Hervorgehobener Beitrag

Das Buch ist da!

Mein Ratgeber “Nachhaltig Leben” mit vielen wertvollen Tipps rund um verantwortungsvollen Konsum und Lebensstil ist nun erhältlich, zu bestellen über den Verein für Konsumenteninformtion/Konsument.

Nachhaltig_leben_COVER_1000pxUmfragen besagen, dass über die Hälfte der Verbraucher an nachhaltigem Konsum interessiert sind, also an einem Konsum, der die Umwelt schützt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern steht. Nur zehn Prozent der Befragten setzen dieses Anliegen allerdings in die Praxis um. Dass die Macht der Konsumenten größer ist als viele glauben, ist unter Wirtschaftsethikern bereits bewiesen. Zahlreiche Beispiele zeigen, dass Konsumenten durch gezielten Kauf bzw. Boykott Einfluss auf Produkte am Markt nehmen können: eines der bekanntesten ist der Shell-Boykott von 1995, bei dem unzählige Käufer auf die von Shell angekündigte Entsorgung des schwimmenden Öltanks Brent Spar reagierten. Shell musste schließlich einlenken.

Je mehr Menschen nachhaltige Produkte kaufen, desto mehr Anbieter werden von konventioneller Produktion auf nachhaltige umsteigen. Fairtrade- oder Bio-Produkte mögen in manchen Fällen teurer sein als herkömmliche, doch das können Konsumenten durch einen bewussten Lebensstil in anderen Bereichen ausgleichen.  Jeder von uns kann etwa durch (teilweisen) Verzicht auf das Auto oder mit dem Konzept „Nutzen statt Besitzen“ einen Beitrag für die Umwelt und für faire Arbeitsbedingungen in den Herstellerländern leisten. Wer mehr tun möchte, hat ebenfalls vielfältige Möglichkeiten: Proteste gegen ausbeuterische Unternehmen, Unterstützung von NGOs, Teilnahme an Petitionen oder Vernetzung von Gleichgesinnten über soziale Netzwerke sind nur einige Beispiele.

Eine Leseprobe aus “Nachhaltig Leben” gibt es hier.

Fluch des Palmöls (Die Furche, Mai 2013)

Um neue Palmölplantagen errichten zu können, vertreiben Konzerne Bauern und Indigene.

Der Verbrauch von Palmöl ist in den letzten Jahren in der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie stark angestiegen: das Öl wird als Grundstoff für Margarine, Frittierfett, Schokolade oder Tiefkühlpizza, aber auch für Waschmittel und Kosmetikprodukte verwendet. Zunehmend kommt Palmöl auch bei der Herstellung von Biodiesel zum Einsatz: innerhalb der letzten 10 Jahre verdoppelte sich der Palmölverbrauch auf 30 Millionen Tonnen. Weltweit ist Palmöl das billigste und am meisten verwendete Pflanzenöl, 32 % des globalen Bedarfs werden damit gedeckt. Mit der steigenden Nachfrage nehmen die Palmölplantagen zu, Millionen Hektar an Regenwäldern fallen der Palmölindustrie zum Opfer.

Ausverkauf in Lateinamerika

In Honduras, wo Multimillionär Miguel Facussé die Fäden in der Palmölproduktion zieht, will die Industrie die Anbaufläche von derzeit rund 135.000 Hektar fast verdoppeln. Facusseés Firmengruppe Dinant produziert Palmöl sowohl für den Export als auch für eigene Lebensmittelfirmen, die mit ihren Produkten den honduranischen Markt dominieren. Das Unternehmen Dinant – es besitzt einige Tausend Hektar Palmölplantagen in Bajo Aguán – spielt bei den Menschenrechtsverletzungen des Landes eine große Rolle, da es private Sicherheitskräfte zur Einschüchterung der Bauern anheuert.

Schon jetzt hat Honduras mit drei Prozent eine der weltweit höchsten Entwaldungsraten; durch illegale Abholzung und die Ausdehnung landwirtschaftlicher Flächen verliert das Land jedes Jahr zusätzlich 80.000 bis 120.000 Hektar Regenwald.

Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern findet der Ausverkauf durch Palmöl statt: im fruchtbarsten Gebiet Guatemalas, dem „Valle de Polochic”, vertrieben Agrokonzerne indigene Gemeinden von ihrem Land, um die Produktion von Palmöl und Zucker auszubauen. In der ecuadorianischen Provinz Esmeraldas wurden in den vergangenen Jahren 60.000 Hektar Ölpalmplantagen auf ehemaligen Regenwaldflächen aus dem Boden gestampft. Und fast die Hälfte Amazoniens ist für den Anbau von Ölpalmen geeignet, womit Brasilien in den Augen der Industrie über die größten Landflächen für das Geschäft mit Palmöl verfügt. Und Land ist billig in Amazonien, billiger als in Südostasien.  Mehr lesen.

Schifahren? Schnee von gestern!

Laut einer aktuellen Studie des Klima- und Energiefonds ist der Wintertourismus in Österreich vom Klimawandel besonders betroffen: Bis 2050 wird es jährlich eine Million Nächtigungen weniger geben. „Wintertourismus wird in vielen Lagen Österreichs kürzer oder gar nicht mehr in der bekannten Form stattfinden können“, meint Klimaexperte Karl Steiniger auf orf.at.

Doch noch wollen Viele das nicht wahrhaben und erzeugen auf künstliche Weise Schnee: in Österreich gibt es bereits 20.000 Schneekanonen. Dafür werden jährlich rund 95 Millionen Kubikmeter Wasser für 24.000 Hektar Fläche benötigt – was dem Jahresverbrauch einer Stadt mit 1,5 Mio. Einwohnern entspricht. Für die Schneesicherheit wurden seit 2008 rund 800 Millionen Euro investiert (Stand: Dezember 2012).

Ich selbst war früher leidenschaftliche Schifahrerin, doch beschloss ich irgendwann, diesen Wahnsinn nicht länger zu unterstützen – denn auch Wintersport auf natürlichem Schnee schadet dem Ökosystem der Alpen. Es gibt so viele andere Arten, Sport zu treiben und da ich am liebsten laufe, mache ich das mittlerweile, warm eingepackt, auch im Winter – soferne es nicht gerade friert oder schneit… ;-).

Noch ein paar Details zum Kunstschnee: er ist viermal schwerer als echter Schnee und braucht doppelt so lange zum Abschmelzen. Der erhöhte und verspätete Schmelzwasserabfluss kann Erosion und Abrutschgefahr auslösen. Die Produktion von Kunstschnee verschlingt in den Alpen pro Saison mehr als 600 Millionen kWh elektrische Energie, sie beginnt oft schon Anfang Oktober und dauert bis Anfang Mai. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz: der hohe Energieverbrauch beschleunigt den Klimawandel und der wiederum den Rückgang des natürlichen Schneefalls.

Alternativen sind daher gefragt: Die Bergsteigerdörfer des Österreichischen Alpenvereins etwa haben sich einem nachhaltigen Alpintourismus verschrieben. Orte wie Villgratental in Osttirol oder Hüttschlag in Salzburg setzen im Winter auf Skitourengeher, andere bieten Schneeschuhwanderungen, Eisklettern oder Langlaufen an. Vent im Ötztal hat auf ein eigenes Gletscherskigebiet und den Zusammenschluss mit dem Pitztaler Gletscherskigebiet verzichtet. 

Mehr zum Thema Nachhaltiger Tourismus findet ihr in meinem Ratgeber “Nachhaltig Leben”.

 

Alter schützt vor Unwissen nicht (Option, 3/2014)

Die Verunsicherung rund um das Thema Pensionen ist groß, die Kampagne der Pensionsversicherung lässt viele Fragen offen.

Der Brief von der SVA ist da, der Titel „Das neue Pensionskonto“ klingt vielversprechend. Doch die fettgedruckte Zahl im Inneren des Briefes ist wenig ermutigend – das soll meine Pension sein? Erst bei genauem Nachlesen wird klar: hier handelt es sich um eine vorläufige Zahl, die das bisherige Pensionsguthaben anzeigt.

