kohle. Während die weltweiten Kohlevorräte Schätzungen zufolge noch etwa 200 Jahre reichen, rüstet sich die Ölindustrie zum Run auf die letzten Reserven: Die Ölfelder werden in etwa 60 Jahren ausgebeutet sein.

Der Ölverbrauch steigt von Jahr zu Jahr: 2013 wurden laut BP Statistical Review weltweit täglich 91,3 Millionen Barrel Öl verbraucht, 61 Prozent dieser gigantischen Menge gingen auf das Konto des Transportwesens, davon wurden wiederum 80 Prozent im Straßenverkehr verbraucht. Erdöl steckt auch in Waschmitteln, Farbstoffen, Pharmazeutika und Kunststoffen – jedes Plastiksackerl aus dem Supermarkt enthält ungefähr einen Liter Öl. Doch die geförderte Menge nimmt ab: Die meisten Ölfelder verzeichnen einen Produktionsrückgang um rund sieben Prozent jährlich. Auf der Jagd nach dem schwarzen Gold dringt die Ölindustrie in immer entlegenere Regionen vor – selbst vor der Arktis, einem der sensibelsten Ökosysteme der Erde, macht sie nicht Halt. Gerade ist Shell dabei, eine riesige Ölplattform in die Arktis zu verfrachten – ein Greenpeace-Schiff hat die Verfolgung aufgenommen. Die OMV plant inzwischen Ölbohrungen vor der kroatischen Küste und bedroht damit die Lieblingsstrände vieler Österreicher. Hier kann man dagegen unterschreiben.

Was sind die Alternativen? Eine von Greenpeace beauftragte Analyse zeigt, dass 77% des europäischen Energiebedarfs bis zum Jahr 2030 mit Erneuerbaren Energien gedeckt werden können. Dazu gehören Sonnen- und Windenergie, Wasserkraft oder Biomasse. Portugal produzierte bereits im ersten Quartal 2013 70% des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen, Dänemark deckte Anfang 2013 mehr als 80% seines Energiebedarfs mit Windenergie. In dem von Greenpeace entwickelten Szenario der Energiewende werden durch weltweite Investitionen von 1% des globalen BIP 12 Millionen neue Arbeitsplätze im Bereich Erneuerbarer Energien geschaffen. Laut eines Gutachtens der Europäischen Kommission würden Investitionen in die Sektoren „Erneuerbare Energie“ und „Effizienz“ mehr als eine halbe Million neue Arbeitsplätze in der EU schaffen.