„Taten sind wichtiger als Hoffnung“

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Ein junges Mädchen steht auf der Bühne, es spricht langsam, wirkt völlig ruhig. Was Greta Thunberg zu sagen hat, ist ein Aufruf zum Handeln, eine Aufforderung zum zivilen Ungehorsam.

Die heute sechzehnjährige Klimaaktivistin Greta Thunberg erzählt in ihrer TEDx-Rede, dass sie jeden Freitag vor dem schwedischen Parlament in Stockholm protestiert, statt in die Schule zu gehen. Sie will die Politik dazu auffordern, das Pariser Klimaabkommen umzusetzen. „Ich werde die Politiker nicht anflehen, sich um unsere Zukunft zu kümmern. Ich lasse sie stattdessen wissen, dass Änderungen kommen – ob sie wollen oder nicht.“ Auch auf der Klimakonferenz in Katowice, die mit völlig unzureichenden Ergebnissen zu Ende ging, hielt Greta eine vielbeachtete Rede (mit deutschen Untertiteln). Weltweit folgen immer mehr junge Menschen ihrem Beispiel und gehen für Klimaschutz auf die Straße. #climatestrike

Dringend notwendige Änderungen Zahlreiche Experten und Studien weisen darauf hin, dass wir auf eine ökologische Katastrophe innerhalb der nächsten Jahrzehnte zusteuern, wenn wir weitermachen wie bisher, mit noch nicht absehbaren Folgen für die Menschheit. Ein globaler Wandel wäre dringend notwendig: Eine Änderung in unserem neoliberalen und auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftssystem, weg von der Ausbeutung von Ressourcen hin zu einem nachhaltigen Lebensstil für alle, eine Abkehr von fossilen Energien und von der industriellen Landwirtschaft. Die größte Bedrohung für die Menschheit ist der Klimawandel. Zwar findet zunehmend ein Bewusstseinswandel statt, immer mehr Menschen begreifen, dass wir so nicht weitermachen können. Wir haben einen Zeitpunkt erreicht, in dem es nicht mehr ausreicht, den eigenen Lebensstil zu ändern – wirklich große und weitgreifende Veränderungen lassen jedoch auf sich warten oder gehen viel zu langsam voran. Die Politik versagt vielfach, mit wenigen Ausnahmen: Costa Rica möchte bis 2021 seinen Strombedarf ausschließlich mit erneuerbaren Energien decken, Bhutan plant bis 2020 reine Bio-Landwirtschaft. Amerikanische Politiker wie der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio oder Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom bieten Donald Trump bei der Klimapolitik die Stirn.

(c) System Change

Weltweite Bewegungen Immer mehr Menschen wollen die Untätigkeit in der Politik und die Auswirkungen unseres Wirtschaftssystems nicht mehr hinnehmen und schließen sich mit Gleichgesinnten zusammen, sie gründen Tauschnetzwerke oder engagieren sich in weltweiten Bewegungen. Die Organisation 350.org macht gegen fossile Brennstoffe mobil, im Zuge der Divestment-Bewegung ziehen Entscheidungsträger ihre Investitionen aus fossilen Energien ab, weltweit gibt es immer mehr Transition Towns – eine Initiative, die regionale Wirtschaft, Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Selbstversorgung anstrebt. In Österreich gibt es eine Initiative für die Einleitung eines Klimavolksbegehrens – unser Land zählt in der EU zu den Schlusslichtern beim Rückgang der CO2-Emissionen.

(c) privat

Überzeugung und Verhalten Um unser Überleben und das des Planeten zu sichern, wird es noch viel mehr Menschen brauchen, die nicht nur bereit sind, ihren eigenen Lebensstil zu ändern, sondern die auch aktiv werden und Druck auf Politiker und Konzernbosse ausüben. Was jedoch hält so viele Menschen davon ab, die nötigen Schritte zu setzen? Die Psychologin Julia Shaw verweist in ihrem Buch „Das trügerische Gedächtnis“ auf die sogenannte kognitive Dissonanz: „Überzeugung und Verhalten passen nicht zusammen. Das ist ein unangenehmes Gefühl und deshalb muss man eines von beiden ändern. Da die meisten nicht ihr Verhalten ändern wollen, ändern sie lieber ihre Überzeugungen.“ Oder wie schon Ödön von Horvath sagte: „Ich bin nämlich eigentlich ganz anders, aber ich komme nur so selten dazu.“
Auf die Frage, wie man mehr Menschen dazu bringen könne, aktiv zu werden, antwortet Greta Thunberg: „Die Medien müssten endlich damit beginnen, ausführlich über die Klimakrise zu berichten. Wenn ein Fußballspiel mehr Aufmerksamkeit bekommt, werden die Leute sich denken: ‚So wichtig kann die Klimakrise gar nicht sein.‘“

Lösungen – es gibt sie! Genauso wichtig wie ausführliche Berichte über die drohenden Auswirkungen des Klimawandels ist jedoch das Aufzeigen möglicher Lösungen. Von denen gibt es bereits genug – von erneuerbaren Energien über Gemeinwohlökonomie bis Permakultur – sie warten nur darauf, umgesetzt werden, und zwar weltweit. Die Dokumentarfilme „Tomorrow“ und „Zeit für Utopien“ etwa zeigen solche Beispiele auf. Es geht um zukünftige Generationen, die die Auswirkungen des Klimawandels mit voller Wucht zu spüren bekommen werden. Daher sind es auch zunehmend junge Menschen, die sich für mehr Klimaschutz einsetzen. Greta Thunberg sagt: „Natürlich brauchen wir Hoffnung. Aber noch viel wichtiger sind Taten. Sobald wir Taten setzen, wächst auch die Hoffnung.“

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1 Kommentar

  1. Monika Dörfler on

    Liebe Susanne, vielen Dank für den guten Kommentar! Die Hoffnung wird mit den Taten vieler kommen, daher sollten jede/r heute anfangen!

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