Einer gegen alle

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Donald Trump weigert sich hartnäckig, den Klimawandel anzuerkennen. Mit dieser Haltung isoliert der US-Präsident sich zunehmend vom Rest der Welt.

„America first“ – dieser Slogan begleitet den US-Präsidenten Donald Trump, wo immer er auftritt. Auch bei seiner Rede am Weltwirtschaftsforum in Davos ging es vor allem um Investitionen in den USA. Mit seiner Ankündigung, aus dem Klimaschutzabkommen von Paris aussteigen zu wollen, stand Trump in Davos jedoch alleine da. Beim G7-Gipfel auf Sizilien positionierten sich beim Klimaschutz sechs Staaten gegen die USA, ein bis dahin nicht da gewesener Vorgang. Im Zuge des Klimagipfels 2017 in Bonn kündigte Syrien an, dem Klimaabkommen beitreten zu wollen – damit sind die USA das einzige Land, das draußen bleibt.

Rückständige Klimapolitik „Donald Trump ist offensichtlich ein Instrument der Öl- und Gaslobby in den USA“, sagt der Ökonom Jeffrey Sachs. „Sie kontrolliert die entscheidenden Behörden seiner Regierung und die wichtigsten Stimmen im Kongress.“ In Interviews und Tweets stellt der US-Präsident regelmäßig seine Unwissenheit über den Klimawandel zur Schau. Die Klimapolitik seines Vorgängers Barack Obama macht Trump Schritt für Schritt zunichte, zuletzt mit der Rücknahme des „Plans für saubere Energie“ (Clean Power Plan), der amerikanischen Stromerzeugern vorschrieb, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren. Im Juni 2017 fand die Eröffnung der umstrittenen Dakota Access Pipeline statt, die vom erdölreichen US-Bundesstaat zum Pipelineknotenpunkt Patoka, Illinois führt. Da Klagen der Sioux-Indianer aus der Standing Rock Reservation vor mehreren Bundesgerichten gegen die Pipeline laufen, ist sie noch nicht in Betrieb. Erst im Dezember 2016 hatte US-Präsident Barack Obama einen Baustopp für das Projekt verfügt.

Breite Front für den Klimaschutz Selbst in den USA steht Donald Trump mit seiner Klimapolitik zusehends alleine da. Frühere Berater wie Tesla-Chef Elon Musk zogen sich aus Protest aus Beratergremien der US-Regierung zurück. Gegenwind kommt auch von einzelnen Governeuren und Bürgermeistern sowie von großen Unternehmen wie General Electric, Apple oder Facebook. Die Branche der erneuerbaren Energien beschäftigt in den USA mehr Menschen als die der fossilen und gerade Technologie-Unternehmen wie Facebook oder Google fordern von den Energieversorgern Strom aus erneuerbaren Energien. Selbst Unternehmen wie die Ölkonzerne Chevron und ExxonMobil, die vermeintlich von Trumps Entscheidung profitieren könnten, bekräftigten ihre Unterstützung für das Pariser Klimaabkommen. Bereits sechs große US-Städte mit insgesamt 21 Millionen Einwohnern haben ein Abkommen unterzeichnet, in dem sie sich zu den Pariser Klimazielen bekennen. Unterschrieben haben die Bürgermeister von New York, Chicago, Orlando oder Los Angeles, ihr Dekret haben sie als offenen Brief 71 Bürgermeistern zur Unterschrift vorgelegt. New York hat eine Vorreiterrolle im Klimaschutz übernommen: Bereits 2007 legte der damalige Bürgermeister Michael Bloomberg einen ehrgeizigen Umweltplan vor, sein Nachfolger Bill de Blasio hat die Ziele noch erweitert: Die Treibhausgase in New York sollen bis zum Jahr 2050 um mindestens 80 Prozent gesenkt werden. Und auch Kalifornien zeigt vor, wie es geht: 2016 verabschiedete der Bundesstaat ein Gesetz mit den USA-weit strengsten Treibhausgasauflagen.

