Schöner, bunter Schein (Die Furche, 8. Mai 2013)

Schon die Kleinsten werden heutzutage mit Werbebotschaften überhäuft. Die Auswirkungen sind vielfältig, Eltern und Gesellschaft oft überfordert.

Hol Dir jetzt Dein Stickerbuch!“ Mit diesen lockenden Worten warb der Lebensmittelkonzern BILLA bei seinen jüngsten Kunden für den Kauf eines Sticker- Sammelbuches über „Rekorde im Tierreich“ – und geriet dadurch mit dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb in Konflikt: Dieses verbietet nämlich eine direkte Aufforderung an Kinder, Produkte zu kaufen oder ihre Eltern zum Kauf zu überreden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) klagte deshalb im Auftrag des Konsumentenschutzministeriums die Lebensmittelkette – und bekam Anfang April durch den Obersten Gerichtshof Recht. Im ähnlich gelagerten Fall einer Sammelaktion von SPAR („Stickermania“) hatte der OGH schon im September 2012 verbotene Kinderwerbung festgestellt. „Bei diesen Sammel-Aktionen wurden Kinder direkt angesprochen“, erklärt Nadya Böhsner vom VKI. „Werbung, die sich allgemein an Kinder richtet, ist jedoch nicht grundsätzlich verboten.

Und Werbung richtet sich zunehmend direkt an Kinder, um ihre Ziele zu erreichen – mit gutem Grund: Laut aktueller Kids-Verbraucheranalyse 2011verfügen sie in Deutschland über ein Gesamtbudget von mehreren Milliarden Euro. Für Österreich kann man von entsprechend niedrigeren Summen ausgehen. Dazu kommt, dass Kinder die Kaufentscheidungen ihrer Eltern massiv beeinflussen, wobei den Müttern und Vätern dies oft gar nicht klar ist: Wie eine Studie der Universität Wien belegt, ist Eltern nur die Hälfte der Spontankäufe, die im Supermarkt von ihren Kindern ausgelöst werden, auch bewusst. Zugleich können die Jüngsten am leichtesten beeinflusst werden: „Kinder unter sechs Jahren sind besonders empfänglich für bunte Bilder, Musik und Eindrücke, die mit einem Wohlgefühl verbunden sind“, erklärt Sabine Schuh, Wiener Wirtschaftspsychologin mit Schwerpunkt Kommunikation.

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Mitten ins Herz getanzt (WIENERIN, März 2013)

WIENERIN-Autorin Susanne Wolf besuchte die Tänzerinnen und Tänzer der I Dance Company bei den Proben für das Down Syndrom Festival. Und lernte Menschen kennen, die viel mehr zurückgeben, als sie an Hilfe bekommen.

Party time!“, ruft Ralf, strahlt in die Runde und legt zum alten Klassiker Tu Vuò Fà L’Americano ein fulminantes Solo aufs Parkett. Die anderen stehen um ihn herum und klatschen begeistert. Als die letzten Takte verklungen sind, verbeugt sich Ralf unter Applaus und „Zugabe!“-Rufen. Ein junges Mädchen stürmt auf ihn zu und drückt ihm einen Kuss auf die Wange. Es ist Karin, seine Tanzkollegin und Freundin, und sie ist sehr stolz auf ihn .

Ralf und Karin sind Mitglieder der I Dance Company, eines Tanzprojekts für junge Menschen mit Down-Syndrom unter der Leitung der ehemaligen Staatsoperntänzerin Beata Vavken. Sie hat mich eingeladen, das Ensemble in seinem Proberaum im Wiener Amerlinghaus zu besuchen. „Der Tanz“, erklärt sie mir jetzt, „bietet den jungen Menschen einen Rahmen für künstlerischen Ausdruck.“ Und durch die Aufführungen erhält ihr Leben eine weitere, spannende Perspektive. Die Tänzerin gründete die I Dance Company vor vier Jahren, „weil mir das Korsett der herkömmlichen Kunst wahnsinnig auf die Nerven ging“, wie sie gesteht. „Ich wollte die Kunst aus den Künstlern selbst herausholen, und das geht bei Menschen mit Down-Syndrom leichter. Sie sindbesonders natürlich und gebefreudig und auf unnachahmliche Weise authentisch.“ Der Tanz sei das perfekte Medium für diese Menschen, verrätdie Tänzerin: „Sie finden darin leichter ihren Ausdruck und können dadurch bestimmte Aspekte ihres Lebens besser verarbeiten .“

Was sie damit meint, sieht man in der Pause: Tänzerin Miriam wirkt, als wäre sie weit weg. Doch kaum ertönt die Musik, ist sie wieder voll da, erspürt den Rhythmus mit einer Hingabe, die mich zutiefst berührt. Nach der Probe unterhalte ich mich mit den I Dancers. Sinah erzählt mir, dass sie 1991 geboren ist: „Ich bin also schon 22 Jahre alt“, rechnet sie vor. Mathias will mir ein Foto auf seinem Handy zeigen, wie selbstverständlich legt er mir dabei den Arm um die Schultern.