Obwohl die Kampagne der Pensionsversicherungen darauf abzielt, das Vertrauen in die gesetzliche Pension zu stärken, bewirkt sie doch bei Vielen das Gegenteil. Eine Menge Fragen bleiben offen: Wie hoch wird die Pension tatsächlich ausfallen? Wie lange werde ich noch arbeiten müssen, um später mein Auskommen zu finden? Und was ist eigentlich die Pensionslücke?

Mein erster Anruf erreicht die Service-Hotline der für mich zuständigen SVA, die eigens zum Thema Pensionskonto eingerichtet wurde. Die Dame am anderen Ende der Leitung erklärt mir geduldig, was es mit den fehlenden Versicherungszeiten in meiner Auflistung auf sich hat. Auch zum Thema Kinderbetreuungszeiten bekomme ich wertvolle Informationen: Für Kindererziehung werden bis zu vier Jahre für die Pension angerechnet. Mein nächster Ansprechpartner ist Wolfgang Panhölzl, Pensionsexperte bei der Arbeiterkammer Wien: „Der Wert im Pensionskonto zeigt an, wie hoch die Pension wäre, wenn Sie ab sofort nichts mehr einzahlen würden. Wichtiger ist die Rechnung, wie viel monatlich bleibt, wenn das Pensionsalter von 65 Jahren erreicht ist.“

Das Pensionsalter von 65 Jahren? Ich lerne: Für Frauen, die bis zum 1.12.1963 geboren sind, gilt als Regelpensionsalter 60, dann steigt das Antrittsalter schrittweise auf 65 Jahre an. Für Männer bleibt das – gesetzliche – Pensionsalter von 65 Jahren gleich.

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Ich bin nicht Charlie

Satire darf alles“ – wie oft habe ich diesen Satz, der Kurt Tucholsky zugeschrieben wird, in den letzten Tagen gehört. Vor allem von Journalisten, die sich mit den Zeichnern und Redakteuren des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo solidarisierten. Doch was darf Journalismus? Er soll aufklären, informieren und Meinung machen. Aber darf er beleidigen, menschliche Werte mit Füßen treten?

Je suis Charlie“ – diese drei Worte verbreiteten sich nach dem Attentat auf die Pariser Redaktion von Charlie Hebdo in Windeseile in den Medien. Doch worum geht’s da eigentlich, was wollen die, die sich Charlie nennen,  uns sagen? Dass sie die respektlosen und teils beleidigenden Karikaturen der Zeitschrift Charlie Hebdo gutheißen? Bereits 2011 hatte es einen Brandbombenanschlag auf die Redaktion gegeben und die Antwort darauf war eine erneute Provokation: eine Karikatur, die einen Moslem und einen Zeichner von Charlie Hebdon beim feuchten Zungenkuss zeigt. Was wird als nächstes passieren? Wird sich die Spirale der Respektlosigkeit, des Hasses und der Gewalt immer weiter drehen? Es geht hier in erster Linie um Menschen und ihre Werte und Überzeugungen, erst zweitrangig um radikale Muslime (die unter den 1,5 Milliarden Muslimen weltweit eine Minderheit darstellen). Wahre Größe hätte die Charlie Hebdo-Redaktion nach dem ersten Anschlag gezeigt, wenn sie ein ernst gemeintes Zeichen der Versöhnung gesetzt hätte. karikatur

Natürlich bin ich der Meinung, dass man jeder Art von Radikalismus die Stirn bieten sollte sowie für Toleranz und Weltoffenheit eintreten muss – gerade wir Journalisten. Aber ich glaube auch, dass das mit anderen Mitteln möglich ist als mit geschmackloser Satire. Die Zeit ist reif für einen Journalismus (und für mich gehört dazu auch Satire), der versöhnt und Hoffnung macht; der Alternativen anbietet und Lösungen skizziert, anstatt Angst zu schüren und Zwietracht zu säen. Der sich nicht mehr auf den reinen Intellekt beruft, sondern auch das Herz miteinbezieht. In diesem Sinne: Nein, ich will nicht Charlie sein, sondern mich auf konstruktive Weise für eine Welt einsetzen, in der ein respektvolles Miteinander möglich ist.

Karikatur: Sarah McIntyre

2014 im Rückblick

WordPress hat einen Jahresbericht 2014 für meinen Blog erstellt – wie nett! An dieser Stelle möchte ich mich bei all meinen Lesern bedanken. Ich hoffe, dass ich euch mit meinen Texten inspirieren und informieren konnte und wünsche euch allen ein erfolgreiches Jahr 2015!

