Krise als Chance

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Das Corona-Virus hat uns fest im Griff. Während die Wirtschaft stillsteht und weltweit Menschen betroffen sind, wird immer deutlicher, wie sich nun ein zerstörerischer Kreislauf schließt.

Wir erinnern uns: Die Corona-Pandemie nahm ihren Ausgang auf einem Wildtiermarkt im chinesischen Wuhan; die Krankheit wurde mit großer Wahrscheinlichkeit von einem Tier übertragen. Solche Infektionskrankheiten, die die Artenschranke überwinden, werden Zoonosen genannt, und sie nehmen zu. „Menschen dringen immer weiter in intakte Lebensräume ein, erschüttern, verändern und zerstören sie. Damit beeinträchtigen wir die Artenvielfalt und verringern den notwendigen Barriereraum zwischen Mensch und Tier“, sagt Lukas Meus, Waldexperte bei Greenpeace. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Viren vom tierischen Wirt auf den Menschen überspringen und Epidemien ausbrechen.“ Die Folge daraus: Umweltschutz und die Vermeidung der Abholzung von Wäldern sind der beste Schutz vor Zoonosen.
Wenn wir also glauben, das Virus „bekämpfen“ zu müssen, wie es in unserer Sprache und den Medien üblich ist, übersehen wir, dass es in Wahrheit um viel mehr geht, nämlich um die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen, um Umwelt- und Artenschutz, letztendlich um ein Hinterfragen des ausbeuterischen Wirtschaftssystems. „Unsere Missachtung der Natur und unsere Respektlosigkeit gegenüber  Tieren haben die Pandemie verursacht“, sagt die Primatenforscherin und Umweltaktivistin Jane Goodall.

Auch in anderen Bereichen zeigt die Corona-Krise die Schwächen unseres ausbeuterischen Systems auf: Kaputt gesparte Gesundheitssysteme, unsere Abhängigkeit von Warenimporten aus China, Globalisierung und Massentourismus (auch aufgrund von billigen Flügen), die zur schnellen Verbreitung von Viren führen.  Chinesische Billigarbeiter in der norditalienischen Modeindustrie, die vergangenen Jänner in der Heimat das chinesische Neujahr feierten, haben das Virus bei ihrer Rückkehr vermutlich eingeschleppt. Und nun werden aufgrund geschlossener Grenzen Billigarbeitskräfte (Pflegepersonal, Erntehelfer) aus Ostländern eingeflogen – obwohl hunderttausende Österreicher  arbeitslos geworden sind. Die Profiteure dieser Krise sind dagegen, wie so oft, die großen Konzerne wie Netflix oder Amazon. Binnen zweier Wochen verzehnfachte sich die Nachfrage nach dem Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh; das Vermögen des Amazon-CEO Jeff Bezos ist seit Beginn der Corona-Pandemie um 24 Milliarden US-Dollar gewachsen.

Hören wir also auf, uns etwas vorzumachen: auch wenn gerade in manchen Weltgegenden die CO2-Emissionen zurückgehen und Videos von Delfinen in Venedigs Kanälen kursieren, geht es um weit mehr. Die Abholzung im brasilianischen Regenwald hat seit Beginn der Corona-Pandemie um 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zugenommen, der Verlust von Biodiversität hat weltweit dramatische Ausmaße erreicht. Und die Klimakrise macht keine Pause: In Österreich fürchten Bauern nach wochenlanger Trockenheit nun um ihre Existenz. Wenn es also nur noch darum geht, dieses Virus zu „bekämpfen“ und wir Umwelt- und Klimaschutz auf später verschieben, zeigt das, dass wir nichts verstanden haben.

Der WWF empfiehlt folgende Maßnahmen:

1. Illegalen Wildtierhandel stoppen und legalen Artenhandel besser kontrollieren:
Der gefährliche illegale Handel muss strikt unterbunden werden, unregulierte Märkte gehören geschlossen. Verbesserungen im legalen Handel, etwa durch höhere hygienische Standards, sind dringend notwendig. Hier braucht es gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer mehr Unterstützung.

2. Artenvielfalt schützen und ihren Wert für menschliche Gesundheit erkennen:
Der Schutz der biologischen Vielfalt und ein Ende der Lebensraumzerstörung sind Schlüsselfaktoren für die menschliche Gesundheit. Österreich muss international eine Vorreiterrolle für entwaldungsfreie und nachhaltige Lieferketten einnehmen. Die Finanzwirtschaft sowie staatliche Konjunkturprogramme müssen an ökologischen und sozialen Kriterien ausgerichtet werden.

3. Die Gesundheit von Menschen, Wildtieren und Umwelt muss konsequent zusammen gedacht werden:
Die Zusammenhänge zwischen Lebensraumzerstörung, Artensterben und der menschlichen Gesundheit müssen sowohl in der Politik, als auch in der globalen Gesundheitsvorsorge und in der Forschung stärkeres Gewicht erhalten. Denn ohne Trendwende und bessere Vorsorge drohen vermehrt Epidemien oder gar Pandemien.

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