Dialog statt Hetze

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Vor einiger Zeit machte ein Video die Runde in sozialen Netzwerken: Joko und Klaas, deutsche TV-Entertainer und Social Media-Stars, sagten rassistischen Hetzern ihre Meinung.

„Erbärmliche Trottel, die sich auf Kosten der Ärmsten der Armen profilieren wollen“ oder „Ihr seid die Dummheit“ war da zu hören. Mein erster Gedanke war: recht so, zeigt es ihnen! Der zweite: wird sich dadurch, dass immer mehr Prominente und zahllose Nutzer von Social Media auf Hetzer losgehen, an deren Verhalten etwas ändern? Ich kam zu dem Schluss: eher nicht. Es könnte sogar das Gegenteil eintreten: Ein Großteil der auf diese Weise Gedemütigten wird sich unverstanden fühlen und gemaßregelt. Viele werden ihre Meinung nicht mehr öffentlich kundtun, sie aber im Stillen beibehalten. Gut möglich, dass ihre Wut durch die Bloßstellung nur noch steigt. Denn Aggression erzeugt immer noch mehr Aggression, Gewalt (auch verbale) schafft mehr Gewalt.

Ich gebe zu, auch mir fällt es nicht leicht, Menschen gegenüber, die in Social Media menschenverachtende Kommentare gegen Flüchtlinge posten, Zurückhaltung zu bewahren. Doch was mich immer mehr beschäftigt, ist die Frage: woher kommen diese Aggressionen? Und woher kommt die Angst vor Menschen, die alles verloren haben, die vor Krieg und Verfolgung flüchten? „Das Bedürfnis, anderen die Schuld dafür zu geben, dass die Welt nicht mehr so ist wie sie mal war, ist bei vielen Menschen beängstigend groß“, schrieb Armin Wolf in einem facebook-Beitrag, der tausende Male geliked wurde.

Wir müssen aufhören, die Welt in Gut und Böse zu trennen.

Ähnliches gilt wohl für geschätzte 30 Prozent FPÖ-Wähler in diesem Land, die für eine Partei stimmen, deren Politik aus Panikmache, Verdrehung von Tatsachen und Verleumdung besteht. Wir sollten aufhören, alle diese Menschen in einen Topf zu werfen, sie alle als Rassisten oder gar als Nazis zu verurteilen. Vor allem müssen wir aufhören, die Welt in Gut und Böse zu trennen. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß, sondern so viele Nuancen dazwischen! Doch gerade auf facebook und anderen sozialen Netzwerke sind zunehmend zwei Lager vertreten und jeder, der anderer Meinung ist, wird fertig gemacht.

Neulich stellte ich fest, dass einige meiner facebook-Freunde Fans von HC Strache sind, keinen von ihnen kenne ich persönlich. Reflexartig wollte ich ihnen meine Freundschaft aufkündigen, doch dann überlegte ich: ist ein Mensch zu verurteilen, nur weil er politisch anders denkt als ich? Und wäre es nicht sinnvoller, diesen Menschen mit meinen postings zu zeigen, dass es auch andere Denkansätze und Lösungen gibt als die, mit denen der FPÖ-Chef arbeitet? Dass wir mit Menschlichkeit und Empathie weiter kommen als mit Angstmache? Ich entschied mich für Zweiteres. Ich plädiere für mehr Verständnis und Versöhnlichkeit im Umgang mit anderen, gerade in sozialen Medien. Sinnvoller, als auf Hetze mit weiterer Hetze zu reagieren wäre, die Ängste vieler Menschen in diesem Land ernst zu nehmen. Was es braucht, ist mehr politische Bildung an Schulen, aber auch Geistesschulung und Herzensbildung, wie der Dalai Lama vorschlägt. „Ich blicke mit Freude dem Tag entgegen, an dem Kinder in der Schule die Grundsätze der Gewaltlosigkeit und der friedlichen Konfliktlösung lernen.“

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