Wetterkapriolen und Naturkatastrophen Wenige Tage vor Beginn der Klimakonferenz 2017 in Bonn veröffentlichten 13 US-Behörden einen Klimareport, der in weiten Teilen den Positionen der Trump-Regierung zum Klimawandel widerspricht. Darin wird deutlich, dass die globale Erwärmung zum weitaus größten Teil von Menschenhand verursacht wird. Die US-Regierung versuchte trotz des offensichtlichen Gegensatzes zu ihren eigenen Standpunkten nicht, die per Gesetz alle vier Jahre vorgeschriebene Veröffentlichung zu blockieren. Viele Forscher hatten eine solche Einflussnahme im Vorfeld befürchtet. „Im vergangenen Jahr gab es in der Karibik vier Hurricans der Kategorie 5, zwei davon betrafen die USA“, sagt der Klimaexperte Saleem Huq vom International Centre for Climate Change and Development. „Diese Dichte an zerstörerischen Hurricans hat es nie zuvor gegeben.“ Huq erlebte auf der Klimakonferenz in Bonn mit, wie inoffizielle Vertreter der USA, darunter NGOs, Gouverneure oder Bürgermeister, aber auch prominente Klimaschützer wie Al Gore oder Arnold Schwarzenegger, sich zum Klimaabkommen bekannten. Huqs Heimat Bangladesh gehört zu den Staaten, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind. „In den Gebieten entlang der Küste steigt der Salzgehalt im Wasser, wodurch die Trinkwasserversorgung gefährdet ist.“ 2017 gab es eine große Flut, die 2000 Todesopfer forderte. Die Regierung von Bangladesh stellt Gelder zur Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung – im Gegensatz zum US-Präsidenten: „Nach den großen Hurricans in Texas und Florida ließ Trump die Menschen dort im Stich“, so Huq. „Seine Haltung gegenüber dem Klimawandel schadet seinen eigenen Leuten – der Rest der Welt hat den Ernst der Lage längst erkannt.“

1,5 Grad-Ziel in weiter Ferne Mit der Drohung der USA, aus dem Klimaabkommen aus zu steigen, übernahm China die Führungsrolle in der weltweiten Klimapolitik. Der weltgrößte CO2-Emittent treibt die Energiewende mit großem Tempo voran und investiert in großem Stil in erneuerbare Energien. Selbst Indien, das sich lange gegen eine verbindliche Klimapolitik wehrte, setzt nun zunehmend auf erneuerbare Energien. Dennoch bleibt viel zu tun: „Um das 1,5-Grad-Limit (das Eindämmen des weltweiten Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad, Anm.) einzuhalten, müssen die Emissionen in ausnahmslos allen Sektoren schneller und stärker sinken als jemals zuvor“, konstatiert ein Entwurf des neuen Sonderberichts des Weltklimarates IPCC. Schreitet die Erderwärmung voran wie bisher, so der Bericht, wird die Welt das 1,5-Grad-Limit in den vierziger Jahren dieses Jahrhunderts überschreiten. Das hätte zur Folge, dass die Eisschilde auf Grönland und in der Antarktis kollabieren und damit der Meeresspiegel in den kommenden Jahrhunderten unwiderruflich um mehrere Meter steigt. Um das 1,5-Grad-Ziel zu schaffen, darf die Welt, gerechnet ab 2016, nur noch zwölf bis 16 Jahre Treibhausgase im heutigen Umfang in die Atmosphäre ausstoßen; danach müssten die Emissionen komplett auf null sinken.

Anfang dieses Jahres erklärte der US-Präsident bei einer Pressekonferenz in Washington halbherzig, einen Verbleib im Klimaabkommen von Paris nicht mehr auszuschließen. Offen bleibt, ob er tatsächlich den Ausstieg der USA beabsichtigt oder lediglich abgeschwächte Emissionsziele für sein Land erreichen will. Ein formeller Ausstieg wäre ohnehin frühestens Ende 2020 möglich.

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1 Kommentar

  1. … und eine sehr spannende und gut gemachte Doku zu dem Thema gibt es seit 2016 vom bekannten Schauspieler und bekennenden Umweltaktivisten Leonardo Di Caprio: „Before the Flood“. Sehr sehenswert. und: macht sowohl nachdenklich und regt zum eigenen Handeln an! …

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