Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument.

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Sinnvoll oder nicht? (Konsument, November 2014)

Mit einer Patenschaft Menschen in Entwicklungsländer unterstützen? Über die Sinnhaftigkeit gehen die Meinungen auseinander. Fotos: Susanne Wolf

Emanuel sitzt auf einer Decke am Boden und blickt spitzbübisch in die Runde. „Seht her, was ich kann!“, scheint sein Blick zu sagen. Dass der Fünfjährige, der zart und zerbrechlich wirkt, überhaupt sitzen kann, grenzt an ein Wunder: Er war bei seiner Geburt gelähmt, die – unverheiratete – Mutter hatte ihn gleich nach der Niederkunft im Busch zurückgelassen. Seitdem plagen den Jungen aufgrund der Unterversorgung bei der Geburt Spasmen, die seine Hände verkrampfen.

EmanuelDoch Emanuel hatte Glück im Unglück: er wurde nach 24 Stunden von Frauen aus dem nahen Dorf entdeckt und zu Noelie Oubda gebracht, die selbst keine Kinder bekommen kann und sich des Babys annahm. Heute wird die Familie von einer mobilen Sozialarbeiterin mit physiotherapeutischer Ausbildung aus dem nahen Rehabilitationszentrum betreut: Hélène kommt zweimal die Woche, um die Fortschritte des Kleinen zu überprüfen und physiotherapeutische Übungen mit der Pflegemutter durchzugehen. Möglich macht das die Arbeit von Licht für die Welt: der gemeinnützige Verein setzt sich seit 25 Jahren für die Chancen und Rechte behinderter Menschen in Entwicklungsländern ein, auch in Form von Kinderpatenschaften. „Die Patenschaften kommen allen von Licht für die Welt betreuten Kindern des Schwerpunktlandes zugute, nicht nur ausgewählten Kindern“, erklärt Pressesprecherin Gabriela Sonnleitner. „Damit wollen wir die Bevorzugung von einzelnen Kindern vermeiden.“ Licht für die Welt unterstützt derzeit 152 Hilfsprojekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa, in den Programmländern arbeitet der Verein eng mit lokalen Partnern, Fachorganisationen, Experten und offiziellen Stellen zusammen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Ausbildung lokaler Fachkräfte – nur so kann eine dauerhafte medizinische Versorgung der Bevölkerung gewährleistet werden. Mit einer Kinderpatenschaft können behinderte Kinder unterstützt werden: 25 Euro pro Monat ermöglichen gezielte Förderung durch Rehabilitation und medizinische Versorgung. Aufklärung im Dorf bewirkt zudem, dass Kinder mit Behinderungen nicht länger ausgeschlossen, sondern integriert werden. Frauen

Nachhaltige Hilfe für ganze Dörfer Von einer Kinderpatenschaft profitiert nicht nur das Kind, sondern die gesamte Familie und ganze Regionen“, meint dagegen Anton Kühnelt-Leddihn von World Vision. Die Hilforganisation leistet weltweit Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Nothilfe und Anwaltschaftsarbeit. „Ein Kind steht als Botschafter für viele andere“, so Kühnelt-Leddihn. Eine über mehrere Jahre laufende Patenschaft helfe, langfristig zu planen: Vor jedem neuen Projekt wird gemeinsam mit den Dorfbewohnern erörtert, welche Probleme es gibt und was sie selbst beitragen können. „Vielen Paten ist der direkte Kontakt zu „ihren“ Kindern wichtig, ob das nun Briefkontakt ist oder auch ein persönlicher Besuch“, ergänzt Kühnelt-Leddihn. Das oberste Prinzip von World Vision laute: Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir verstehen uns als Partner der Menschen und sehen sie nicht als reine Almosenempfänger.“ Mehr lesen.

