Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument.

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Anders reisen

Die Welttourismusorganisation zählte 2012 erstmals mehr als eine Milliarde Auslandsreisen, davon ein Großteil Flugreisen. Das hat Folgen: Schätzungen zufolge ist der Tourismus bereits für ca. 12 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch ein Umdenken findet statt: immer mehr Menschen wünschen sich einen ökologisch vertretbaren Urlaub mit Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung sowie faire Arbeitsbedingungen.

Da auch ich zu den Menschen gehöre, die leidenschaftlich gerne unterwegs sind, habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Und mir folgende Fragen gestellt:

Muss ich für ein Wochenende nach London oder Paris jetten? Will ich in ein fremdes Land fahren, um dort in einem Club oder Hotel, abgeschottet von Kultur und Menschen des Landes, meinen Urlaub zu verbringen? Ist es notwendig, im Winter für zwei Wochen ans andere Ende der Welt zu fliegen, oder wäre es eine Option, darüber nach zu denken, mein ganzes Leben, oder zumindest einige Monate im Jahr, in einem wärmeren Land zu verbringen? Oder: Kann ich mein Leben und meine Arbeit so organisieren, dass ich mehr Zeit zum Reisen habe? mostar5

Für mich gehört zum Reisen nicht nur Enspannung und eine Auszeit vom Alltag, sondern auch das Eintauchen in fremde Kulturen und Bekannschaften mit Einheimischen. Daher bin ich ein großer Fan von Couchsurfing, dieser weltweiten Bewegung, deren Mitglieder Gästen aus anderen Ländern eine Schlafstatt anbietet. Dazu gehört auch – wenn möglich – eine möglichst langsame Anreise per Bahn oder Bus. Das hat mehrere Vorteile: die Seele kommt gleich mit an, den Weg zum Ziel nehme ich bewusst wahr und ich spare – im Vergleich zum fliegen – eine Menge CO2 ein. Viele nennen als Haupteinwand gegen langsames Reisen den Mangel an Zeit. Aber mal ehrlich: was spricht dagegen, abends in einen Nachtzug einzusteigen und am nächsten Morgen in einer anderen Stadt anzukommen? (wir reden hier von Distanzen innerhalb Europas) Dass Fliegen billiger ist als mit der Bahn zu fahren, stimmt nur bedingt. Und was den Bequemlichkeitsfaktor angeht: wir sind es gewöhnt, immer den bequemsten Weg zu gehen, kennen von unserer Wohlstandsgesellschaft nichts Anderes. IMG_7337Die Umstände, die die wachsende Umweltverschmutzung und der Klimawandel mit sich bringen, zwingen uns jedoch dazu, unsere Gewohnheiten zu überdenken.

Das Gegenteil von nachhaltigem Reisen ist ein Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff: diese Schiffe fahren meist mit Schweröl, einem Abfallprodukt der Ölindustrie. Ein herkömmlich betriebenes Kreuzfahrtschiff bläst auf einer einzigen Fahrt so viel Schadstoffe in die Luft wie fünf Millionen Autos auf derselben Strecke, wie der Naturschutzbund Deutschland errechnete. Dazu kommt, dass tausende Kreuzfahrttouristen die von den Schiffen angelaufenen Städte regelrecht überschwemmen. Das wird für Einheimische und andere Touristen zunehmend zum Ärgernis, wie Gegenkampagnen in Venedig oder Dubrovnik beweisen.

Anders Reisen bedeutet für mich also: sich Zeit nehmen, umweltfreundlich reisen und Respekt für Land und Leute zeigen. Beispiele für nachhaltigen Tourismus und Gütesiegel findet ihr in meinem Buch „Nachhaltig Leben“.

Süßes aus Kinderhand (Konsument, September 2014)

Jahrzehntelang wurde in der Kakaoproduktion Raubbau an Mensch und Natur betrieben – jetzt droht ein Versorgungsengpass. Doch die steigenden Preise kommen nicht den Kakaobauern zugute.