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Vergaloppiert? (Konsument 5/2013)

Ständig wiederkehrende Fleischskandale lassen immer mehr Menschen umdenken, pflanzliche Ernährung wird zum Hype.

 Der weltweite Fleischkonsum hat sich in den letzten 40 Jahren mehr als verdoppelt: in Österreich werden laut Statistik Austria (2011) pro Kopf 65,6 Kilogramm Fleisch im Jahr konsumiert, davon 40 kg Schweinefleisch. Das entspricht einem Fleischkonsum von rund 1,2 kg pro Person und Woche. Die Empfehlung des Gesundheitsministeriums lautet: 300 bis 450 g, d.h. maximal 3 Portionen Fleisch oder Wurst pro Woche, und das möglichst fettarm, sind genug. Rotes Fleisch (Rind, Schwein und Lamm) und fetthaltige Wurst sollten noch seltener gegessen werden, da diese einen besonders hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren, Cholesterin und Kochsalz besitzen.

Eine Folge des übermäßigen Fleischkonsums: 40 Prozent der erwachsenen Österreicher sind übergewichtig, zwölf Prozent davon adipös (fettleibig). Bei den 7-14 Jährigen sind bereits 24 Prozent übergewichtig oder adipös. Zudem erhöht sich das Risiko von Erkrankungen wie Herzkreislaufstörungen, Bluthochdruck, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen.

Konventionelle Fleischproduktion

Die Erzeugung von billigem Fleisch ist darauf ausgerichtet, sehr viel Fleisch zu möglichst geringen Kosten zu produzieren. Das zieht nach sich, dass viele Tiere auf wenig Platz in möglichst kurzer Zeit gemästet werden. Daher wird diese Form der Tierhaltung auch als „Intensivtierhaltung“ oder „Massentierhaltung“ bezeichnet – mit teils untragbaren Bedingungen für die Tiere. So hat beispielsweise ein Mastschwein gerade einmal 0,7 m² Platz, mehr als die Hälfte der 2,1 Millionen heimischen Rinder sehen so gut wie nie eine Wiese. Ein großer Teil der Tiere – vor allem Schweine und Mastrinder – wird mit gentechnisch verändertem Soja gefüttert. Gütesiegel wie das AMA-Gütesiegel, „Bauernhofgarantie“ oder ähnliches sind kein Garant für Gentechnikfreiheit, wie oft irrtümlich angenommen wird.

Durch konventionelle Zucht- und Mastmethoden leidet die Qualität des Fleisches extrem: Billiges Fleisch aus Massentierhaltung ist oft blasser und wässriger und wird beim Braten schnell trocken. Ein Verbot zum Einsatz von Antibiotika gibt es in der EU nur im Bereich der Tiermast, nicht aber bei kranken Tieren. Global 2000 deckte im vergangenen Jahr auf, dass sich in österreichischem Hühnerfleisch auf sechs von sieben Proben Antibiotika-resistente Keime befanden. Heidemarie Porstner, Lebensmittel- und Landwirtschaftsexpertin bei Global 2000: „Vor allem in der Massenhaltung von Hühnern, aber auch bei Schweinen und Rindern werden diese Medikamente in großer Menge eingesetzt. Wegen der engen Belegschaft breiten sich Krankheiten schnell aus und deshalb wird oft – besonders bei Hühnern – die gesamte Belegschaft mit Antibiotika versorgt.“ In der Bio-Tierhaltung sind Gentechnik und Antibiotika dagegen verboten

Die Folgen in Kürze:

- Weltweit werden jährlich mehr als 250 Millionen Tonnen Fleisch erzeugt.

- Dafür werden rund 38 Prozent der Getreideernte und 80 Prozent der Sojaernte an landwirtschaftliche Nutztiere verfüttert.

- Österreich importiert jährlich rund 550.000 Tonnen Soja für Tierfutter. Für den Sojaanbau werden große Teile des Regenwaldes gerodet.