 

Leidenschaft pur

Nun bin ich also hier in meinem geliebten New York und stelle einmal mehr fest: meine Prioritäten haben sich geändert! Wo ich früher stundenlang durch die bevölkerten Straßen in Mid- und Downtown flanierte, den Kopf in den Nacken gelegt, um all die in den Himmel ragenden Herrlichkeiten zu bewundern, bevorzuge ich heute ruhigere Gefilde. IMG_8581

Am meisten Spaß macht es mir, durch friedliche Straßen in Harlem zu spazieren oder den Blick von der Brooklyn Heights Promenade auf Manhattan zu genießen. Hier schließt auch der neu gestaltete Brooklyn Bridge Park an, mit kostenlosen Sportmöglichkeiten von Basketball bis Beachvolleyball.

Ich lausche sensationellen Straßenmusikern im Central Park oder in den U-Bahn-Stationen und beobachte die Menschen um mich herum. IMG_8491Die kulturelle Vielfalt in dieser Stadt, ist es, was ich am meisten liebe; es ist völlig egal, welche Hautfarbe du hast oder welche Sprache du sprichst. Die Lebendigkeit und Offenheit der Menschen und die Art, wie sie alltägliche Kleinigkeiten in eine Geschichte verpacken, tun ihr übriges. „I am your busdriver today and I greatly appreciate tips“ war der erste Eindruck bei meiner Ankunft in New York. „A smile is a good medicine for the heart – and you just did that for me“ sagt ein Fahrgast zu einem Musiker in der U-Bahn und drückt ihm ein paar Scheine in die Hand. Der Musiker geht lachend durch den Waggon und wünscht “a good day and a save trip“. Fast alle geben ihm Geld, niemand beschwert sich über die Ruhestörung. Überhaupt ist die Subway einer meiner Lieblingsorte – nirgendwo sonst trifft man Menschen aus so vielen kulturellen und sozialen Schichten auf einem Fleck.

Natürlich ist auch oder gerade eine riesige Stadt wie New York alles andere als perfekt. Während der Umweltplan plaNYC ehrgeizige Ziele in Sachen Nachhaltigkeit vorsieht (so sollen bis 2030 die CO2-Emissionen um 30% verringert werden), ist die Zahl der Obdachlosen in Manhattan in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Eine Schwarze erzählt in der U-Bahn weinend, dass sie ihre Wohnung verloren hat und dringend Geld braucht. IMG_8559Das U-Bahn-System ist veraltet, Rolltreppen und Lifte fehlen. Und die Wohnung meiner Gastgeberin ist so dunkel, dass sie den ganzen Tag über künstliches Licht benötigt (die Miete ist mit 1400 Dollar bei ca. 50 m² für Manhattaner Verhältnisse vergleichsweise günstig).

Doch als Besucherin lasse ich mich nur zu gerne in den Sog der Stadt hineinziehen, ein Highlight ist eine Gospelmesse in Harlem: Auch wenn die Touristen von den Securities auf die hintersten Plätze verwiesen werden (auch so eine New Yorker Spezialität: Uniformierte, die Ordnung in das Chaos der Stadt bringen), erfüllt die Energie und Hingabe der Gospelsänger den Raum. Dieses Erlebnis steht für mich stellvertretend für New York: eine Stadt, die vor Leidenschaft vibriert.

New York – Stadt der Widersprüche

 „I like your scarf“ sagt ein Mann zu mir, der im Café am Nebentisch sitzt – und unterhält sich gleich darauf mit seinen Freunden weiter. Das ist typisch für diese Stadt – die Menschen sind aufgeschlossen und freundlich und sparen nicht mit Komplimenten. Auch meine Gastgeberin Carola passt gut hierher: sie ist gebürtige Hannoverin, die irgendwann beschlossen hat, in New York zu bleiben. Obwohl sie eigentlich nur jemanden bräuchte, der sich um ihren Kater kümmert, während sie übers Wochenende weg ist, bietet sie mir an, auch die zwei darauffolgenden Nächte bei ihr zu wohnen. Sie lebt in Harlem, das lange Zeit als gefährliches Pflaster galt. Doch heute ist es hier, wie fast überall in New York, sicher und ich fühle mich sofort wohl in der „Neighbourhood“.

Dass die New Yorker auch viel Wert auf ihre Regeln legen, wird mir erst jetzt, nach mehreren Besuchen der Stadt bewusst. Besonders auf meiner Fahrradtour entlang des Hudson Rivers: IMG_8464„Go slow, respect others“, „Tidy up behind your dog“ „No smoking within the park“ – alle paar Meter ein anderes Schild.