Seit den 1980er Jahren sind die Kakaopreise real um die Hälfte gefallen, was dazu führte, dass Kakaobauern die Produktion einschränken mussten und veraltete Bestände von Bäumen nicht ersetzen konnten. Nun steigt die weltweite Nachfrage nach Schokolade. Um Engpässe zu verhindern, müsste der weltweite Ertrag um ca. 100.000 Tonnen pro Jahr angehoben werden, wie eine Erhebung des weltweit größten Kakaoverarbeiters Barry Callebaut aus der Schweiz ergab. Derzeit gibt es jedoch kaum Potential zur Steigerung, sondern die Lager werden leergeräumt, um die aktuelle Nachfrage zu bedienen. Durch die hohe Nachfrage kam es bereits letztes Jahr zu einer fast 20-prozentigen Preissteigerung – von der die Kakaobauern in keiner Weise profitieren. Sie erhalten aktuell 6% des Verkaufspreises einer Tafel Schokolade, 1980 waren es noch 16%. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Kakao- und Schokoladenunternehmen am Verkaufspreis von 56% auf 70% und der des Einzelhandels von 12% auf 17%.

Während Mondelez (vormals Kraft Foods), Produzent von Topmarken wie Milka, sich über fast 1 Milliarde Euro Gewinn freut, hat der seit Jahren tobende Preiskampf dazu geführt, dass Millionen von Kakaobauern und ihre Familien unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen. „Viele Jahrzehnte war es für Industriestaaten und multinationale Konzerne ganz einfach, Menschen aus dem Süden auszubeuten“, kritisiert Gerhard Riess von der PRO-GE und Mitglied des europäischen Gewerkschaftsnetzwerkes cocoanet.eu. „Heute sind die Kakaofelder von der intensiven Bewirtschaftung ausgepowert. Sinkende Erträge, Perspektivlosigkeit und Landflucht führen dazu, dass der steigende Bedarf der Industrie an Kakaobohnen bald nicht mehr gedeckt werden kann.“ Auf die zu erwartenden Lieferengpässe reagiert die Industrie nun, indem sie millionenschwere Förderprogramme zur Steigerung der Produktivität der Kakaoplantagen ins Leben ruft. „Kurzfristige Produktionssteigerungen durch einen verstärkten Einsatz von Düngemitteln und andere Chemikalien gefährden die Gesundheit der Produzenten und sind eine Mogelpackung, weil sie im Gegensatz zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ökologischen Kakaoanbau nicht nachhaltig sind – im Gegenteil“, kritisiert Bernhard Zeilinger, Leiter der Südwind-Kampagne „Make Chocolate Fair!“ Mehr lesen.

Schule für Alle (Wienerin mit Kind, September 2014)

In Entwicklungsländern werden Kinder mit Behinderung oft ausgegrenzt. Wie es auch anders geht, durften wir bei einem Besuch in Burkina Faso erleben. Fotos von Aleksandra Pawloff.

Emanuel sitzt auf einer Decke am Boden und blickt spitzbübisch in die Runde. „Seht her, was ich kann!“, scheint sein Blick zu sagen. Dass der Fünfjährige, der zart und zerbrechlich wirkt, überhaupt sitzen kann, grenzt an ein Wunder: Er war bei seiner Geburt gelähmt, die – unverheiratete – Mutter hatte ihn gleich nach der Niederkunft im Busch zurückgelassen. Seitdem plagen den Jungen aufgrund der Unterversorgung bei der Geburt Spasmen, die seine Hände verkrampfen. Doch Emanuel hatte Glück im Unglück: er wurde nach 24 Stunden von Frauen aus dem nahen Dorf entdeckt und zu Noelie Oubda gebracht, die selbst keine Kinder bekommen kann und sich des Babys annahm. Heute wird die Familie von einer mobilen Sozialarbeiterin mit physiotherapeutischer Ausbildung aus dem nahen Rehabilitationszentrum betreut: Hélène kommt zweimal die Woche, um die Fortschritte des Kleinen zu überprüfen und physiotherapeutische Übungen mit der Pflegemutter durchzugehen. Emanuel