- Der oft notwendige hohe Einsatz von chemischen Düngemitteln und Pestiziden bei Monokulturen im Futterbau (z.B. Mais) belasten Böden und Gewässer.

- Laut FAO (Food and Agricultural Organisation der UNO) verursacht die industrialisierte Form der Landwirtschaft 30 Prozent der weltweit ausgestoßenen Treibhausgase, davon gehen wiederum 40 Prozent auf das Konto der Fleischproduktion.

- Künstliche Düngemittel setzen große Mengen an Lachgas (Disticktstoffoxid) frei – Lachgas belastet das Klima knapp 300mal mehr als CO2.

- Die weltweiten Methanemissionen stammen zu 20 Prozent von verdauenden Wiederkäuern. Methan ist 25mal schädlicher für das Klima als CO2.

- 70 Prozent der weltweit gerodeten Regenwaldflächen werden für Weiden und die Produktion von Nutztierfutter eingesetzt.

- Die Folgen für Entwicklungsländer sind schwerwiegend: Je mehr Getreide die Bauern für den Futtermittelexport anbauen, desto weniger Produktionsflächen bleiben ihnen für die eigene Nahrungserzeugung.

- Ein Bericht der FAO geht von einer nochmaligen Verdoppelung des Fleischbedarfs bis 2050 aus.

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Weg vom Wegwerfen (Konsument April 2013)

Das Reparatur und Service Zentrum R.U.S.Z  in Wien ist ein Vorzeigebetrieb in Sachen Sozialwirtschaft und Nachhaltigkeit. Der KONSUMENT stattete dem Betrieb einen Besuch ab und sprach mit Geschäftsführer Sepp Eisenriegler. Text und Fotos von Susanne Wolf.

Im Reparatur und Service Zentrum R.U.S.Z. in Wien Hütteldorf herrscht eine familiäre Atmosphäre: gerade wird ein Techniker mit Umarmung und den Worten „Liebe Grüße an deine Familie“ vom Geschäftsführer höchstpersönlich verabschiedet. „Ich bin als Chef auch Vertrauensperson für meine Mitarbeiter, die wissen, dass sie jederzeit mit ihren Sorgen zu mir kommen können“, erzählt Sepp Eisenriegler, der das R.U.S.Z. 1998 als sozialökonomischen Betrieb gegründet und 2007 privatisiert hat. Die Mitarbeiter, zur Zeit 19 an der Zahl, sind ehemalige Langzeitarbeitslose, die hier zu Spitzentechnikern ausgebildet wurden.

Länger nutzen statt öfter kaufen“, lautet das Mission-Statement des R.U.S.Z. Den Anstoß für die Gründung gab die Begegnung Eisenrieglers mit einem Kundendienst-Techniker, der seinen Geschirrspüler reparieren sollte: „Das Urteil des Technikers lautete, das Gerät sei älter als 5 Jahre, daher zahle sich eine Reparatur nicht mehr aus. Ohne das Gerät auch nur berührt zu haben.“ Eisenriegler dachte nicht daran, den Kundendienst-Mitarbeiter so leicht davon kommen zu lassen und überredete ihn dazu, sich den Geschirrspüler genauer anzusehen. Und siehe da: das einzige Problem war ein verstopfter Schlauch, der ausgeblasen werden musste. Der Geschirrspüler funktioniert heute, nach 15 Jahren, immer noch. „Damals beschloss ich, den Kundendiensten, die als verlängerter Arm der Verkaufsabteilung agieren, etwas entgegenzusetzen – nämlich seriöse Reparaturdienstleistungen“, erzählt der kämpferische Wiener. Das war die Geburtsstunde von R.U.S.Z., ein Jahr später folgte, um der großen Nachfrage gerecht zu werden, das Reperaturnetzwerk Wien. „Ressourcenschonung und -effizienz ist unser übergeordnetes Ziel“, so Eisenriegler. „Jedes Kind kapiert, dass unser Planet nur begrenzt Ressourcen zur Verfügung hat, es wird Zeit, dass das auch konservative Ökonomen wahrhaben.”

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Tierversuche Neu

Seit dem 11. März 2013 gibt es ein EU-Verkaufsverbot für Kosmetikprodukte, deren Inhaltsstoffe an Tieren getestet wurden. Doch das bedeutet leider nicht, dass nun keine Tiere mehr gequält und getötet werden – im Gegenteil: dieses Verbot gilt nämlich nur für Inhaltsstoffe, die ausschließlich in Kosmetika eingesetzt werden. Stoffe, die auch anderweitig verwendet werden können, unterliegen nach wie vor der Chemikaliengesetzgebung, die die Prüfung an Tieren vorschreibt – und das ist die Mehrzahl. Tierversuche für Kosmetika wird es somit auch künftig geben – und nicht nur das: auch Arzneimittel, Impfstoffe und Seren werden an Tieren getestet. Der Gesetzgeber verlangt alle diese Tierversuche, obwohl sie nicht immer notwendig wären.