Im Central Park lasse ich mich mit meinem Fahrrad langsam einen Fußweg hinunterrollen – und werde sofort von einem älteren Mann darauf hingewiesen, dass das nicht erlaubt sei, alles andere als freundlich! Radfahren kann man hier eigentlich nur auf der Hauptstraße, die einmal rund um den Park führt, und das – aufgepasst – nur gegen den Uhrzeigersinn! („Cyclists must always travel counter-clockwise around the Park“) Das passt so gar nicht zu dem Bild, das ich bisher von dieser Stadt hatte: Fußgänger, die bei Rot über die Kreuzung gehen und Autofahrer, die sich hupend einen Weg kreuz und quer durch das Verkehrschaos bahnen. IMG_8480

Wie um zu beweisen , dass es auch anders geht, begegnen mir gleich darauf ein paar Skater, die sich trotzig den Broadway erobern – und ungerührt das wütende Hupen der Autos über sich ergehen lassen.

Da ich diesmal mit Argusaugen durch die Stadt gehe, fallen mir noch ein paar andere Dinge auf: die vielen Citibike-Stationen in Downtown Manhattan und Radwege auf den großen Avenues. Ein Teil des Times Squares wurde zur Fußgängerzone umfunktioniert, und auch auf Mülltrennung wird jetzt Wert gelegt. Auf der anderen Seite gibt es immer noch viel zu viel Plastik – in Form von Verpackungen, Einkaufssackerl und Take away-Food und -Drinks. Überall sind Menschen mit Kunststoffbechern in der Hand zu sehen.

Tatsache ist jedoch, dass die Zahl der Grünflächen in der Stadt wächst. Der ambitionierte Umweltplan plaNYC des ehemaligen Bürgermeisters Michael Bloomberg sieht unter anderem vor, dass jeder New Yorker in zehn Minuten Fußweg einen Park erreichen soll, 865.000 Bäume wurden in den letzten Jahren gepflanzt. IMG_8454

Die High Line ist eines dieser ehrgeizigen Projekte: eine stillgelegte Hochbahntrasse, die zu einem Park umfunktioniert wurde und sich über eine Strecke von 2,5 km durch die Stadt schlängelt. Hier lässt es sich gut Verschnaufen vom Trubel der Stadt.

Vom Älter werden

Je älter ich werde, desto mehr finde ich zu mir – und das fühlt sich gut an. Denn das war nicht immer so: früher konnte ich mich selbst nicht leiden, trieb ziellos durchs Leben, war egoistisch und verantwortungslos und wechselte Jobs ebenso häufig wie die Männer an meiner Seite. Bis ich Mutter wurde und mein Leben sich schlagartig änderte. Nun war ich für einen kleinen Menschen verantwortlich und konnte nicht mehr davonlaufen – eine Tatsache, die ich anfangs gewöhnungsbedürftig fand. Es dauerte eine Weile, bis ich mich mit meiner neuen Rolle anfreundete und sich meine Prioritäten änderten. Weitere Jahre sollten vergehen, bis ich – nun Mutter zweier Kinder – endlich meine Berufung fand: das Schreiben. Oder anders gesagt: es dauerte, bis ich mir zutraute, mich dieser meiner Leidenschaft mit Haut und Haaren zu widmen.