Denn Emanuel hat ein Ziel: eines Tages zur Schule gehen zu können! Während Hélène und Noelie sich um den Kleinen kümmern, schauen die restlichen Familienmitglieder aus sicherer Entfernung zu. Sie alle leben in einem der typischen Gehöfte, die aus kleinen, strohbedeckten Lehmhütten bestehen und durch Mauern nach außen hin geschützt sind. Wir befinden uns in Burkina Faso, einem der ärmsten Länder der Welt, und es herrscht Trockenzeit. Das bedeutet sengende Hitze und vor allem Staub, der durch jede Ritze dringt, Augen tränen und Nasen austrocknen lässt. Lange Autofahrten über staubige Landstraßen führen durch die terracotta-farbene Savanne, vorbei an Affenbrotbäumen und abgelegenen Dörfern.

Schulkinder

Behinderung erklären Das Community Based Rehabilitation Center (CBR) in Garango ist eines von acht Gemeindenahen Rehabilitationsprogrammen in Burkina Faso, die von Licht für die Welt ermöglicht werden. Unter dem Schatten der Bäume forumuliert René Nare, Direktor des Zentrums, seine Anliegen: die Menschen in den umliegenden Dörfern über Behinderung aufzuklären und Betroffene zu unterstützen. „Wir schicken Gesundheitshelfer in die Dörfer, um die Menschen davon zu überzeugen, behinderte Kinder in die Schule zu schicken“, erklärt Nare. „Im Rehabilitationszentrum bieten wir zudem Beratung und Behandlungen an.“ In einem der Räume übt Barri Binto, ein behindertes Mädchen, an den Händen eines Betreuers zu gehen. Die Fünfjährige konnte bis vor kurzem nur liegen und macht täglich Fortschritte. In regelmäßigen Therapiestunden werden Kinder wie Barri auf ein selbständiges Leben und einen Schulbesuch vorbereitet. Auch Augenoperationen werden im Center durchgeführt; jeden Montag behandelt Schwester Thérèse bis zu 150 Patienten, die am Grauen Star erkrankt sind. Die gelernte Krankenschwester machte eine Zusatzausbildung in Augenheilkunde, um ihrer Berufung nachzugehen: Menschen zu helfen. 85 % aller blinden Menschen weltweit leben in Armutsgebieten, knapp die Hälfte wäre durch eine Operation am Grauen Star heilbar.

Schätzungen zufolge sind rund 14 Prozent aller Menschen in Burkina Faso von einer Behinderung betroffen – rund die Hälfte der Behinderungen wäre vermeidbar oder könnte behandelt werden. Vor allem bei Kindern ist Behinderung ein Stigma und wird oft mit einem Fluch oder einer Selbstverschuldung der Mutter erklärt. Dementsprechend schwach ist die Stellung dieser Menschen und ihre Integration in die Gesellschaft. Licht für die Welt setzt sich seit 25 Jahren für die Chancen und Rechte behinderter Menschen in Entwicklungsländern ein.

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Mehr Macht dem europäischen Volk (Format, 8. August 2014)

Die Politikverdrossenheit wächst, Initiativen wollen aus passiven Bürgern aktive Gestalter der Demokratie machen. Wie kann das funktionieren?

Selten war der Volkszorn der Österreicher so groß wie nach dem Bekanntwerden des Hypo-Skandals. Neben der Bürgerinitiative des „Wutbürgers“ Düringer forderten drei weitere Petitionen eine Aufklärung der Geschehnisse rund um die Hypo Alpe Adria – insgesamt wiesen diese rund 250.000 Unterschriften auf. Mithilfe von parlamentarischen Bürgerinitiativen können österreichische Staatsbürger konkrete Anliegen, die von mindestens 500 wahlberechtigten Staatsbürgern unterstützt wurden, einbringen. Auch EU-weit ist dies möglich: Im Dezember 2013 wurde „Right2Water“ als offiziell erste erfolgreiche EU-Bürgerinitiative bekannt gegeben. Es gab 1,88 Millionen Unterstützungserklärungen aus 16 Ländern für die Initiative, deren Forderung es ist, Wasser als Menschenrecht anzuerkennen.

