Beziehungsleben

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Mein Mann und ich haben etwas zu feiern: Wir sind seit 15 Jahren ein Paar. In all den Jahren haben wir uns geliebt und gestritten, Machtkämpfe ausgefochten und Krisen überstanden. Und wissen heute mehr denn je: Wir gehören zusammen.

Wir sind in manchen Belangen wie Tag und Nacht, in anderen ergänzen wir uns wunderbar: Mein Mann liebt das kreative Chaos und lässt die Dinge gerne auf sich zukommen, ich plane lieber und bin gut organisiert. Er ist ein überschwänglicher Mensch, der am liebsten die ganze Welt umarmen würde, ich werde von Freunden gerne als „freundlich-distanziert“ bezeichnet. Er liebt das Bad in der Menge, ich genieße das Alleinsein. Und wir sind zwei Dickköpfe, was die Sache nicht unbedingt einfacher macht. Es gab Zeiten, in denen wir mehr gegeneinander waren als miteinander, und Momente, in denen ich am liebsten gegangen wäre. Doch eines vereint uns: In unserem tiefsten Inneren haben wir stets gespürt, dass wir gut füreinander sind, und diese Verbundenheit motiviert uns immer wieder aufs Neue, aufeinander zu zu gehen. Wir teilen dieselben Werte: Gleichheit, Gerechtigkeit, Weltoffenheit. Das größte Geschenk ist jedoch unsere Tochter. Dieses wunderbare Mädchen ist Grund genug für mich, das Beste aus meiner Beziehung zu machen. Ich möchte ihr vorleben, dass es möglich ist, eine selbstbestimmte Frau zu sein und zugleich eine Partnerschaft auf Augenhöhe zu führen.

(c) privat

Ich bin überzeugt davon, dass wir, wenn wir uns auf unseren Partner wahrhaftig einlassen, heil werden können. Unsere Partner sind immer Spiegel unserer selbst. Das kann weh tun, weil wir alle Kindheitsverletzungen in uns tragen und unser Partner mit großer Wahrscheinlichkeit an diesen Wunden rühren wird. Was uns zu Beginn am Liebsten anzieht und berührt, wird uns später lästig, sobald die erste Verliebtheit vorbei ist. Doch darin liegt unsere große Chance: wenn wir uns einander anvertrauen, unseren alten Verletzungen nachspüren, können wir gemeinsam diese Wunde heilen. Dazu ist es allerdings notwendig, den Partner als Verbündeten zu sehen und nicht als Feind. In unseren größten Krisenzeiten haben mein Mann und ich uns daher Hilfe von außen geholt. „Wenn wir als Paar Krisen durchstehen, an der Beziehung arbeiten und uns nicht gleich trennen, entwickeln wir uns weiter, werden reifer“, sagt Sabine Bösel, Imago-Therapeutin.

Ich selbst habe durch frühe Verletzungen und aufgrund negativer Erfahrungen mit Männern lange keinen Partner an mich heran gelassen. Meine Mutter und mein Vater trennten sich, als ich vier war, mein Stiefvater verließ uns zu Beginn meines Erwachsenenlebens. Mich einem Mann mit Haut und Haaren anzuvertrauen, machte mir lange Zeit Angst – was dazu führte, dass ich mir Männer suchte, die mich wahlweise auf Abstand hielten oder mich nicht respektierten (oder beides). Mein Mann trat in mein Leben, als es mir am dreckigsten ging: Ich hatte eine schmerzhafte Trennung hinter mir und einen kleinen Sohn, der unendlich unter dieser Trennung litt. Richard hörte sich geduldig meine Probleme und Selbstvorwürfe an und gab mir das Gefühl, immer für mich da zu sein. Durch ihn lernte ich, mich selbst wert zu schätzen. Dennoch hatte ich Angst, mich erneut auf eine Beziehung einzulassen und hielt ihn vorerst auf Abstand – und neige bis heute dazu, mich zurück zu ziehen, wenn die Nähe zu groß wird. Mein Mann wiederum ist ein Mensch, der Nähe sucht – wie kann das funktionieren?

Die unumstößliche Wahrheit ist: Es gehören zwei dazu. Zwei, die bereit sind, sich wieder und wieder aufeinander einzulassen, sich der täglichen Beziehungsarbeit zu stellen und nach jeder Krise einen Schritt weiter zu gehen. Das erfordert viel Mut und die bewusste Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Partner. Die Belohnung dafür ist ein bereichernder Austausch, ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, das jede Krise überwinden kann.

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