Hier ist ein Auszug aus dem Jahresbericht:

Die Konzerthalle im Sydney Opernhaus fasst 2.700 Personen. Dieser Blog wurde in 2014 etwa 8.700 mal besucht. Wenn es ein Konzert im Sydney Opernhaus wäre, würde es etwa 3 ausverkaufte Aufführungen benötigen, um so viele Besucher zu haben wie dieser Blog.

Klingt gut, oder? :-)

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Fleisch essen

Nie hätte ich mir gedacht, dass ich auf Fleisch verzichten könnte. Ich habe mein Leben lang Fleisch gegessen, in allen Varianten: Schnitzel, Würstel, Burger, Koteletts. Lange vertrat ich die Meinung, dass wir Menschen nun mal Fleischesser seien und erklärte das gerne damit, dass schon unsere Vorfahren auf die Jagd gegangen wären, um überleben zu können. Und ich glaubte, den Winter ohne Fleisch nicht überstehen zu können – ich bildete mir ein, dass es mir Wärme und Energie schenkte.

Dann begann ich, im Zuge der Arbeit an meinem Buch „Nachhaltig Leben“, mich näher mit dem übermäßigen Fleischkonsum in unserer Gesellschaft und seinen Auswirkungen zu beschäftigen. Und kam zu dem Schluss: wir sind schon lange keine Jäger mehr und von Natur aus auch keine Fleischesser. Wir „produzieren“ Fleisch als Massenware und fügen den Tieren, die wir essen, unvorstellbares Leid zu. Unser maßloser Fleischkonsum beschleunigt auch noch den Klimawandel: 70 Prozent der weltweit gerodeten Regenwaldflächen werden für Weiden und die Produktion von Nutztierfutter eingesetzt. 

Mein Appetit auf Fleisch ließ nach, doch noch schaffte ich es nicht, ganz darauf zu verzichten. Ich wurde zur „Flexitarierin“ und aß nur noch einige Male pro Woche Fleisch und Wurst, wenn möglich in Bio-Qualität. Heute bin ich so weit, dass ich mir ein Leben ohne Fleisch durchaus vorstellen kann: Kürzlich bereitete ich für meine Familie Wurstsalat zu – ein Gericht, das seit meiner Kindheit zu meinen Lieblingsspeisen zählte. Doch als ich mir eine Portion nahm, ließ ich instinktiv die Wurststückchen weg – und aß den Rest. Der nächste Schritt wird sein, Fleisch und Fisch ganz von meinem Speisezettel zu streichen – und zum ersten Mal in meinem Leben kann ich mir das vorstellen! Mittlerweile reicht es, mir bewusst zu machen, dass Tiere Lebewesen sind, um mich in meinem Vorhaben zu bestärken – dadurch fällt für mich auch Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren weg. Und Lebensmittel, die mich wärmend durch den Winter bringen, habe ich längst gefunden.

Das Bewusstsein für die Problematik rund um den Fleischkonsum wächst: Bücher wie „Tiere essen“ von Jonathan Safran Foer oder „Anständig essen“ von Karen Duve beschäftigen sich mit den Themen Massentierhaltung und Alternativen zum Fleisch. Filme wie „Feed the world“ von Erwin Wagenhofer prangern unsere Gier nach Fleisch an. Immer mehr Menschen verzichten freiwillig auf Fleisch – doch wird das reichen, um die Hersteller zum Umdenken zu bewegen? Es gibt weitere Möglichkeiten, Druck zu machen: den Lebensmittelketten lästige Fragen stellen und Verbesserungen einfordern. Das Thema in sozialen Medien zur Sprache und Diskussion bringen.Organisationen wie den Verein gegen Tierfabriken unterstützen. Mehr Infos über die Auswirkungen des Fleischkonsums und Alternativen findet ihr hier.