Nun befinde ich mich in der Mitte meines Lebens – man könnte auch sagen, in den besten Jahren! Und bin glücklich wie nie zuvor. Ich sitze in einem Flieger nach New York, einer meiner Lieblingsstädte, um Berufliches mit Privatem zu verbinden: Ich werde über den Umweltplan der Stadt berichten und anschießend meine Schwester auf Long Island besuchen. Und in diesem Moment wird es mir wieder bewusst: je älter ich werde, umso besser wird mein Leben! Ich habe zwei wundervolle Kinder, einen Mann an meiner Seite, der seit nunmehr 11 Jahren zu mir steht, mit allen Höhen und Tiefen, und ich liebe meine Arbeit. Und das Wichtigste: ich habe gelernt, mich selbst zu lieben, mir zu vertrauen und auf meine innere Stimme zu hören. Was auch bedeutet, hin zu spüren, was mir gut tut und meinen eigenen Rhythmus zu finden. Als selbständige Journalistin ist das nicht immer leicht – mal ist mehr zu tun, mal weniger. Oft habe ich so viel Arbeit, dass ich kaum zum Verschnaufen komme und in solchen Zeiten fällt es mir schwer, zur Ruhe zu finden. Doch auch das gelingt mir immer besser: sobald ich merke, dass ich mich zu sehr anspanne, lege ich eine Pause ein, gehe eine Runde laufen oder lege meine Lieblingsmusik auf, um zu tanzen. Wenn ich merke, dass ich einen ganzen Tag Pause brauche, gönne ich mir auch den – in der Gewissheit, am nächsten Tag mit neuen Energien weiter arbeiten zu können. Denn das ist ja das Schöne an der Selbständigkeit und am Arbeiten von zuhause aus: ich kann mir meine Arbeit selbst einteilen und habe alle Freiheiten. Und die Freiheit, über mein Leben und meine Zeit selbst bestimmen zu können, ist mir das Allerwichtigste: Zeit für meine Kinder zu haben, für meinen Mann und nicht zuletzt für mich selbst.

Je bewusster ich lebe, desto mehr kann ich mich an Kleinigkeiten freuen: über eine Möwe, die mich ein Stück entlang meiner Laufstrecke an der Donau begleitet. Über ein paar Sonnenstrahlen an einem sonst wolkigen Tag. Wenn mein Sohn, der nun erwachsen wird, uns ein paar Minuten seiner Zeit schenkt. Oder der Moment, wenn meine Tochter sich vor dem Einschlafen an mich kuschelt und ihre Finger mit meinen verschränkt. Das sind Augenblicke, die so kostbar sind, dass ich sie in einem reich verzierten Schatzkästchen aufbewahren möchte – und solche Momente bewusst wahrzunehmen, tragen zum großen Glück in meinem Leben bei.

Es gibt natürlich auch die nicht so schönen Momente: Streitereien, Unpässlichkeiten, Tage an denen ich mich hilflos fühle angesichts der Schreckensmeldungen aus aller Welt. Doch auch solche Phasen gefühlter Unzulänglichkeit werden weniger. Zurück bleibt eine positive Grundstimmung und die Gewissheit, dass ich mein Leben selbst gestalten kann.

 

Anders reisen

Die Welttourismusorganisation zählte 2012 erstmals mehr als eine Milliarde Auslandsreisen, davon ein Großteil Flugreisen. Das hat Folgen: Schätzungen zufolge ist der Tourismus bereits für ca. 12 Prozent der globalen CO2-Emissionen verantwortlich. Doch ein Umdenken findet statt: immer mehr Menschen wünschen sich einen ökologisch vertretbaren Urlaub mit Rücksicht auf die einheimische Bevölkerung sowie faire Arbeitsbedingungen in den Urlaubsländern. Da auch ich zu den Menschen gehöre, die leidenschaftlich gerne unterwegs sind, habe ich mir ein paar Gedanken dazu gemacht. Und mir folgende Fragen gestellt: Muss ich für ein Wochenende nach London oder Paris jetten? Will ich in ein fremdes Land fahren, um dort in einem Club oder Hotel, abgeschottet von Kultur und Menschen des Landes, meinen Urlaub zu verbringen? Ist es notwendig, im Winter für zwei Wochen ans andere Ende der Welt zu fliegen, oder wäre es eine Option, darüber nach zu denken, mein ganzes Leben, oder zumindest einige Monate im Jahr, in einem wärmeren Land zu verbringen? Oder: Kann ich mein Leben und meine Arbeit so organisieren, dass ich mehr Zeit zum Reisen habe? mostar5 Denn für mich gehört zum Reisen nicht nur Enspannung und eine Auszeit vom Alltag, sondern auch das Eintauchen in fremde Kulturen und Bekannschaften mit Einheimischen. Daher bin ich ein großer Fan von Couchsurfing, dieser weltweiten Bewegung, deren Mitglieder Gästen aus anderen Ländern eine Schlafstatt anbietet. Dazu gehört auch – wenn möglich – eine möglichst langsame Anreise per Bahn oder Bus. Das hat mehrere Vorteile: die Seele kommt gleich mit an, den Weg zum Ziel nehme ich bewusst wahr und ich spare – im Vergleich zum fliegen – eine Menge CO2 ein. Viele nennen als Haupteinwand gegen langsames Reisen den Mangel an Zeit. Aber mal ehrlich: was spricht dagegen, abends in einen Nachtzug einzusteigen und am nächsten Morgen in einer anderen Stadt anzukommen? (wir reden hier von Distanzen innerhalb Europas) Dass Fliegen billiger ist als mit der Bahn zu fahren, stimmt nur bedingt. Und was den Bequemlichkeitsfaktor angeht: wir sind es gewöhnt, immer den bequemsten Weg zu gehen, kennen von unserer Wohlstandsgesellschaft nichts Anderes. IMG_7337Die Umstände, die die wachsende Umweltverschmutzung und der Klimawandel mit sich bringen, zwingen uns jedoch dazu, unsere Gewohnheiten zu überdenken.