Aktive Rolle Seit dem 1. April 2012 haben EU-Bürger die Möglichkeit, ein Thema auf die europäische politische Agenda zu setzen. Dazu müssen eine Million Unterschriften aus mindestens sieben unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten gesammelt werden. Die Europäische Kommission will erreichen, dass die Bürger eine aktivere Rolle in den politischen Prozessen übernehmen. Auch hierzulande kämpfen zahlreiche Initiativen für mehr Bürgerbeteiligung: So wurde die Aktion 21 als Vereinigung von Wiener Bürgerinitiativen mit dem Ziel gegründet, die Bevölkerung in kommunalen Planungen und Vorhaben mit einzubeziehen. Das Forum Informationsfreiheit setzt sich mit seiner Kampagne Transparenzgesetz.at für eine Veröffentlichungspflicht für Behörden und für das Recht auf Einsicht in die Akten der Verwaltung ein. “Die publik gewordenen Korruptionsskandale der letzten Jahre waren großteils nur deshalb möglich, weil die Handlungen der Verwaltung der Kontrolle der Öffentlichkeit entzogen waren”, meint Josef Barth, Gründer des FOI.

Wie der Dialog zwischen etablierten und neuen Stimmen in der politischen Arena verbessert werden kann, darum geht es auch beim diesjährigen Forum Alpbach.Als Stiftung geht es uns darum, Bürger aufzuwecken, zusammenzubringen und zur Aktion im demokratischen System zu befähigen“, erklärt Verena Ringler von der deutschen Stiftung Mercator und Mitglied im Beirat des politischen Symposiums des Forum Alpbach. „Bürger haben Rechte und Pflichten und im Idealfall eine gleichwertige Stimme wie ihre gewählten Volksvertreter.“

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Dem Hamsterrad davonlaufen (Freude, August 2014)

Eines Tages, Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“ Julia Engelmann sagt in einem YouTube-Video, das die Studentin und Schauspielerin beim Poetry Slam in Bielefeld zeigt, frei heraus, was sich andere oft nur denken. Das Video wurde beinahe 6 Millionen Mal aufgerufen. Die 21-Jährige traf damit einen Nerv unserer Zeit, sie bringt das Lebensgefühl vieler Menschen auf den Punkt. Denn wer kennt es nicht? Das Gefühl, ein fremdbestimmtes Leben zu führen und permanent unter Druck zu stehen. Verschnaufpausen und Rückzugsmöglichkeiten haben kaum Platz, wenn das Leben lediglich aus durchorganisiertem Alltag besteht. Der Stress ist zum Teil hausgemacht: Zu hohe Ansprüche an sich selbst, das Gefühl, funktionieren und es allen recht machen zu müssen, erzeugen Druck. Wenn dann noch das Bedürfnis dazukommt, gewisse Dinge besitzen zu müssen, um zufrieden zu sein – oder im Vergleich mit anderen bestehen zu können –, verstrickt man sich in einen Teufelskreis aus immer mehr Arbeit und immer weniger Genuss. Irgendwann fühlen Betroffene sich wie ein Rädchen im Getriebe, die wirklich wichtigen Wünsche und Träume werden hintangestellt.

