Heini Staudinger – Rebell aus dem Waldviertel

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Der Waldviertler Unternehmer Heini Staudinger setzt sich für ein gerechtes Wirtschaftssystem ein und schafft Arbeitsplätze in der Region.

Die Waldviertler Schuhwerkstatt wurde 1994 als Sozialprojekt gegründet und ist eine der letzten Produktionsstätten für Schuhe in Europa. Geschäftsführer Heini Staudinger wurde in den letzten Jahren für seinen Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) bekannt: Er hatte sich Geld von privaten Unterstützern geliehen und war dafür mit einer Geldstrafe belangt worden. Als er sich weigerte, die Strafe zu zahlen, holten sich Exekutoren der FMA das Geld direkt aus den GEA-Geschäften. Der Konflikt führte zum Alternativen Finanzierungsgesetz, das rechtliche Rahmenbedingungen für Crowdfunding schafft. Seitdem ist der Unternehmer ein gefragter Mann. So gefragt, dass er in regelmäßigen Abständen Menschen in sein Unternehmen einlädt, die ihm Fragen stellen oder die Firma besichtigen möchten. Zu einem dieser „Heini für alle“- Tage machte ich mich auf den Weg nach Schrems im Waldviertel.

„Wir brauchen Arbeitsplätze für junge Menschen“
©Susanne Wolf

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Die Waldviertler Schuhwerkstatt prägt das Stadtbild von Schrems: Erst kürzlich wurden die Verkaufsräume erneuert, zwei wunderschöne Jurten aus Holz beherbergen nun die berühmten Waldviertler Schuhe und Möbel. An einer kleinen Bar gibt es Kaffee und der lichtdurchflutete Raum lädt zum Verweilen ein. Auf den Dächern der Werkstätten sind Solarkollektoren installiert. Im Unternehmen herrscht eine flache Hierarchie, alle bekommen das gleiche Gehalt. Die Stimmung ist freundschaftlich, Staudinger ist mit seinen Mitarbeitern per Du. Bei einer Führung über das Firmengelände erfahre ich:

©Susanne Wolf

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Rund 160 Angestellte sind hier beschäftigt, für die strukturschwache Region ein wichtiger Impuls. Von 28 heimischen Schuhmacherlehrlingen arbeiten zehn bei GEA, davon drei afghanische Asylwerber. Sie besuchen die Berufsschule für Schuhmacher in Schrems. „Wir brauchen Arbeitsplätze für junge Menschen“, ist Staudinger überzeugt. „Da die Produktion in Österreich immer teurer geworden ist, mussten wir jedoch einen Teil nach Ungarn und Tschechien ausgelagert.“. Das (Kuh-)Leder kommt aus Deutschland und der Türkei. „Ich habe die türkische Gerberei persönlich besucht, um mir ein Bild davon zu machen.“

„Großunternehmen müssen für ihre Milliardengewinne nur einen Bruchteil an Steuern bezahlen“
©Susanne Wolf

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Wir sitzen im Garten hinter dem Firmengelände und Staudinger erzählt von der „Formel Z“ – seine Antwort auf die steuerliche Begünstigung großer Unternehmen. „Wenn Red Bull für seinen Formel-1-Rennstall mehr als 300 Millionen Euro im Jahr ausgibt, kann die Firma das von der Steuer absetzen“, so der Unternehmer. „Wenn wir aber einer alleinerziehenden Mutter den Monatslohn um 100 Euro erhöhen, dann kostet das unserer Firma, inklusive aller Dienstgeberabgaben, 131 Euro im Monat. Die Mutter bekäme davon allerdings nur 52 Euro.“ Bei der Formel Z gehen die Kinder der GEA-Mitarbeiterinnen an den Start – auf Tretrollern und Fahrrädern. Die „Preisgelder“ sind steuerfrei. Mit dieser Aktion protestierte Staudinger auch gegen seinen jahrelangen Konflikt mit der Finanzmarktaufsicht, die den Unternehmer wegen privater Kredite belangte. „Großunternehmen wie IKEA müssen für ihre Milliardengewinne nur einen Bruchteil an Steuern bezahlen. Warum treiben die Gerichtsvollzieher nicht dort ihr Geld ein?“ An privaten Geldgebern würde es Staudinger jedenfalls nicht mangeln, auf einer Warteliste stehen 500 Namen von Menschen, die den Unternehmer gerne unterstützen würden. „Im Moment brauche ich aber kein Geld.“

„Ich glaube, wir haben alle zu viel Angst.“
©Susanne Wolf

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Staudinger erzählt gerne, und er hat eine Menge zu sagen. Auf seinen regelmäßigen Reisen nach Afrika macht er sich ein Bild von dort herrschenden Bedingungen. „In Addis Abeba habe ich eine lange Reihe von Lagerhallen gesehen, wo für chinesische Unternehmen produziert wird – vermutlich zu Hungerlöhnen.“ Der kämpferische Waldviertler prangert das vorherrschende Wirtschaftssystem an, wo es nur geht und setzt sich für ein gemeinwohlorientiertes Wirtschaften ein – und fordert Konsumenten auf, sich auf die Füße zu stellen: „Wir müssen uns zusammentun, uns organisieren. Wir brauchen nicht um unser Leben zu fürchten, sondern höchstens um ein Stück vom Wohlstandskuchen.“

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1 Kommentar

  1. Ein guter, informativer Artikel über eine sehr kontroverse außergewöhnliche Persönlichkeit! Ich kenne, kaufe und liebe Waldviertlerschuhe ob ihrer Qualität und dem origniellen Aussehen bereits seit 1993 (!) und ich werde dies auch in Zukunft tun, auch weil diese Firma für lokale und regionale Wertschöpfung in Österreich sorgt und ihre Steuern in Österreich zahlt (und nicht in China oder Luxemburg oder auf den Cayman-Islands). Danke, Herr Staudinger für Ihr Engagement!

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