Das Gegenteil von nachhaltigem Reisen ist übrigens ein Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff: diese Schiffe fahren meist mit Schweröl, einem Abfallprodukt der Ölindustrie. Ein herkömmlich betriebenes Kreuzfahrtschiff bläst auf einer einzigen Fahrt so viel Schadstoffe in die Luft wie fünf Millionen Autos auf derselben Strecke, wie der Naturschutzbund Deutschland errechnete. Dazu kommt, dass tausende Kreuzfahrttouristen die von den Schiffen angelaufenen Städte regelrecht überschwemmen. Das wird für Einheimische und andere Touristen zunehmend zum Ärgernis, wie Gegenkampagnen in Venedig oder Dubrovnik beweisen. Anders Reisen bedeutet für mich also: sich Zeit nehmen, umweltfreundlich reisen und Respekt für Land und Leute zeigen. Beispiele für nachhaltigen Tourismus und Gütesiegel findet ihr in meinem Buch „Nachhaltig Leben“.

Süßes aus Kinderhand (Konsument, September 2014)

Jahrzehntelang wurde in der Kakaoproduktion Raubbau an Mensch und Natur betrieben – jetzt droht ein Versorgungsengpass. Doch die steigenden Preise kommen nicht den Kakaobauern zugute.

Seit den 1980er Jahren sind die Kakaopreise real um die Hälfte gefallen, was dazu führte, dass Kakaobauern die Produktion einschränken mussten und veraltete Bestände von Bäumen nicht ersetzen konnten. Nun steigt die weltweite Nachfrage nach Schokolade. Um Engpässe zu verhindern, müsste der weltweite Ertrag um ca. 100.000 Tonnen pro Jahr angehoben werden, wie eine Erhebung des weltweit größten Kakaoverarbeiters Barry Callebaut aus der Schweiz ergab. Derzeit gibt es jedoch kaum Potential zur Steigerung, sondern die Lager werden leergeräumt, um die aktuelle Nachfrage zu bedienen. Durch die hohe Nachfrage kam es bereits letztes Jahr zu einer fast 20-prozentigen Preissteigerung – von der die Kakaobauern in keiner Weise profitieren. Sie erhalten aktuell 6% des Verkaufspreises einer Tafel Schokolade, 1980 waren es noch 16%. Im selben Zeitraum stieg der Anteil der Kakao- und Schokoladenunternehmen am Verkaufspreis von 56% auf 70% und der des Einzelhandels von 12% auf 17%.

