Die Entdeckung der Langsamkeit

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Nach jahrelanger Auto-Abstinenz hatte ich vor, mir einen Wagen auszuleihen, um auf schnellstem Wege zu einem beruflichen Termin in Niederösterreich zu gelangen. Doch dann kam alles anders.

Ich hatte mich beim Carsharing angemeldet und eine Probefahrt gemacht. Doch das Auto und ich, wir wurden nicht warm miteinander. Denn ich besitze schon lange kein eigenes Auto und wenn wir, was selten genug vorkommt, doch einmal eines ausleihen, sitzt mein Mann am Steuer. Sehr unemanzipiert, wie ich mir bisweilen dachte. Daher die Idee: Ich frische meine Autofahrkenntnisse auf und bin als rasende Reporterin im schnittigen Flitzer unterwegs zu beruflichen Terminen.

„Heute kassier ma nix, des Kastl is hin.“

Und so sah die Wrklichkeit aus: Ich reise per S-Bahn nach Korneuburg, um dort in den Bus umzusteigen. Der Busfahrer begrüßt mich mit sympathischem Akzent und den Worten: „Heute kassier ma nix, des Kastl is hin.“ Fein, denke ich mir, mache es mir im Sitz gemütlich und lasse Wiesen und Felder an mir vorbeiziehen. Mache Bekanntschaft mit Dörfern wie Hipples, Lerchenau und Seebarn und komme eine knappe Stunde später am Ziel an (mit dem Auto wären es zwanzig Minuten gewesen). Auf dem Rückweg wandere ich eine halbe Stunde die Landstraße entlang, um zu einer Busstation zu kommen, die halbwegs regelmäßig vom ÖBB-Bus angefahren wird. Nur um festzustellen, dass ich im Fahrplan das Kleingedruckte überlesen habe und der nächste Bus in zwei Stunden kommt. Ich setze mich also ins nächste Café, erledige dank Smartphone ein paar Telefonate und Mails und lasse mir die zu schreibende Geschichte durch den Kopf gehen.

Und ich stelle nicht zum ersten Mal fest: im Schneckentempo unterwegs zu sein, macht Spaß! Auch wenn zuhause massenhaft Arbeit auf mich wartet und ich mir kurz zuvor noch den Kopf darüber zerbrochen habe, wie ich sie mir einteilen werde, ändert sich das schlagartig, sobald ich in einem Zug oder Bus sitze. Dann sehe ich draußen die Landschaft an mir vorbeiziehen, mein System begibt sich in den Ruhemodus und ich kann tatsächlich abschalten. Meistens stellt sich danach heraus, dass sich ohnehin alles gut ausgeht. Fazit: wenn ich das nächste Mal dringend ein Auto brauche, kann ich immer noch üben.

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