Ich würde gern so vieles tun. Meine Liste ist so lang, aber ich werd eh nie alles schaffen. Also fang ich gar nicht an. Wer im Alltagstrott feststeckt, glaubt irgendwann nicht mehr daran, etwas in seinem Leben oder im eigenen Umfeld ändern zu können. Job, Familie und andere Pflichten lassen oft wenig Raum für eigene Wünsche. Aus Angst vor Jobverlust oder dem mangelnden Verständnis von Familie und Freunden halten Viele an einem Leben fest, das ihnen nicht entspricht. Doch es zahlt sich aus, verborgene Sehnsüchte ans Tageslicht zu holen und sich wenn möglich eine Auszeit zu nehmen: ein Urlaub ohne Handy und Notebook oder längere Pausen wie Bildungskarenz oder Sabbatical können erste Anstöße für einen Perspektivenwechsel sein. Aber auch kleine Veränderungen helfen dabei, aus dem immer gleichen Alltag auszubrechen: hin und wieder das Auto stehen lassen, um zur Arbeit zu radeln oder zu Fuß zu gehen – und dabei die Umgebung ganz neu entdecken. Am Abend den Fernseher oder Computer ausgeschaltet lassen, um lieber einer Beschäftigung nachzugehen, die die Seele streichelt: tanzen gehen, sich mit lieben Freunden treffen, Tagebuch schreiben – der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. „Jeder muss für sich selbst herausfinden, was gut tut, wie man Energie tanken kann“, erklärt die Psychologin und Psychotherapeutin Anneliese Fuchs, Herausgeberin des Buches „Der Ausbruch aus dem Hamsterrad“. „Das kann ein Spaziergang in der Natur sein, eine Meditation oder ein Saunabesuch.“ Fuchs stellt fest, dass viele Menschen aus Angst, den Job oder Freunde zu verlieren, ein Leben führen, das ihnen nicht entspricht. „In meinen Vorträgen rate ich, mit dem Jammern aufzuhören und statt dessen aufzustehen und etwas zu tun. Jede Art von Erfahrung, auch negative, bringt uns weiter – wir müssen wieder lernen, Fehler zu machen und auch mal Nein zu sagen!“ ist die Psychologin überzeugt.

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Markenzeichen: gutes Gewissen (Format, 27. Juni 2014)

Umweltschutz und gerechte Löhne sind die Ziele von Fairtrade. In der Lieferkette der Kleider- und Lebensmittelproduktion sollen bessere Bedingungen erreicht werden.

Das Dorf Kumkal im ostindischen Bundesstaat Odisha: die Baumwollfarmer der Region haben sich auf einem großen Teppich versammelt, um über ihre Erfahrungen zu erzählen. „Als wir unsere Baumwolle noch mit Pestiziden spritzten, sind meine Ziegen daran gestorben“, berichtet der Farmer Radha Kanthsahu aus der Kalahandi-Region. Heute ist die Baumwoll-Genossenschaft Chetna Organic Fairtrade-zertifziert. Das bedeutet: höhere Preise für die Bauern, Verbot von genmanipuliertem Saatgut und die Umstellung von herkömmlichem Anbau auf Bio-Landwirtschaft. Der konventionelle Anbau von Baumwolle benötigt mehr Pestizide als jede andere Pflanze der Welt: 10 Prozent der weltweit eingesetzten Pestizide werden beim Baumwollanbau eingesetzt. 50 Prozent aller Pestizide in Indien werden auf den Baumwollfeldern benötigt, obwohl diese nur 5 Prozent der gesamten Agrarflächen ausmachen.

Großkonzerne profitieren Diesen Umstand machen sich Großunternehmen zunutze, den Farmern die Chemikalien teuer zu verkaufen. 25 Prozent ihres Gewinnes müssen die Bauern zusätzlich in gentechnisch verändertes Saatgut investieren, von dem sie sich höhere Gewinne und kurzfristige Resistenz gegen Schädlinge versprechen – ein Markt, den der US-Riese Monsanto kontrolliert. Fallen die Weltpreise für Baumwolle in den Keller oder ist die Ernte schlecht, können die Bauern nicht mehr in die nächste Aufzucht investieren. Die Folge: seit 1996 nahmen sich über 260.000 indische Farmer das Leben, um der Schuldenfalle zu entkommen.