Während Mondelez (vormals Kraft Foods), Produzent von Topmarken wie Milka, sich über fast 1 Milliarde Euro Gewinn freut, hat der seit Jahren tobende Preiskampf dazu geführt, dass Millionen von Kakaobauern und ihre Familien unter der Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag leben müssen. „Viele Jahrzehnte war es für Industriestaaten und multinationale Konzerne ganz einfach, Menschen aus dem Süden auszubeuten“, kritisiert Gerhard Riess von der PRO-GE und Mitglied des europäischen Gewerkschaftsnetzwerkes cocoanet.eu. „Heute sind die Kakaofelder von der intensiven Bewirtschaftung ausgepowert. Sinkende Erträge, Perspektivlosigkeit und Landflucht führen dazu, dass der steigende Bedarf der Industrie an Kakaobohnen bald nicht mehr gedeckt werden kann.“ Auf die zu erwartenden Lieferengpässe reagiert die Industrie nun, indem sie millionenschwere Förderprogramme zur Steigerung der Produktivität der Kakaoplantagen ins Leben ruft. „Kurzfristige Produktionssteigerungen durch einen verstärkten Einsatz von Düngemitteln und andere Chemikalien gefährden die Gesundheit der Produzenten und sind eine Mogelpackung, weil sie im Gegensatz zu menschenwürdigen Arbeitsbedingungen und ökologischen Kakaoanbau nicht nachhaltig sind – im Gegenteil“, kritisiert Bernhard Zeilinger, Leiter der Südwind-Kampagne „Make Chocolate Fair!“ Mehr lesen.

Mehr Macht dem europäischen Volk (Format, 8. August 2014)

Die Politikverdrossenheit wächst, Initiativen wollen aus passiven Bürgern aktive Gestalter der Demokratie machen. Wie kann das funktionieren?

Selten war der Volkszorn der Österreicher so groß wie nach dem Bekanntwerden des Hypo-Skandals. Neben der Bürgerinitiative des „Wutbürgers“ Düringer forderten drei weitere Petitionen eine Aufklärung der Geschehnisse rund um die Hypo Alpe Adria – insgesamt wiesen diese rund 250.000 Unterschriften auf. Mithilfe von parlamentarischen Bürgerinitiativen können österreichische Staatsbürger konkrete Anliegen, die von mindestens 500 wahlberechtigten Staatsbürgern unterstützt wurden, einbringen. Auch EU-weit ist dies möglich: Im Dezember 2013 wurde „Right2Water“ als offiziell erste erfolgreiche EU-Bürgerinitiative bekannt gegeben. Es gab 1,88 Millionen Unterstützungserklärungen aus 16 Ländern für die Initiative, deren Forderung es ist, Wasser als Menschenrecht anzuerkennen.

Aktive Rolle Seit dem 1. April 2012 haben EU-Bürger die Möglichkeit, ein Thema auf die europäische politische Agenda zu setzen. Dazu müssen eine Million Unterschriften aus mindestens sieben unterschiedlichen EU-Mitgliedstaaten gesammelt werden. Die Europäische Kommission will erreichen, dass die Bürger eine aktivere Rolle in den politischen Prozessen übernehmen. Auch hierzulande kämpfen zahlreiche Initiativen für mehr Bürgerbeteiligung: So wurde die Aktion 21 als Vereinigung von Wiener Bürgerinitiativen mit dem Ziel gegründet, die Bevölkerung in kommunalen Planungen und Vorhaben mit einzubeziehen. Das Forum Informationsfreiheit setzt sich mit seiner Kampagne Transparenzgesetz.at für eine Veröffentlichungspflicht für Behörden und für das Recht auf Einsicht in die Akten der Verwaltung ein. “Die publik gewordenen Korruptionsskandale der letzten Jahre waren großteils nur deshalb möglich, weil die Handlungen der Verwaltung der Kontrolle der Öffentlichkeit entzogen waren”, meint Josef Barth, Gründer des FOI.

Wie der Dialog zwischen etablierten und neuen Stimmen in der politischen Arena verbessert werden kann, darum geht es auch beim diesjährigen Forum Alpbach.Als Stiftung geht es uns darum, Bürger aufzuwecken, zusammenzubringen und zur Aktion im demokratischen System zu befähigen“, erklärt Verena Ringler von der deutschen Stiftung Mercator und Mitglied im Beirat des politischen Symposiums des Forum Alpbach. „Bürger haben Rechte und Pflichten und im Idealfall eine gleichwertige Stimme wie ihre gewählten Volksvertreter.“

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