Wie sagte der große Mahatma Gandhi: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“

 

Die Leichtigkeit des Seins

Ich stehe auf der Brücke, mit einem Gummiband um meinen Knöchel, und blicke in den Abgrund. Tief unter mir glänzt ein schmaler Fluß in der Sonne. Das war es dann wohl, schießt es mir durch den Kopf. Hier stehe ich nun, auf einer Brücke irgendwo in Südamerika und muss mir etwas beweisen. Oder vielleicht auch dem Mann hinter mir, den ich gerade mal seit einer Woche kenne. Wie bin ich nur auf die absurde Idee gekommen, Bungee Jumping zu machen? Ich, die ich unter Höhenangst leide und weiche Knie bekomme, wenn ich mich mehr als zehn Meter über dem sicheren Boden befinde? Kurz überlege ich, einen Rückzieher zu machen, doch das verbietet mir mein Stolz. Also nehme ich all meinen Mut zusammen und springe kopfüber in die Tiefe.

Diese Szene trug sich vor gut 20 Jahren auf einer Brücke nahe Quito, Ecuador zu und war bezeichnend für mein Leben: Immer wieder tat ich Dinge wider mein besseres Wissen, ließ mich auf Männer ein, die mir nicht gut taten und fügte mir selbst Schaden zu. Der Moment auf der Brücke war jedoch ein Wendepunkt in meinem Leben: zwar sprang ich tatsächlich, und überstand den Sprung relativ unbeschadet, doch werde ich nie den Moment des Absprungs vergessen – die panische Angst, die mich durchfuhr. Und den Gedanken, als ich kopfüber in der Luft baumelte und darauf wartete, wieder hochgezogen zu werden: Was mache ich hier eigentlich? Danach wusste ich, dass dies eine der letzten unvernünftigen, oder zumindest selbstzerstörerischen Handlungen in meinem Leben sein sollte. Nun ja, eine Weile dauerte es noch, bis es wirklich so weit war. Der junge Mann an meiner Seite war immerhin so beeindruckt, dass er mir wenig später nach Wien folgte.

Heute, 20 Jahre später, frage ich mich: wie kommt es, dass ich so verdammt vernünftig und ernsthaft geworden bin? Manchmal sehne ich mich nach den Zeiten zurück, in denen ich mich, ohne lange nachzudenken, in Situationen begab, über dich ich heute nur den Kopf schütteln kann. Natürlich könnte diese neue Ernsthaftigkeit mit meinem fortgeschrittenen Alter zusammenhängen. Oder damit, dass ich nun schon seit geraumer Zeit Verantwortung für zwei junge Menschen trage. Vielleicht auch damit, dass ich gelernt habe, besser auf mich zu achten und hin zu spüren, was mir gut tut und was nicht. Aber muss das bedeuten, dass ich keinen Spaß mehr habe? Vor einiger Zeit sagte mir jemand, den ich erst kurz zuvor kennen gelernt hatte: „Du wirkst so seriös.“ Ich zerbrach mir den Kopf darüber, ob das nun ein Kompliment war oder doch eher das Gegenteil. Seriös? Ist das nicht gleichbedeutend mit langweilig? Dieser achtlos dahingesagte Satz setzte mir ganz schön zu. Und stimmte mich nachdenklich. Ich fragte mich, wo die Leichtigkeit in meinem Leben geblieben ist, diese Momente, in denen man selbstvergessen und unbefangen durchs Leben steuert, sich sinnlos betrinkt oder sonstige unvernünftige Dinge tut.

Und auch jetzt hat sie mich wieder erwischt – diese Sehnsucht nach mehr Leichtigkeit; die Mühlen des Alltags haben mich fest im Griff. Doch wenn ich darüber nachdenke, fallen mir einige leichtfüßige Momente ein, die noch nicht so lange her sind: eine Fahrradtour alleine durch Manhattan, die Hochzeit von lieben Freunden, bei der wir die Nacht durchtanzten, ein Lachanfall, ausgelöst durch die Faxen meiner Tochter. Vielleicht ist das ja auch eine Begleiterscheinung des Alterns: diese schwankenden Stimmungen und das immer wieder kehrende Gefühl, etwas zu verpassen. Ich habe mir jedenfalls vorgenommen, regelmäßig aus dem Alltag auszubrechen und Dinge zu tun, die Spaß machen – und das Leben insgesamt ein bisschen leichter zu nehmen. Muss ja nicht gleich der Sprung von einer Brücke sein.