Die Entwicklung weiterer alternativer Methoden wäre ein wichtiger Schritt für den Tierschutz: die Tierversuchsgesetzgebung schreibt vor, dass Versuche an Tieren nur durchgeführt werden dürfen, wenn keine alternativen Methoden zur Verfügung stehen.

Aber es kommt noch dicker: den wenigsten Konsumenten ist bewusst, dass auch für Putzmittel (!) jedes Jahr viele Mäuse, Ratten, Hasen und Meerschweinchen qualvoll sterben, obwohl es laut Vier Pfoten keinen Grund dafür gibt. Es sind genügend Inhaltsstoffe bekannt, die unbedenklich eingesetzt werden können. Außerdem gibt es hier genügend alternative Testmethoden, die ein unschädliches Reinigungsmittel garantieren können. Eine Europäische Bürgerinitiative setzt sich für ein allgemeines Verbot von Tierversuchen ein.

Die Alternativen:

Zum Glück gibt es immer mehr Naturkosmetik-Labels, die auf Tierversuche verzichten. Einige Beispiele: LUSH, The Body Shop, Ringana, Alverde (DM).

Bei Wasch- und Reinigungsmitteln: Ecover (z.B. bei DM), Sonett, Oxin, Sodasan oder Ulrich – erhältlich sind diese Marken in den Onlineshops oder in Bioläden.

Viele Reinigungsmittel kann man auch selbst herstellen: eine Mischung aus Essig und Salz ergibt einen guten Oberflächenreiniger. Bei Fettflecken: Salz saugt das Fett auf! Wasser und Essig, im Verhältnis 1:1 gemischt, eignet sich  hervorragend zum Fensterputzen.

“Meine Schuhe bleiben länger neu” (Die Furche, 7.3. 2013)

Seit 18 Jahren sitzt Tom Gschwandtner im Rollstuhl. Dieses Handicap hindert ihn nicht daran, ein guter Vater zu sein, raffinierte Bildrätsel zu kreieren oder leidenschaftlich gern Schmäh zu führen – zur Not auch über sich selber.

Tom Gschwandtner wartet vor dem Bahnhof im kleinen Waldviertler Ort Sigmundsherberg. Seine Frau Gabriele steht bereit, um ihm aus dem Auto zu helfen, einem schwarzen Mercedes, ausgestattet mit einem Handgas- und Handbremssystem. Sie ist die gute Seele des Hauses, oder wie ihr Mann es später ausdrücken wird: „Gabi ist ein Wahnsinn, ich wüsste nicht, was ich ohne sie täte!“

Seit einem Verkehrsunfall im Alter von 25 Jahren ist Tom Gschwandtner querschnittgelähmt. „Eine klassische Rauschgeschichte“ erzählt der Waldviertler. „Mein Schwager ist am Steuer gesessen, ich hinten, Gabi am Beifahrersitz.“ Der Lenker fährt zu schnell in eine Kurve, woraufhin der Wagen die Böschung hinunterschlittert und sich überschlägt. Während der Lenker unverletzt bleibt, bricht sich Gschwandtners damalige Freundin und jetzige Frau den 1. und 2. Halswirbel. „Das war noch ein Glück, denn wenn nur der 1. Wirbel bricht, bist du sofort tot“, erklärt ihr Mann. Nach zwei Operationen ist Gabriele Gschwandtners Wirbelsäule wieder hergestellt.

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Lichtstreif am Horizont (Der Österreichische Journalist, März 2013)

Es geht mir um Bewusstseinsschaffung und soziale Gerechtigkeit, darum, dass alles bei sich selbst anfängt, daher mein Motto: Sei selbst die Veränderung. Das fängt schon beim Selbstwertgefühl an: es wirkt sich auch auf die Umwelt aus, wenn jemand bewusst auf sich selbst schaut und darauf, wie es anderen geht. Wenn ich mit mir selbst im Reinen bin, behandle ich auch meine Umwelt, also meine Mitmenschen, die Natur, die Tiere besser.“

Neulich wurde ich erstmals in meiner Eigenschaft als Nachhaltigkeits-Journalistin interviewt. Das Ergebnis im Magazin „Der Österreichische Journalist“ seht ihr hier.