Das Kind in uns (aus: Gesundheit 9/2011)

Das Kind in uns (Gesundheit 9/2011)

Erlebnisse aus der Kindheit prägen unser ganzes Leben. Wenn wir mit unserem Inneren Kind in Kontakt treten, können wir alte Verletzungen heilen.

Das Kind, das wir einmal waren, lebt in uns weiter“. Mit diesem einfachen Satz beschreibt die systemische Familientherapeutin und Buchautorin Ulrike Dahm die Essenz des Inneren Kindes. In Ihrem Buch „Mit der Kindheit Frieden schließen. Wie alte Wunden heilen“ zeigt Dahm auf, wie die Erlebnisse der Kindheit unser ganzes Leben prägen. Denn kaum ein Mensch kann auf eine »ideale Kindheit« zurückblicken. Im Gegenteil: „Viele Menschen leiden noch Jahre später an den inneren Verletzungen, die sie als Kinder erfahren mussten.“ Die gute Nachricht: „Als Erwachsener hat man die Chance, die Wunden aus der Vergangenheit selbst zu heilen“, ermuntert Dahm dazu, sich mit der eigenen Kindheit zu versöhnen.

Den Begriff des „Inneren Kindes“ hat der amerikanische Psychologe und Autor John Bradshaw geprägt und meint damit „die im Gehirn gespeicherten Gefühle, Erinnerungen und Erfahrungen aus der eigenen Kindheit“, wie Psychologe Peter Ganahl erklärt. „Hierzu gehört das ganze Spektrum intensiver Gefühle, wie unbändige Freude, abgrundtiefer Schmerz, Glück und Traurigkeit, Intuition und Neugierde, Gefühle von Verlassenheit, Angst oder Wut.“ Ganahl vergleicht unser Seelenleben mit einer Theaterbühne, auf der es verschiedene Mitspieler gibt, von denen eines das Innere Kind ist. Falls unter den Mitspielern eine Person ist, von der wir uns bedroht fühlen, deutet das auf ein unverarbeitetes Trauma aus der Kindheit hin.

Wie kann ich für mich selbst die Verantwortung übernehmen?

Traumata können von einmaligen Erlebnissen wie Krieg oder Unfällen ebenso ausgelöst werden wie von langfristigen unangenehmen Erfahrungen“, erklärt der Wiener Psychotheraperut Mag. Dr. Helmut Jedliczka. „Hier reicht der Bogen von einer lieblosen, vernachlässigt empfundenen Kindheit bis zum sexuellen Missbrauch.“ Zentral sei das Empfinden der existenziellen Bedrohung. Die Frage, die traumatisierte Personen sich stellen müssten, sei: „Wie kann ich für mich selbst die Verantwortung übernehmen?“, erklärt Jedliczka. Dem verletzten und gekränkten Inneren Kind werden dabei alternative Erfahrungen wie beispielsweise liebevolle Eltern angeboten. „Ausschlaggebend dabei ist die Erfahrung eines sicheren Ortes, an dem das Kind in mir sich geborgen fühlt.“ Jedliczka empfiehlt, diese Arbeit mit einem Therapeuten zu beginnen, um sie danach selbständig fortführen zu können.

In der Traumatherapie ermöglicht die Arbeit mit dem verletzten Inneren Kind einen wichtigen Zugang zu heilsamen Erfahrungen. Die Traumatherapeutin Dr. Sylvia Wintersperger arbeitet in ihrer Praxis mit dieser Methode. Sie erklärt anhand eines Beispiels den Einfluss des Inneren Kindes: „Eine Frau, die als Kind sexuell missbraucht wurde, verwandelt sich jedes Mal, wenn sie einem Mann begegnet, in das Mädchen von damals. Dann wird ihre Stimme plötzlich piepsig und sie lässt es zu, dass sie in Beziehungen gerät, in denen sie schlecht behandelt wird. Obwohl sie genau weiß, dass eine bestimmte Art von Mann ihr nicht gut tut, wird sie sich immer wieder mit solchen Männern einlassen.“

Hier geht’s zum ganzen Artikel.

About these ads

2 Gedanken zu „Das Kind in uns (aus: Gesundheit 9/2011)

  1. Marina Kaiser

    Diese Gedanken finde ich sehr gelungen auf den Punkt gebracht.
    Vielen Dank für diese Zusammenfassung mit vielfältigen Aspekten der Innenwelt-Heilung mit dem inneren Kind.
    Ich möchte herzlich einladen zu einem Besuch auf meinem Blog, den ich für Anregungen der Kommunikation mit dem inneren Kind eingerichtet habe:
    http://innereskind.wordpress.com/
    Herzliche Grüße Marina Kaiser :-)
    P.S. Auch auf meiner Seite http://www.marina-kaiser.de ist einiges zum Thema “Inneres Kind”

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s