Lebenselixier Wald

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Die weltweite Zerstörung der Wälder hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima, sondern auch auf unsere Gesundheit. Wir brauchen den Wald zum Überleben.

Bäume, die sich um ihren Nachwuchs kümmern und miteinander kommunizieren: Der Wald ist ein Naturphänomen, dessen faszinierende Eigenschaften erst langsam ans Licht kommen. Der Förster Peter Wohlleben erklärt in seinem Buch „Das Geheime Leben der Bäume“, dass Bäume soziale Wesen sind, die einander unterstützen. Dass sie auch den Menschen positiv beeinflussen und Waldluft sich positiv auf unsere Gesundheit auswirkt, wird zunehmend anerkannt: Durch das Einatmen der ätherischen Öle, die die Bäume in die Luft abgeben, wird das Immunsystem gestärkt. Unser Körper produziert aufgrund der in der Waldluft enthaltenen Terpenoide verstärkt sogenannte Killerzellen, die gegen Krebs wirken. Studien haben zudem ergeben, dass sich durch den Aufenthalt im Wald Angstzustände, Depressionen und Wut verringern sowie Stresshormone abgebaut werden. Das sogenannte „Waldbaden“ gilt in Japan als anerkannte Stress-Management-Methode, die vom Gesundheitswesen gefördert wird.

Dass umgekehrt die Zerstörung von Wäldern zur Ausbreitung von Krankheiten führt, ist durch die Corona-Pandemie ins öffentliche Bewusstsein gelangt: „Vor allem die Abholzung der Regenwälder trägt dazu bei, dass der Lebensraum für Wildtiere kleiner und enger wird“, erklärt Georg Scattolin, Artenschutzexperte beim WWF Österreich. „Dadurch werden sie zunehmend in die Nähe des Menschen und dessen Siedlungen gedrängt. So entstehen immer mehr gefährliche Schnittstellen zwischen Tier und Mensch, an denen sich Infektionskrankheiten übertragen können, sogenannte Zoonosen.“

Wald als Klimaanlage Wald dient als Wasserspeicher, er steuert den Wasserkreislauf, speichert CO2 und gibt Sauerstoff ab. Ein Hektar Wald speichert rund 13 Tonnen CO2 pro Jahr, ein Quadratmeter Waldboden kann bis zu 400 Liter Wasser speichern. Eine 20 Meter hohe Fichte gibt pro Tag rund 21.000 Liter Sauerstoff ab – das entspricht dem Sauerstoffbedarf von 35 Menschen pro Tag. Dazu kommt die angenehme Luft im Sommer: in Wäldern ist es bis zu sechs Grad kühler als in Stadtgebieten. „Rund 15 Prozent der weltweit verursachten Treibhausgasemissionen sind auf die Vernichtung von Wäldern zurückzuführen“, sagt Georg Scattolin. Tropische Regenwälder seien dabei von besonderer Bedeutung, da sie aufgrund des hohen Biomasse-Vorrats um 50 Prozent mehr Kohlenstoff speichern als Wälder außerhalb der Tropen. Der riesige Amazonas-Regenwald etwa recycelt sein eigenes Wasser, erzeugt Feuchtigkeit und trägt zur Stabilisierung des globalen Klimas bei. Der Verlust weiterer Waldflächen könnte Millionen Tonnen von Treibhausgasen in die Atmosphäre freisetzen und das System über seinen ökologischen Kipppunkt hinausschieben. In diesem Fall könnte die Region zu einer Quelle statt zu einem Speicher von CO2 werden. „Man schätzt, dass dieser Wendepunkt im Amazonasgebiet durch eine Abholzung von 20-25 Prozent erreicht wird“, erklärt Scattolin. „Wir befinden uns bereits bei etwa 20 Prozent.“

Darüber hinaus bieten Wälder unzähligen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause: Zwei Drittel der etwa 1,8 Millionen bekannten Spezies leben laut dem US-amerikanischen World Resources Institute in Waldgebieten. Die weltweiten Rodungen von Wäldern haben bereits das sechste Massenaussterben der Erdgeschichte eingeleitet. „Im Gegensatz zu den fünf vorangegangenen wird das gegenwärtige Massensterben von Tieren und Pflanzen nicht durch Naturkatastrophen verursacht“, erklärt Georg Scattolin. „Dass über eine Million Tier- und Pflanzenarten weltweit vom Aussterben bedroht sind, liegt an der Lebensraumzerstörung und Übernutzung des Planeten durch den Menschen.“

Gute Nachrichten Zum Glück gibt es auch gute Nachrichten: Weltweit gibt es immer mehr Projekte, deren Ziel es ist, möglichst viele Bäume zu pflanzen, wie die Suchmaschine Ecosia, die Organisation Plant for the Planet oder Primaklima. Auch einzelne Länder gehen mit gutem Beispiel voran: Costa Rica etwa hat in den letzten Jahrzehnten konsequent seine Wälder aufgeforstet, nachdem in den 1970er Jahren rund 80 Prozent des Regenwaldes gerodet worden waren. Heute sind wieder mehr als 50 Prozent des Landes bewaldet. Auch Österreich ist ein Vorbild beim Schutz der Wälder: Es gibt ein strenges Forstgesetz, das besagt: Alles was Wald ist, muss Wald bleiben. „Abholzung darf nur für die Nutzung des Holzes erfolgen, der Wald muss wieder in Bestand gebracht werden, wie es in der Forstwirtschaft heißt“, erklärt Norbert Putzgruber von den Österreichischen Bundesforsten. Hierzulande werden die Waldflächen sogar größer – und sie werden durch gezielte Maßnahmen an den Klimawandel angepasst. Da die vorherrschenden Fichten aufgrund steigender Temperaturen und Trockenheit zurückgehen, wird nun vermehrt auf robustere Bäume wie Eichen oder Tannen gesetzt – und auf Biodiversität: „Mischwälder und Artenvielfalt haben sich als wesentlich resilienter gegen negative Umwelteinflüsse und Schädlinge erwiesen als Monokulturen“, erklärt Norbert Putzgruber. „Ein System ist nur resilient, wenn es vielfältig ist.“

 

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