Hier setzt Fairtrade mit seinem Mindestpreis an: Wenn der Weltmarktpreis über diesen Mindestpreis steigt, erhalten die Kooperativen den höheren Marktpreis. Liegt der Weltmarktpreis unter dem Fairtrade-Mindestpreis, muss dieser trotzdem vom Händler an die Produzentengruppe ausbezahlt werden. Zudem erhalten die Genossenschaften eine Fairtrade-Prämie für soziale Projekte oder Bildung, derzeit in der Höhe von 5 Euro-Cent pro Kilo. Die Farmer der Kalahandi-Region finanzierten mit dieser Prämie eine Linsen- und Reismühle sowie Baumschulen. Kalahandi ist eine von vielen Regionen Indiens, die vom Baumwollanbau leben, Indien ist nach China der größte Baumwollproduzent und liegt beim Anbau von Bio-Baumwolle an erster Stelle. Der organische Baumwollanbau verbietet die Verwendung von giftigen Chemikalien sowie den Einsatz von genetisch verändertem Saatgut. Er erfolgt ohne künstliche Bewässerung, also nur mit verbesserten Methoden der Regenwassernutzung. Die Vorteile: eine gesunde Umwelt und biologische Diversität, die eine längere Fruchtbarkeit des Bodens garantiert, sowie gesündere Arbeitsbedingungen für Pflückerinnen und Bauern.

Hier gibt’s den ganzen Artikel.

Kämpfen statt Jammern

Der 18. Juni 2014 war für uns freie Journalisten ein denkwürdiges Datum: an diesem Tag gründeten wir die Freischreiber Österreich zur Förderung des freien Journalismus. Unser Vorbild: die deutschen Freischreiber, die sich seit fünf Jahren mit Ausdauer und Humor für bessere Arbeitsbedingungen im freien Journalismus einsetzen. Denn vor allem bei den Tages- und Wochenzeitungen, gerade also bei den sogenannten Qualitätsmedien, sind die Honorare für Freie so niedrig, dass es schwer fällt, davon zu leben. Viele freie Journalisten greifen deshalb auf andere Einkommensquellen wie PR zurück; mein Zugang ist es, für Magazine zu schreiben, die angemessene Honorare bieten. Die freie Journalistin Sibylle Hamann sagte in ihrer Dankesrede anlässlich der Verleihung des Kurt Vorhofer-Preises: “Wenn wir mutigen, unabhängigen Journalismus wollen, müssen wir Journalisten erlauben, auch unabhängig und angstfrei zu leben.“ Und stellte die provokante Frage: “Schaffen wir den Berufsstand Journalismus gerade ab?”

Für den Artikel „Kämpfen statt Jammern“, erschienen im Falter, wurden meine Kollegin Sonja Fercher und ich interviewt; andere Medien haben sich ebenfalls des Themas angenommen. Das ist gut und wichtig, doch verwehre ich mich dagegen, als Opfer dargestellt zu werden! Es liegt auch und vor allem an uns, etwas zu ändern: je mehr Freie sich weigern, für die angebotenen Honorare zu arbeiten, desto eher werden die Medienhäuser einlenken. Und wenn es jungen Journalisten nicht anders möglich ist, als für Tageszeitungen zu schreiben, sollten sie zumindest das Thema Geld bei ihren Auftraggebern ansprechen. Das verlangt natürlich eine gewisse Portion Mut, und auch um diese jungen Leute zu unterstützen, haben wir die Freischreiber ins Leben gerufen.

Ein Punkt erscheint mir noch wesentlich: der Journalismus ist ein vorwiegend weiblicher Berufsstand und gerade unter den Freien gibt es mehr Frauen als Männer. Es ist eine bekannte Tatsache, dass Frauen (von Ausnahmen abgesehen) sich schneller mit niedrigen Honoraren zufrieden geben als ihre männlichen Kollegen. Es wäre also an der Zeit, sich mit dieser Tatsache auseinander zu setzen und deren Ursachen zu erforschen. Sich Fragen zu stellen wie: Wieviel bin ich mir selbst wert? Wieviel brauche ich, um gut leben zu können? Und sich dann dafür einzusetzen, das Erstrebte zu erreichen – mithilfe von Mitstreiterinnen wie den Freischreibern.