Mädchenpower

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In den letzten Wochen hat sich die Stimmung in unserem Land verändert: In Medien und sozialen Netzwerken werden Ängste geschürt und Stimmung gegen Menschen aus anderen Ländern gemacht.

Frauen werden aufgefordert, sich zu schützen, private Initiativen bieten Begleitschutz an. Immer wieder höre ich von Frauen, die laut darüber nachdenken, ihre Töchter in Selbstverteidigungskurse zu stecken. Meine Antwort darauf: Ich habe mich in diesem Land mein Leben lang sicher gefühlt, und daran hat sich nichts geändert. Ich habe keine Lust, mich von der Panikmache in den Medien beeinflussen zu lassen. Und nein, ich werde meine Tochter nicht zur Selbstverteidigung schicken. Vielmehr möchte ich ihr Selbstbewusstsein stärken, möchte ihr beibringen, Grenzen zu setzen und im richtigen Moment Nein zu sagen. Sich selbst zu spüren. Sie ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, sich frei zu bewegen – ohne Angst vor dem Fremden oder davor, ihre Meinung sagen zu dürfen. Und dabei die Empathie nicht zu kurz kommen zu lassen. Denn ich bin überzeugt, dass ein gesundes Selbstwertgefühl der beste Weg zu einem selbstbestimmten Leben ist. Eine unserer größten Aufgaben als Frauen und Mütter sehe ich daher darin, unseren Töchtern genau das zu vermitteln. Sie anzunehmen, wie sie sind und sie in ihrer Persönlichkeit zu bestärken.

Ich gebe zu, dass ich keine Lust habe, mich in ein Weibchenschema pressen zu lassen, das mancherorts wieder zutage tritt und das mir vorschreiben will, wie eine Frau zu sein hat. Ich will ohne Angst durchs Leben gehen, will erfolgreich sein, ordentlich verdienen und gleichzeitig für meine Kinder da sein; möchte mich dabei spüren und das Leben genießen. Mir nicht einreden lassen, dass das nicht möglich sei, sondern meiner Tochter vorzeigen, wie es funktionieren kann. Und ich weiß, dass es möglich ist, denn ich habe einen Mann an meiner Seite, der mich bestärkt und unterstützt. Mit dem „Halbe-Halbe“ nicht nur bedeutet, die Aufgaben im Haushalt und in der Kinderbetreuung zu teilen, sondern vor allem gemeinsame Verantwortung für unser Einkommen zu übernehmen.

Dass Frauen alleine wegen ihres Frauseins herabgewürdigt und belästigt werden, musste ich in jungen Jahren schmerzlich erfahren. Mein Selbstbewusstsein erarbeitete ich mir schrittweise, meine Familie war dabei keine Hilfe. Ich wuchs in dem Glauben auf, Bescheidenheit sei eine erstrebenswerte Tugend, lernte, dass andere Meinungen mehr zählten als meine eigene – vor allem die von Männern. Doch das Korsett, in das ich eingezwängt war, konnte das Feuer in mir nicht löschen. Ich spürte, dass da noch mehr sein müsse, als brav und angepasst zu sein. In dem Maße, in dem mein Selbstwertgefühl wuchs, taten sich ungeahnte Möglichkeiten auf, gleichzeitig nahmen Grenzüberschreitungen von männlicher Seite ab. Indem ich lernte, mich selbst zu lieben, wuchs auch der Respekt der Männer (und Frauen) um mich herum.

Dieses Wissen und meine Lebenserfahrung an meine Tochter weiter zu geben, ist mir ein Herzensanliegen. Und wenn ich sie heute mit ihren zwölf Jahren sehe, ihre unbändige Lebenslust, ihren Humor und den Willen, alles zu erreichen, was sie sich vorgenommen hat, spüre ich, dass wir zwei auf einem guten Weg sind.

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